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8. März bis ...
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Radioaktivität kumuliert; das bedeutet, radioaktive Partikel reichern sich im lebenden Organismus immer weiter an und mit der Zeit können ähnliche Schäden auftreten, wie bei einer kurzzeitig einwirkenden, massiven Strahlenbelastung...
Die PDF-Datei "Nuclear Power Accidents" enthält eine Reihe weiterer Vorfälle aus verschiedenen Bereichen der Atomindustrie. Einige der Ereignisse wurden nie über offizielle Kanäle veröffentlicht, so dass diese Informationen der Öffentlichkeit nur auf Umwegen zugänglich gemacht werden konnten. Die Liste der Zwischenfälle in der PDF-Datei ist daher nicht zu 100% identisch mit "INES und die Störungen in kerntechnischen Anlagen", sondern stellt eine Ergänzung dar.
1. März 2006 (INES-2) Akw Kozloduy, BGR
5. März 1969 (INES-3) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
6. März 2006 (INES Klass.?) Atomfabrik NFS, Erwin, TN, USA
8. März 2002 (INES-3) Akw Davis Besse, OH, USA
8. März 1968 (Broken Arrow) U-Boot-Unglücke, K-129 sank 2900 km nw Hawaii
10. März 1970 (INES-3 NAMS 2,6) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
11. März 2011 (INES-7 NAMS 7,5) Akw Fukushima I Daiichi, JPN
11. März 2006 (INES-4) Nuklearmedizin IRE Fleurus, BEL
11. März 1997 (INES-3) Atomfabrik Tōkaimura, JPN
11. März 1958 (Broken Arrow) Mars Bluff, South Carolina, USA
12. März 2011 (INES-3) Akw Fukushima II Daini, JPN
13. März 1980 (INES-4) Akw Saint-Laurent, FRA
14. März 2011 (INES Klass.?) Akw Pickering, ON, CAN
14. März 1961 (Broken Arrow) Yuba City, CA, USA
18. März 2011 (INES-2) Akw Doel, BEL
19. März 1971 (INES-3 NAMS 2) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
22. März 1975 (INES Klass.?) Akw Browns Ferry, Alabama, USA
25. März 1955 (INES-4 NAMS 4,3) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
26. März 1954 ("Castle Romeo" H-Bombe mit 11 MT) Bikini Atoll, MHL
28. März 1979 (INES-5 NAMS 7,9) Akw Three Mile Island, Harrisburg, USA
Wir sind immer auf der Suche nach aktuellen Informationen. Wer helfen kann, sende bitte eine Nachricht an:
nukleare-welt@reaktorpleite.de
14. März
Marodes Atommülllager in Asse
Bergung von radioaktivem Abfall auf unbestimmte Zeit verschoben
Der Start der Räumung des maroden Atommülllagers im niedersächsischen Asse ist wieder offen. Die geplante Rückholung des radioaktiven Abfalls ab 2030 ist geplatzt. Es gibt offenbar noch zu viele Unsicherheiten.
Die empfohlene Räumung des maroden Atommülllagers Asse in Niedersachsen ist vorerst geplatzt. »Derzeit bestehen noch so viele Unsicherheiten im Gesamtsystem, sodass seriös kein neuer Rückholbeginn genannt werden kann«, sagte Dagmar Dehmer, Sprecherin der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Bisher hatte die zuständige Betreibergesellschaft mit Sitz im niedersächsischen Peine eine Rückholung der Abfälle ab dem Jahr 2033 anvisiert.
Über den geplatzten Starttermin hatte zuvor die »Braunschweiger Zeitung« berichtet. Seit einigen Wochen gibt es bereits Berichte darüber, dass es keinen Zeitplan mehr für die Rückholung gebe. Umplanungen im Ablauf seien ein wesentlicher Grund dafür, dass aktuell kein Gesamtplan vorgelegt werden könne, sagte BGE-Sprecherin Dehmer nun. Im April will die Gesellschaft Informationen zum Planungsstand geben.
In der Schachtanlage im Landkreis Wolfenbüttel liegen in 13 Kammern rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen, die in den Sechziger- und Siebzigerjahren dort eingelagert worden waren. Da die Asse als instabil gilt, sollen die Fässer zurückgeholt werden. Es gibt den gesetzlichen Auftrag, die Asse unverzüglich stillzulegen. Zuständig für die Rückholung ist die BGE.
Die BGE hatte 2020 einen Plan vorgelegt, nach dem 2033 mit der Rückholung begonnen werden sollte. Die Kosten nur bis zum Start kalkulierte die BGE schon damals mit mehr als drei Milliarden Euro.
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Nukleare Renaissance oder finanzielles Fass ohne Boden?
EDF gründet Beirat für Milliarden-Investitionen
Die französische EDF prescht mit einer neuen Initiative vor: Dem „Financing and Investing in Nuclear – Advisory Board“ (FINABe). Dass dieser Beirat ausgerechnet jetzt ins Leben gerufen wird, ist kein Zufall. Denn während viele Staaten von einer Rückkehr zur Atomkraft träumen, scheitern Projekte immer öfter an einer banalen, aber gewaltigen Hürde: den astronomischen Kosten.
Die nackten Zahlen sind beeindruckend und beängstigend zugleich. Bis 2050 müssten laut EU-Kommission allein in Europa rund 241 Milliarden Euro in die Kernenergie fließen. Doch wer soll das bezahlen? Privatwirtschaftlich ist die Kernkraft heute kaum noch darstellbar – sie ist schlichtweg „extremst teuer“.
FINABe: Die Suche nach dem rettenden Kapital
Der neu gegründete Beirat soll die Brücke zwischen der Energiewirtschaft und dem Finanzsektor schlagen. Hochkarätige Namen wie ABN AMRO, BNP Paribas, HSBC und die Royal Bank of Canada sitzen mit am Tisch. Das Ziel: Finanzierungsmodelle zu entwickeln, die das enorme Risiko von Nuklearprojekten für private Investoren absichern.
EDF-Finanzdirektor Claude Laruelle bringt es auf den Punkt: Die Sicherstellung glaubwürdiger Finanzierungslösungen sei heute „ebenso entscheidend wie die Auswahl der richtigen Technologie“. Übersetzt bedeutet das: Ohne massive staatliche Schützenhilfe und neue Finanzkonstrukte wird kein einziger neuer Meiler gebaut.
[...] Fazit: Ohne den Staat geht nichts
Damit zeigt sich, dass die „nukleare Renaissance“ am seidenen Faden der Finanzierung hängt. Instrumente wie staatliche Garantien, Differenzverträge (CfD) oder Kredite der Europäischen Investitionsbank werden im FINABe-Beirat ganz oben auf der Agenda stehen.
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14. März 2011 (INES-7 NAMS 7,5) Akw Fukushima I Daiichi, JPN
Es wurden etwa 1,59 Millionen TBq Radioaktivität freigesetzt. Durch ein Erdbeben und einen Tsunami am 11. März fielen im Akw Fukushima Daiichi die Notstromaggregate aus, woraufhin die Kühlung der Reaktoren versagte und es zu Bränden und Kernschmelzen kam.
(Kosten mindestens 260.000 Millionen US$, Jahr für Jahr weiter steigend.)
Nuclear Power Accidents
Wikipedia de
Chronologie der Katastrophe in Japan von 2011
Aufgrund der Schäden an Stromversorgung und Kühlsystem, welche durch das große Tōhoku-Erdbeben vom 11. März 2011 und den darauf folgenden Tsunami verursacht wurden, sowie wegen fehlender Kabel für mobile Stromgeneratoren kam es im KKW Fukushima-Daiichi (Fukushima 1) in drei von sechs Reaktorblöcken zu einer Überhitzung des Reaktorkerns.
Jede der drei Explosionen erfüllt die Kriterien für die Einstufung als INES-7 "Katastrophaler Unfall"
Am 12. März 2011 explodierte Reaktorblock 1,
am 14. März 2011 explodierte Reaktorblock 3 und
am 15. März 2011 explodierte Reaktorblock 2 des Akw Fukushima Daiichi.
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14. März 2011 (INES Klass.?) Akw Pickering, ON, CAN
Freisetzung von radioaktiver Strahlung in die Umwelt bedeutet INES-3 ...
AtomkraftwerkePlag
Pickering (Kanada)
Die Grassroot-Organisation Sierra Club Canada protestierte gegen die Laufzeitverlängerung im Jahr 2013 und forderte wegen Überalterung, steigender Strahlung und zunehmender Freisetzung von Tritium eine sofortige Stilllegung des Atomkraftwerks. So sei im Juni 2010 unerwartete Beta-Gamma-Strahlung der Reaktoren 5 bis 8 in Wasser freigesetzt worden.
Am 14. März 2011 flossen 73.000 Liter Wasser, leicht mit Tritium kontaminiert, wegen eines Dichtungsproblems an einer Pumpe in den Ontariosee. Betreiber und Aufsichtsbehörde bezeichneten die Risiken als "vernachlässigenswert".
Im Januar 2012 trat laut Sierra Club am "zerbrochenen" Reaktor 4 kontaminiertes Wasser wegen eines Lecks aus.
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14. März 1961 (Broken Arrow) Yuba, CA, USA
Wikipedia en
Übersetzung https://www.DeepL.com/Translator
1961 Yuba City B-52 crash
Nach dem offiziellen Bericht der Luftwaffe erlitt das Flugzeug eine unkontrollierte Dekompression, die einen Sinkflug auf 10.000 Fuß (3.000 m) erforderlich machte. Der erhöhte Treibstoffverbrauch, der durch die geringere Flughöhe verursacht wurde, und die Unmöglichkeit, rechtzeitig ein Tankflugzeug zu erreichen, führten dazu, dass dem Flugzeug der Treibstoff ausging. Die Besatzung konnte sich in Sicherheit bringen, und das nun unbesetzte Flugzeug stürzte 15 Meilen (24 km) westlich von Yuba City ab, wobei die Atomwaffen beim Aufprall aus dem Flugzeug gerissen wurden. Die Waffen detonierten nicht, da ihre Sicherheitsvorrichtungen ordnungsgemäß funktionierten...
Broken Arrow incidents
Das US-Verteidigungsministerium hat mindestens 32 "Broken Arrow"-Vorfälle zwischen 1950 und 1980 offiziell anerkannt.
13. März
Studie zu Klimaschäden
Klimawandel erhöht die Staatsverschuldung
Die Folgen der Erderwärmung schlagen sich auch wirtschaftlich nieder. Um Klimaschäden künftig entgegenzuwirken, muss die EU stärker investieren.
Höhere Verschuldung, wachsende Ungleichheit und langsameres Wachstum – dazu könnte es kommen, wenn der Klimawandel in der europäischen Finanzplanung und bei der Berechnung, welche Schulden tragfähig sind, nicht stärker berücksichtigt wird. Das zeigt eine neue Studie der britischen New Economics Foundation. Investitionen in den Klimaschutz könnten die Wirtschaft dagegen EU-weit stabilisieren.
Ohne höhere Ausgaben für Klimaschutz prognostizieren die Expert*innen einen Anstieg der durchschnittlichen Schuldenquote der EU-Mitgliedstaaten bis 2050, die 58 Prozentpunkte über bisherigen Schätzungen der Europäischen Kommission liegt – 2070 wären es 197 Prozentpunkte. Die Schuldenquote drückt das Verhältnis zwischen den Staatsschulden und dem Bruttoinlandsprodukt aus. Bei frühzeitigen EU-Investitionen – besonders in Verbindung mit globaler Zusammenarbeit – würde die durchschnittliche Verschuldung bis 2050 zwar auch um 4 Prozentpunkte höher ausfallen als bislang angenommen, bis 2070 könnte sie aber 12 Prozentpunkte darunter liegen.
Das Problem: Bisher sei die EU zu sehr auf die kurzfristige Staatsverschuldung fokussiert und vernachlässige die Langzeitfolgen, sagen die Wissenschaftler*innen.
Die Klimakrise würde vielfältige Schäden hervorrufen: Produktivität, Infrastruktur und Sektoren wie Verkehr, Landwirtschaft und Energie würden geschädigt, so die Expert*innen. In Zukunft seien zudem steigende Kosten für Reparaturen und Wiederaufbau nach Klimakatastrophen zu erwarten.
[...] Die bestehenden Fiskalregeln würden verlangen, auf grüne Investitionen zu verzichten, die wirtschaftlich von langfristigem Vorteil wären, sagt Mang. Die anhaltende Energiekrise sei ein anschauliches Beispiel. „Hätten wir in den vergangenen Jahren stärker in Bahn, erneuerbare Energien und Netzinfrastruktur investiert und damit unsere Abhängigkeit von Öl und Gas verringert, würde uns die aktuelle Krise deutlich weniger hart treffen.“ Würden solche Investitionen früher getätigt, könnten die wirtschaftlichen Folgen solcher Schocks vermieden oder zumindest gemildert werden.
Fossile Brennstoffe nicht länger subventionieren
Das Problem sei, dass aktuell die erwartbaren Kosten von ausbleibenden Klimaschutzmaßnahmen nicht berücksichtigt würden bei der Berechnung, welche Verschuldung tragfähig sei. Es brauche aber ein präventives Modell, das keine starren numerischen Regeln aufstelle, sondern Klima- und Resilienzausgaben qualitativ bewerte, heißt es in der Studie.
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Atomkraftwerke: 15 Jahre Fukushima Super-GAU - Japanische Energiepolitik im Wandel
Tokio – Am 11. März 2011 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 9 und der folgende Tsunami die Ostküste Japans mit verheerender Kraft. Die Naturkatastrophe führte zum schwersten Nuklearunfall seit Tschernobyl im Jahr 1986. Mehrere Reaktoren des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi gingen in Kernschmelze, radioaktive Stoffe traten aus, und mehr als 160 000 Menschen mussten ihre Heimat verlassen.
Seitdem sind 15 Jahre vergangen – ein Zeitraum, in dem das Ereignis die Energiepolitik Japans geändert hat und das Land vor mehrere fundamentale Herausforderungen stellte: den laufenden Rückbau des havarierten Kraftwerks mit Milliardenaufwand über Jahrzehnte, die Rekonstruktion der betroffenen Regionen und eine Neuplanung der nationalen Energieversorgung.
[...] Kosten des Atomunfall in Fukushima: in der Summe im dreistelligen Milliardenbereich
Die finanziellen Dimensionen sind gewaltig und haben sich über die Jahre deutlich erhöht. Je nach Quelle reichen die Schätzungen von rund 175 Mrd. Euro laut dem japanischen Wirtschaftsministerium (METI) bis zu etwa 500 Mrd. Euro nach unabhängigen Studien.
[...] Die japanische Energiepolitik hat sich seit 2011 deutlich gewandelt und setzt auf einen kombinierten Ansatz aus Kernenergie, erneuerbaren Energien und Effizienzmaßnahmen.
So hat Japan schrittweise wieder einige Atomkraftwerke in Betrieb genommen. Bis heute weisen laut der IAEA 14 der zuvor stillgelegten 54 Reaktoren den Status „Operational“ auf, 19 AKW den Status „Suspended Operation“ auf. 27 Atomkraftwerke sind endgültig stillgelegt (Permanent Shutdown).
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Während die Welt auf den Konflikt zwischen Israel, den USA und dem Iran blickt, gerät der Ukrainekrieg zunehmend aus dem Fokus.
Der amerikanische Historiker Marc Trachtenberg erklärt im Gespräch mit Roberto De Lapuente, warum die globale Machtpolitik gerade eine grundlegende Verschiebung erlebt. Er sieht in Trumps Außenpolitik einen Bruch mit dem liberalen Internationalismus – und eine mögliche Grundlage für eine Einigung mit Russland.
De Lapuente: Kein Mensch spricht mehr vom Ukrainekrieg. Wir schauen jetzt gebannt auf den Angriff Israels und der Vereinigten Staaten auf den Iran – und auf die Folgen dieses Angriffs. Glauben Sie, dass diese neue globale Lage, den Konflikt um die Ukraine auf irgendeine Weise verändern wird? Und wenn ja, wie?
Trachtenberg: Die Vereinigten Staaten vermitteln deutlicher denn je zuvor die Botschaft, dass Großmächte jederzeit Gewalt anwenden dürfen, wenn sie dies für ihre Interessen als notwendig erachten. Das bedeutet, dass auch die US-Regierung das Recht Russlands akzeptiert, in der Ukraine Gewalt anzuwenden, wenn es dies für angebracht hält. Man kann die »russische Aggression« nicht als Verbrechen bezeichnen, wenn man selbst dasselbe »kriminelle« Verhalten an den Tag legt. All dies könnte wiederum dazu beitragen, den Weg für eine Beilegung des Ukrainekrieges zu ebnen, die für Russland akzeptabel wäre. Um ehrlich zu sein, bin ich überrascht, dass dies noch nicht geschehen ist – dass Russland einer solchen Beilegung, wie sie Trump im Sinn hat, noch nicht zugestimmt hat, obwohl dies ganz offensichtlich in seinem Interesse liegt.
De Lapuente: Können Sie sich erklären, warum das bislang noch nicht geschehen ist?
Trachtenberg: Nein, ich bin völlig perplex. Ich war mir sicher, dass der Krieg inzwischen vorbei sein würde, angesichts der Politik, für die sich Trump entschieden hatte. Aber ich habe mich offensichtlich geirrt. Wenn man solche Vorhersagen macht, muss man davon ausgehen, dass die Menschen sich entsprechend ihren Interessen verhalten (so wie man sie versteht). In der realen Welt ist das jedoch nicht immer der Fall. Oft spielen andere Faktoren eine Rolle, aber wir wissen nicht genau, welche das sind, bis wir die Möglichkeit haben, die derzeit geheimen Dokumente zu untersuchen – und diese Möglichkeit werden wir wahrscheinlich noch lange Zeit nicht haben.
»Die Pattsituation könnte sehr schnell enden«
De Lapuente: Es geht für die Russen wenig vor, noch weniger zurück – dass die Russen bald vor Warschau oder Berlin stehen, scheint schon deshalb – wenn nicht ausschließlich – abwegig. Würden Sie mitgehen, wenn ich behauptete, dass die Situation um die Ukraine als Patt betrachtet werden muss?
Trachtenberg: Nun, bisher herrscht sicherlich eine Pattsituation. Aber solche Dinge können sich schnell ändern. Denken Sie an 1918. Wenn Russland Trumps Bedingungen akzeptiert, die Ukraine jedoch nicht, und die USA alle Hilfen für die Ukraine einstellen, würde die Pattsituation sehr schnell enden.
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Trump und der Iran-Krieg
"Dafür haben wir nicht gestimmt"
Umfragen zeigen: Unter Anhängern der Republikaner ist die Zustimmung zum Iran-Krieg groß. Doch die Benzinpreise steigen, US-Soldaten sind gestorben - in der MAGA-Bewegung zeigen sich erste Risse.
Die Moderatorin hat das Gespräch gerade erst begonnen, da ist der Gast, Marjorie Taylor Greene, sofort auf Hundertachtzig: "Das ist nicht das, wofür wir gestimmt haben", sagt Greene - das sei nicht MAGA und nicht "Amerika Zuerst". Lange Zeit war Greene ein wichtiger Teil der MAGA-Bewegung und glühende Anhängerin von Donald Trump. Doch im vergangenen Jahr überwarf sie sich mit ihm und trat als Abgeordnete zurück.
Greene sagt, die meisten Amerikaner seien gegen diesen Krieg. Schließlich habe Präsident Trump keine überzeugenden Argumente dafür präsentiert.
[...] Als Trump im Winter damit begann, die US-Truppen im Nahen Osten zu verstärken, da ahnte Steve Bannon bereits, warum das geschah - und er warnte. In Trumps erster Regierung diente Bannon als Chefstratege des Präsidenten. Im vergangenen Januar sagte er einem Sender, das "Problem in Teheran" sei kein Problem der Amerikaner. Und man sei gut beraten, sich um die eigenen Probleme zu kümmern.
Den Militäraufmarsch bezeichnete Bannon damals als "Provokation", mit dem die USA einen "Kampf" heraufbeschwörten - als Antwort darauf, was der israelische Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Nahen Osten vorhabe.
[...] Rechtsgerichtete Politiker und Medienpersönlichkeiten wie Marjorie Taylor Greene, Megyn Kelly, Steve Bannon oder Joe Rogan sprechen derzeit offensichtlich nicht für eine Mehrheit der Trump-Basis. Politikberaterin Rina Shah warnt ihre Partei dennoch - vor allem für den Fall, dass sich der Krieg noch länger hinziehen sollte: "Ich sehe eine weitere Spaltung der Partei, wenn wir uns dem späten Frühjahr und Sommer nähern. Denn die Zwischenwahlen im November könnten wirklich davon abhängen, ob der Krieg seinen Preis wert ist."
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13. März 1980
(INES-4) Akw Saint-Laurent, FRA
Ein fehlerhaftes Kühlsystem hat im UNGG Reaktor Saint Laurent A-2 Brennelemente zusammengeschmolzen und eine längere Abschaltung erzwungen.
(Kosten ca. 26 Millionen US$)
Nuclear Power Accidents
AtomkraftwerkePlag
Saint-Laurent (Frankreich)
1980: Partielle Kernschmelze in Reaktor A-2
Der zweite Unfall in Saint-Laurent, der als schwerster in der französischen Geschichte bezeichnet wird, ereignete sich im Reaktor A-2 am 13. März 1980. Eine Metallplatte hatte sich gelöst und verstopfte Dutzende von Kühlrohren, woraufhin das Kühlsystem teilweise ausfiel. Zwei Brennelemente schmolzen, die radioaktive Belastung des Kühlgases stieg massiv an. Glücklicherweise funktionierte die Notabschaltung, und der Reaktor wurde automatisch deaktiviert...
Wikipedia de
Kernkraftwerk Saint-Laurent#Zwischenfälle, partielle Kernschmelzen
Am 13. März 1980 schmolz in dem anderen UNGG-Reaktor A2 ein Brennelement. Die Beschädigung führte zu einer Kontaminierung des Gebäudes. Der Reaktor war daraufhin für die nächsten zweieinhalb Jahre nicht verfügbar. Während der Reinigungsarbeiten wurde bemerkt, dass einige Kilogramm geschmolzenen Materials sich in einem Senkkasten abgesetzt hatten. Es wurde mit Wasser gespült und die Substanzen (darunter auch Plutonium) gelangten in die Loire.
12. März
Castor-Alarm Gelb - BGZ macht Ernst
Es wird nun bitterernst: Die für Ahaus zuständige Atommüll-Tochter des Bundesumweltministeriums, die BGZ, hat für nächsten Donnerstag, 19. März, im Rathaus in Ahaus die Infoveranstaltung angekündigt, die unmittelbar vor dem 1. Castor stattfinden soll.
Im Klartext: Der 1. Castor von Jülich nach Ahaus kann schon direkt danach rollen – spätestens aber bis zum 26. März (Beginn NRW-Osterferien)!
Wir lösen deshalb heute Castor-Alarm Gelb aus – und rufen euch auf, mit den konkreten Protest-Vorbereitungen für den 1. Castor-Transport zu beginnen.
Am Transporttag - Tag X1 - gibt es wie vereinbart zwei feste Protesttermine, zeitgleich um 18 Uhr in Jülich und Ahaus:
- Jülich, 18 Uhr: Kundgebung vor dem Forschungszentrum
- Ahaus, 18 Uhr: Demo ab Bahnhof zum Rathaus
Danach wird es eine lange Castor-Nacht werden auf den 170 Autobahn-Kilometern zwischen Jülich und Ahaus!
Weitere Proteste, auch spontane, sind zu erwarten – schaut regelmäßig auf die Websites www.bi-ahaus.de, www.westcastor.org, www.castor-stoppen.de und www.sofa-ms.de.
Tragt euch in die Kontaktlisten auf bi-ahaus.de (WhatsApp) und westcastor.org (SMS/Signal) ein – und lest eure Mails.
Lasst uns gemeinsam den Protest auf die Straße tragen und den Castor-Wahnsinn stoppen!!
Hochradioaktiver Atommüll gehört nicht auf die Autobahn!
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Propaganda im Iran-Krieg
»Trump von Jesus gesalbt«
Propagandaschlacht läuft auf Hochtouren. Behauptungen und Zitate, die den Krieg gegen Iran rechtfertigen sollen
Die »älteste Demokratie der Welt« (USA) und die »einzige Demokratie des Nahen Ostens« (Israel) kämpfen erneut vereint gegen »das Böse« (Iran). Begründungen, Zustimmung und gute Nachrichten zum Kriegsverlauf gibt es mehr als genug. Jedenfalls ist es ein gelungener Krieg gegen den noch verbliebenen Restverstand auf der Welt. Eine Auswahl.
»Der Iran will Atombomben besitzen.« Seit 2002 immer wiederkehrender Vorwurf der US-Präsidenten Bush, Obama, Trump, deren Land die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hat. Vorwurf von Netanjahu, dessen Land insgeheim Atomwaffen besitzt.
Irans »entscheidende Anlagen zur Urananreicherung« sind nach der Bombardierung durch das US-Militär komplett zerstört. Trump, 22.6.2025.
Das Atomprogramm ist weitgehend beendet. Israel hat »die Drecksarbeit für uns gemacht«. Bundeskanzler Friedrich Merz, 17.6. 2025
»Ich werde niemals zulassen, dass der weltweit größte staatliche Sponsor des Terrors eine Atombombe besitzt.« Trump, 25.2.2026
»Der Iran ist kurz davor gewesen, in den Besitz von Atomwaffen zu gelangen.« Friedrich Merz am 3.3.2026. Pentagon und die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) bestreiten das.
»Der Iran unterdrückt Menschen.« Permanenter Vorwurf der USA seit 1979 (Ende des Schahregimes). Sie kennen sich aus, denn sie haben die höchste Inhaftierungsquote der Welt (639 Gefangene pro 100.000 Einwohner – zum Vergleich Russland 331, China 121), ihre Polizei erschießt etwa 1.000 Menschen pro Jahr und sie haben allein im Dezember 2025 mehr als 68.000 Menschen durch die Behörde ICE inhaftieren lassen (davon 75 Prozent ohne Verurteilung).
»Khamenei war einer der bösartigsten Menschen der Geschichte.« »Ich habe ihn gekriegt, bevor er mich gekriegt hat.« Trump bekennt sich am 28.2./1.3.2026 zum Mord an Ajatollah Khamenei (und 50 weiteren Führungsfiguren der Iranischen Republik).
[...] »Präsident Trump wurde von Jesus gesalbt, um das Signalfeuer im Iran zu entzünden, um Armageddon zu verursachen und seine Rückkehr zur Erde zu markieren.« Journalist Jonathan Larsen zitiert aus der Beschwerde eines US-Unteroffiziers über die Einschwörung durch seinen Kommandeur.
»Gab es im Iran früher einen demokratisch gewählten Präsidenten?« Frage im Faktencheck bei »Maischberger« am 3.3.2026. Ja, den gab es – Mohammed Mossadegh. 1953 von den USA weggeputscht, weil er die iranischen Ölquellen als Mittel einer nationalen Entwicklung verstaatlichen und damit den Briten und den USA entreißen wollte.
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Warum Ursula von der Leyen jetzt die Atomkraft neu entdeckt – und was Frankreichs Atomschutz damit zu tun hat
Münster – Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat auf dem Kernenergie-Gipfel in Paris auf die Schlüsselrolle von Kernenergie und erneuerbaren Energien bei der Stromproduktion verwiesen. Was auf den ersten Blick wie eine energiepolitische Kehrtwende aussieht, hat einen deutlich tieferen Hintergrund.
Von der Leyen kündigte eine neue europäische Strategie für kleine modulare Reaktoren an, sogenannte Mini-Atomkraftwerke (SMR – Small Modular Reactors). Private Investitionen in innovative Kerntechnologien sollen mit einer Garantie in Höhe von rund 200 Millionen Euro unterstützt werden. Doch die eigentliche Intention des Programms zielt eher auf den nicht-zivilen Bereich der Atomenergie ab.
[...] Politik: Militärischer Atomschutz Frankreichs nicht ohne zivile Nutzung der Kernenergie
Die Aussagen von Ursula von der Leyen lassen sich insgesamt weniger als reine energiepolitische Neuausrichtung interpretieren, sondern auch als politisches Signal an die EU-Länder.
Frankreich und das Vereinigte Königreich sind die einzigen Atommächte innerhalb der europäischen NATO-Staaten. In der aktuellen sicherheitspolitischen Debatte spielt insbesondere die Möglichkeit einer stärkeren europäischen Abschreckung unter französischem Atomschutz eine wachsende Rolle.
Dabei ist die zivile Nutzung der Kernenergie historisch eng mit der militärischen Atomfähigkeit verknüpft. Bereits der frühere französische Präsident Valéry Giscard d’Estaing erklärte in den 1970er-Jahren sinngemäß, dass das militärische Atomprogramm Frankreichs so kostspielig sei, dass es ohne eine breite zivile Nutzung der Kernenergie nicht tragbar wäre.
Die zivile Atomindustrie sorgt für technologische Infrastruktur, industrielle Kapazitäten und qualifiziertes Personal – Voraussetzungen, die auch für das militärische Atomprogramm notwendig sind.
Vor diesem Hintergrund kann die neue EU-Strategie für Kerntechnologien auch als Beitrag der europäischen Staaten zur Finanzierung und industriellen Absicherung der französischen Nuklearfähigkeit verstanden werden.
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Kommentar zur Atomdebatte
Auch kleinere Reaktoren bergen große Risiken
Kleine modulare Reaktoren sollen die Atomkraft neu erfinden. Doch vieles existiert bislang nur auf dem Papier – und zentrale Versprechen zu Kosten, Sicherheit und Tempo halten einer genaueren Prüfung kaum stand.
Die kleinen modularen Reaktoren erleben gerade einen Hype. Sie sind eine verführerische Idee – aber sie bergen etliche Risiken. Im Prinzip laufen kleine Reaktoren seit Jahrzehnten vor allem im militärischen Bereich – etwa auf Atom-U-Booten, Eisbrechern oder Flugzeugträgern. Nun sollen sie die zivile Strom- und Wärmeerzeugung umkrempeln. Sie sind die Hoffnungsträger der Nuklearindustrie, auch wenn sie jenseits von Russland und China bislang nur virtuell im Computer existieren.
Ihr zentrales Versprechen: günstiger, schneller, sicherer. Sicherer, weil ein einfacheres Design weniger fehleranfällig sein soll und weil man wegen der geringeren Größe stärker auf passive Sicherheit setzen kann. Günstiger sollen die kleinen Reaktoren werden, wenn sie eines Tages in Fabriken standardisiert gefertigt und vor Ort montiert werden – einzeln oder als Park aus mehreren Modulen.
Warum kleine Reaktoren bisher zu teuer waren
In Europa verfolgen etliche Länder diese Pläne. Meist geht es um verkleinerte Varianten erprobter Konzepte, aber auch um Exotischeres, Konzepte, die zwar auf dem Papier attraktiv wirken, bei denen praktisch aber viele Fragen offen sind.
[...] Die Anlagen sind nicht im Langzeitbetrieb erprobt. Und um die Leistung eines Großreaktors zu ersetzen, braucht man viele Module. Ob die Summe vieler kleiner Reaktoren mit jeweils rechnerisch geringerem Risiko am Ende tatsächlich „sicherer“ ist, das ist offen: Mehr Einheiten bedeuten mehr Schnittstellen, mehr mögliche Störungen – und potenziell mehr Angriffspunkte für Sabotage oder Terror, vor allem bei verteilten Standorten.
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Kläranlagen: Der blinde Fleck in der Klimabilanz
Laut einer Studie fehlen jährlich bis zu 150 Millionen Tonnen CO2 in offiziellen Klimabilanzen – so viel wie der gesamte Flugverkehr.
Kläranlagen gehören zur weitgehend unsichtbaren Infrastruktur unserer Welt. Sie reinigen das Abwasser mit unseren Fäkalien und sollen dafür sorgen, dass Flüsse und Grundwasser sauber bleiben. Damit sind sie ein wichtiger Bestandteil unseres Gesundheits- und Umweltschutzes, bei dem sich inzwischen gezeigt hat, dass kleinste Schmutzpartikel dennoch einfach durchgereicht werde, weil niemand die Kosten für eine bessere Abwasserreinigung bezahlen möchte.
Und jetzt zeigt sich, dass schon die Emissionen der bestehenden drei Reinigungsstufen deutlich höher sind, als bislang angegeben wird.
Für das derzeit in der politischen Versenkung verschwindende Klima spielt die Abwasserreinigung daher eine größere Rolle, als bisher in den offiziellen Zahlen zu sehen ist. Es geht dabei nicht um eine fehler- oder lückenhafte Abwasserreinigung, sondern um die bei der weitgehend ordnungsgemäßen Reinigung entstehenden klimarelevanten Gase.
Eine aktuelle Untersuchung der Princeton University Engineering School, die am 1. Februar im Journal Nature Climate Change veröffentlicht wurde, zeigt, dass viele Länder die Treibhausgas-Emissionen aus ihrem Abwassersektor um 19 bis 27 Prozent unterschätzen. Weltweit fehlen dadurch jedes Jahr zwischen 94 und 150 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente in den offiziellen Klimabilanzen. Das entspricht ungefähr den Emissionen des internationalen Luftverkehrs.
Emissionen von Kläranlagen fallen stärker ins Gewicht als gedacht
Die Abwasserbehandlung benötigt viel Energie. Weltweit verbrauchen Kläranlagen zwischen 0,8 und vier Prozent des gesamten Stroms. Gleichzeitig entstehen dort Methan und Lachgas. Beide Gase wirken sich deutlich stärker auf das Klima aus als CO2. Zusammengenommen verursacht der Sektor Abwasserbehandlung daher rund fünf bis 6,5 Prozent der weltweiten Nicht-CO2-Treibhausgase.
Da Methan und Lachgas „Biogase“ sind, scheint mir die Gewinnung und Nutzung dieser Gase die einzig richtige Lösung zu sein. Oder habe ich hier irgendetwas "mistverstanden"?!
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12. März 2011 (INES-7 NAMS 7,5) Akw Fukushima I Daiichi, JPN
Es wurden etwa 1,59 Millionen TBq Radioaktivität freigesetzt. Durch ein Erdbeben und einen Tsunami am 11. März fielen im Akw Fukushima Daiichi die Notstromaggregate aus, woraufhin die Kühlung der Reaktoren versagte und es zu Bränden und Kernschmelzen kam.
(Kosten mindestens 260.000 Millionen US$, Jahr für Jahr weiter steigend.)
Nuclear Power Accidents
Wikipedia de
Chronologie der Katastrophe in Japan von 2011
Aufgrund der Schäden an Stromversorgung und Kühlsystem, welche durch das große Tōhoku-Erdbeben vom 11. März 2011 und den darauf folgenden Tsunami verursacht wurden, sowie wegen fehlender Kabel für mobile Stromgeneratoren kam es im KKW Fukushima-Daiichi (Fukushima 1) in drei von sechs Reaktorblöcken zu einer Überhitzung des Reaktorkerns.
Jede der drei Explosionen erfüllt die Kriterien für die Einstufung als INES-7 "Katastrophaler Unfall"
Am 12. März 2011 explodierte Reaktorblock 1,
am 14. März 2011 explodierte Reaktorblock 3 und
am 15. März 2011 explodierte Reaktorblock 2 des Akw Fukushima Daiichi...
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12. März 2011 (INES-3) Akw Fukushima II Daini, JPN
Wikipedia de
Chronologie der Katastrophe in Japan von 2011
Durch das große Tōhoku-Erdbeben vom 11. März 2011 und den darauf folgenden Tsunami kam es im KKW Fukushima-Daini (Fukushima 2) in allen 4 Reaktorblöcken zu einer automatischen Abschaltung.
Am 12. März 2011 stieg die Temperatur in den Kondensationskammern von Block 1, 2 und 4 auf über 100 °C und die Druckabbausysteme stellten ihre Funktion ein. Für Fukushima II wurde eine Evakuierungszone von 10 Kilometern Radius angeordnet. Der Evakuierungsbereich von Fukushima II lag somit fast vollständig innerhalb der 20 km Evakuierungszone für Fukushima I Daiichi. Die Temperatur in den 3 Reaktoren sank erst wieder am 15. März auf unter 100°C.
Am 18. April 2011 bewertete die japanische Atomaufsichtsbehörde (NISA) die Vorgänge in Fukushima-Daini als INES Stufe 3.
11. März
Regime Change like it’s ’84?
Trump zwingt der Welt einen Krieg aus der Vergangenheit auf
Sinn, Unsinn, Widersinn? Im Krieg im Nahen Osten kulminieren Trumps Obsessionen aus der Vergangenheit, die er mit militärischer Gewalt in die Welt trägt. Dabei war die ohne ihn schon viel weiter. Sie muss nun die Folgen ertragen.
Manchmal verändert die Macht den Menschen. Manchmal holt sie aber auch nur hervor, was schon vorhanden war. Donald Trump hatte sich schon lange vor seinen Amtszeiten als US-Präsident immer wieder zu politischen Themen und Überzeugungen geäußert. Vieles hatte den typischen Ton von „Wenn ich entscheiden dürfte“. Das darf er nun schon eine Weile, und seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus wirkt es, als wolle er alles auf einmal tun, was er früher nicht konnte.
Der Iran-Krieg kombiniert gleich mehrere seiner Obsessionen aus einer anderen Zeit. Imperiale Ansprüche, eine Fixierung aufs Öl und eine Vorliebe für militärische Machtdemonstrationen. Damit ist Trump, man denke nur an Russlands Staatschef Wladimir Putin, nicht der Einzige. Aber der Einflussreichste.
Trumps innerer Kompass stammt aus den 1980er Jahren. Schon damals, kurz nach der Islamischen Revolution, hatte er gefordert, die USA hätten Irans Ölfelder militärisch unter ihre Kontrolle bringen sollen. Aktuell sinniert er erneut laut darüber, es heißt, der Krieg im Nahen Osten werde sich lohnen, weil durch ein neues Überangebot an Öl die Energie- und damit alle Verbraucherpreise sich verringern würden. Alle sollten ihm für den Krieg dankbar sein, forderte der Präsident. Dafür kommandiert Trump sein Militär durch die Welt, es soll einfache Lösungen für komplizierte Konflikte bringen.
[...] In diese Vergangenheit gehört auch seine wachsende Besessenheit mit dem Militär und Machtsymbolik. Ein Arc de Trump, ein Ballsaal wie in Versailles, seine Obsession mit Gold, es ist nicht nur bizarr, sondern wirkt auch, als wolle Trump das Klischeebild eines Politikers nachzeichnen, den man primär aus Geschichtsbüchern zu kennen glaubte. In Washington ließ er sich im Juni zu seinem Geburtstag eine stundenlange Militärparade vorführen – sie fiel mit dem 250. Jahrestag der Armeegründung zusammen. Im Dezember verkündete er den Bau eines "Trump Class"-Schlachtschiffs.
Das Militär habe er bereits in seiner ersten Amtszeit wieder aufgebaut, nun kämpfe es, brüstet Trump sich im aktuellen Krieg. Dafür wurde das Budget des Pentagon erhöht (das allein im September für 6,9 Millionen Dollar Hummerschwänze und 15,1 Millionen Dollar Steaks bestellte), unliebsame Kommandeure sowie Militärstaatsanwälte wurden gefeuert, die darauf achten sollten, dass Gesetze eingehalten werden. Alles hinderlicher Kram, wenn Pete und Donald in den Krieg ziehen. Wann der endet? Niemand weiß es. Aber die Vergangenheit kann sich hinziehen.
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Bundesregierung muss beim Klimaschutz liefern
BUND fordert vor Koalitionsausschuss Kurskorrektur
- Koalition in der Verantwortung für Klima- und Mieterschutz beim Heizen
- Klimaschutzprogramm der Merz-Regierung muss Unabhängigkeit von fossilen Importen stärken
- UBA-Emissionsdaten belegen die notwendige Kurskorrektur und könnten Handlungsbedarf beim Klimaschutz unterschätzen
Heute Abend tagt der Koalitionsausschuss der Bundesregierung und berät unter anderem über das anstehende Klimaschutzprogramm der Regierung Merz. Hierbei braucht es wirksame Maßnahmen, insbesondere in den Bereichen Gebäude und Verkehr. Auch die für Samstag, 14.3. angekündigten Veröffentlichung der Emissionszahlen für 2025 und die Projektionen bis 2040 durch das Umweltbundesamt (UBA) werden deutlich machen, dass der fossile Kurs der Bundesregierung falsch ist. Sie unterschätzen jedoch den Handlungsbedarf, wenn aktuelle Pläne wie das geplante Festhalten an Gas- und Ölheizungen noch nicht abgebildet werden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert eine ehrliche Benennung der Klimaschutz-Lücke und ein wirksames Programm, um sie rechtssicher zu schließen.
Verena Graichen, Geschäftsführerin Politik beim BUND: “Die Bundesregierung ist gesetzlich zum Klimaschutz verpflichtet. Sowohl beim Austausch von fossilen Heizungen als auch bei Pkw mit Verbrennungsmotoren, plant die Koalition zentrale Vorgaben zu kippen. Wirtschaftsministerin Reiche droht nun auch noch den Erneuerbaren-Ausbau zu sabotieren. Damit vergrößert die Bundesregierung die ohnehin schon klaffenden Lücken beim Erreichen der Klimaziele. Wenn die Regierung die wirksamsten Maßnahmen rasiert muss sie Alternativen vorlegen. Das ist bisher nicht absehbar.”
Aus Sicht des BUND handelt die Bundesregierung beim Klimaschutz rückwärtsgewandt. Es fehlen neue Ideen und Mut, um den Standort Deutschland zukunftsfest aufzustellen.
Graichen: „Die Bundesregierung riskiert sehenden Auges nicht nur die Klimaziele und damit hohe Kosten auf allen Ebenen. Sie setzt auch die wirtschaftliche Zukunft ganzer Branchen aufs Spiel, wenn sie auf ein fossiles Weiter-so setzt. Hier fordern wir Mut für Veränderungen, noch ist es nicht zu spät.“
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Ermittler kämpfen gegen Verjährung bei Cum-Ex-Verfahren
Milliardenschaden, internationale Verflechtungen und ein Wettlauf gegen die Verjährung: Die Ermittlungen im größten Steuerskandal der Republik sind schwierig. NRW-Justizminister Benjamin Limbach sprach nun zum aktuellen Stand der Dinge.
Im Zuge der aufwendigen juristischen Aufarbeitung von Cum-Ex-Steuerbetrugsfällen in Nordrhein-Westfalen drohen in diesem Jahr acht Verfahren in Teilen oder komplett zu verjähren. Das geht aus einem Bericht von Landesjustizminister Benjamin Limbach (Grüne) an den Rechtsausschuss des Düsseldorfer Landtags hervor.
Die Dezernenten bemühten sich demzufolge, verjährungsunterbrechende Maßnahmen gemäß § 78c Strafgesetzbuch (StGB) zu treffen, wenn das möglich ist. Die Norm regelt konkret, welche Verfahrensschritte die laufende Verjährungsfrist unterbrechen. Limbach verwies dazu auf die federführende Kölner Staatsanwaltschaft.
Im Zuständigkeitsbereich der Staatsanwaltschaft Köln liegt das Bonner Bundeszentralamt für Steuern. Daher kommt der Kölner Behörde eine bundesweite Sonderrolle bei der Aufklärung des größten Steuerskandals der Bundesrepublik zu. Der Rechtsausschuss des Landtags erörterte das Thema an diesem Mittwoch.
Limbach: "Anzahl der Beschuldigten ist beispiellos"
Seit Anfang 2025 seien bei der Justizbehörde vier neue Anklagen gegen insgesamt sieben Beschuldigte erhoben worden, berichtete der leitende Kölner Oberstaatsanwalt in seiner Vorlage an den Justizminister. In vielen Cum-Ex-Verfahren seien weiterhin gewaltige Datenmengen auszuwerten, um mögliche Taten und eventuelle Tatbeteiligungen festzustellen und hierbei die Ermittlungen nicht frühzeitig auf einzelne Beteiligte – etwa auf der Händlerebene – zu begrenzen. Die Dauer dieser Auswertungen sei nur begrenzt durch technische Unterstützung zu beschleunigen.
"Die Cum-Ex-Straftaten liegen sehr lange zurück", bilanzierte Limbach. Die Taten seien geprägt von internationalen Bezügen, enormen Schadenssummen, hoher krimineller Energie, einer arbeitsteiligen Vorgehensweise und einer großen Anzahl von involvierten Akteuren. "Die Anzahl sowohl der beteiligten Kreditinstitute als auch der Beschuldigten ist beispiellos."
[...] Wie der Cum-Ex-Trick funktioniert hat
Bei Cum-Ex verschieben Finanzakteure Aktien mit ("cum") und ohne ("ex") Dividendenanspruch hin und her, bis viel Unübersichtlichkeit entstanden ist. Dann lassen sie sich gar nicht gezahlte Steuern erstatten und machen damit Plus. Die Hochphase dieses Betrugs war von 2006 bis 2011. Schätzungen zufolge büßte der Fiskus Einnahmen im zweistelligen Milliardenbereich ein.
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Fukushima war der Anfang vom Ende
Vor 15 Jahren kam es im japanischen Fukushima zum GAU. In Deutschland führte das zum Atomausstieg – auch weil die Bewegung den Boden bereitet hatte
„Klug aus der Krise“ hatte Angela Merkels Wahlkampfteam plakatieren lassen, als sich die Kanzlerin anschickte, 2009 für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. Wenige Tage vor der Bundestagswahl demonstrierten in Berlin Zehntausende Anti-Atom-Aktivisten. Motto: „Mal richtig abschalten!“ Auf dem Weg zum Kanzleramt posierten sie mit ihren „Atomkraft? Nein danke!“-Schildern vor Merkels Wahlplakat. Klug aus der Krise: Eindrucksvolle Bilder zu kreieren, das gelang der Bewegung immer wieder.
Woran misst man den Erfolg einer sozialen Bewegung? Legt man das Verschwinden dessen zugrunde, was jahrzehntelang bekämpft wurde, dann ist die Anti-Atom-Bewegung die erfolgreichste im wiedervereinten Deutschland. Denn wie mächtig die Atomlobby damals war, zeigte sich nach Merkels Wahlsieg 2009: Atomkraftwerke wurden in einer Anzeigenkampagne als „Deutschlands ungeliebte Klimaschützer“ beworben, eine Unternehmensberatung entwickelte die Roadmap zum Ausstieg aus dem Atomausstieg, der Verband der Energiewirtschaft gab mehrere Millionen Euro aus, um die Öffentlichkeit zu beeinflussen.
Im Auftrag des Bundesumweltministeriums – Staatssekretärin damals: Katherina Reiche (CDU) – legte das Energiewirtschaftliche Institut der Universität Köln 2010 Energieszenarien für ein Energiekonzept der Bundesregierung vor, das begründete, warum ohne die Atomkraft in Deutschland das Licht ausgeht. Dieses Institut ist ein sogenanntes An-Institut, eine juristisch selbstständige Einheit, deren Stiftungsprofessur und weitere Arbeiten von den AKW-Betreibern RWE und Eon finanziert wurden.
Vom AKW Brunsbüttel bis zum Reaktor Krümmel bildeten 120.000 Menschen im Frühjahr 2010 eine 120 Kilometer lange Menschenkette – beide Reaktoren galten als besonders störanfällig. Dennoch verlängerte Merkels Regierung im Herbst die Laufzeiten, 8 Jahre für die älteren, 14 Jahre für die jüngeren Reaktoren: Mit den Stimmen von Union und FDP wurde im Oktober das Atomgesetz geändert.
Kein halbes Jahr später ereignete sich der GAU in Fukushima, die 8 ältesten der 17 deutschen AKWs wurden sofort abgeschaltet. Markus Söder, damals noch CSU-Umweltminister in Bayern, drohte mit Rücktritt, sollten die anderen Reaktoren weiterlaufen. In Baden-Württemberg holten die Bündnisgrünen erstmals so viele Stimmen, dass sie den Ministerpräsidenten stellen konnten, im Juni 2011 beschloss der Bundestag parteiübergreifend den Atomausstieg bis Ende 2022.
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Atomkraft
Nukleare Kettenreaktion
Japan: Vor 15 Jahren traf ein Tsunami das Atomkraftwerk in Fukushima. Während die Dekontaminierung noch Jahrzehnte andauern wird, sind Folgen für die Bevölkerung kaum untersucht
[...] Die japanische Journalistin Mako Oshidori berichtete kürzlich auf einer Pressekonferenz der Internationalen Ärztinnen und Ärzte zur Verhinderung eines Atomkriegs (IPPNW), dass die Regierung sehr wenig Interesse an Aufklärung über die Folgen der Reaktorkatastrophe für die Bevölkerung habe. Es gäbe einen großen Mangel an unabhängigen Untersuchungen, und amtlicherseits sei man vor allem bemüht, die Bevölkerung zu beruhigen. Werbeagenturen würden beauftragt, um den Menschen mit Medienkampagnen die Ängste vor der Radioaktivität zu nehmen. Einige der Aufträge für diese Agenturen sind bekannt geworden, und in ihnen sei auffallend oft von der Lenkung der öffentlichen Meinung die Rede gewesen.
Alex Rosen, der im Auftrag des IPPNW mehrfach nach Japan gereist ist, um sich mit dortigen Kollegen auszutauschen, bestätigt den eklatanten Mangel an Untersuchungen. Es sei sehr schwer für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, gegen die herrschende Meinung anzukommen, dass man die Vergangenheit ruhen lassen solle. Schuld daran sei eine in Japan besonders starke Atomlobby. 54 Reaktoren waren zum Zeitpunkt der Katastrophe betriebsbereit und deckten 30 Prozent der japanischen Stromversorgung ab. Nach dem Beben wurden sie alle zunächst abgeschaltet.
Laut Rosen gibt es nur eine einzige Untersuchung über die langfristigen Folgen der radioaktiven Strahlung für die Menschen in der Präfektur Fukushima, und zwar eine über Schilddrüsenkrebs bei Kindern und Jugendlichen. Der trete in Fukushima im Vergleich zur restlichen japanischen Bevölkerung in etwa 20mal so häufig auf. Allerdings sei diese Studie im Design eher unzulänglich und werde von den Behörden teilweise hintertrieben. Ursprünglich seien 300.000 Kinder und Jugendliche alle zwei Jahre untersucht worden, doch inzwischen sind es nur noch 60.000. Das liege daran, dass viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer diese Studie verlassen, unter anderem, weil sie von den örtlichen Behörden und der Fukushima Medical University aktiv dazu ermutigt werden. Das Argument sei, dass sowieso nichts herauskomme und es doch nur eine Belastung sei, alle zwei Jahre zu dieser Untersuchung zu gehen.
Ansonsten sei zu keinem Zeitpunkt die Anzahl von Leukämiefällen in der Präfektur Fukushima erfasst worden. Auch nicht die Rate von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Menschen mit Strahlenbelastung, von Tumoren, Brustkrebs, Gebärmutterhals-, Lungen- oder Hautkrebs. Im Zusammenhang mit der Fukushima-Katastrophe gebe es daher viel weniger wissenschaftliche Daten als seinerzeit in der Sowjetunion nach der 1986er Reaktorkatastrophe in Tschernobyl, wo durchaus Studien mit Überlebenden und den sogenannten Liquidatoren durchgeführt wurden, die die Aufräum- und Dekontaminierungsarbeiten erledigten.
Zu allem Überfluss, so klagt Oshidori, werden die alten AKW eins nach dem anderen wieder in Betrieb genommen. Dabei ist das Land überaus reich mit Wind und Sonnenschein gesegnet, wie Rosen anmerkt. Auch geothermische Energie gibt es aufgrund der vielen Vulkane in Hülle und Fülle. Dennoch wurde die Lücke, die der Ausfall der AKW hinterließ, vor allem mit verstärktem Einsatz der Kohle- und Gaskraftwerke überbrückt und der Ausbau der Nutzung von sauberen Energieträgern bestenfalls halbherzig betrieben. Derzeit laufen bereits 14 Reaktoren wieder und liefern rund zehn Prozent des Strombedarfs. Demnächst soll ein 15. hinzukommen. Anfang Januar wurde im mit sieben Reaktoren einst weltweit größten AKW Kashiwazaki Kariwa begonnen, den ersten Reaktor wieder hochzufahren, ein weiterer könnte später folgen.
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11. März 2011 (INES-7 NAMS 7,5) Akw Fukushima I Daiichi, JPN
Es wurden etwa 1,59 Millionen TBq Radioaktivität freigesetzt. Durch ein Erdbeben und einen Tsunami am 11. März fielen im Akw Fukushima Daiichi die Notstromaggregate aus, woraufhin die Kühlung der Reaktoren versagte und es zu Bränden und Kernschmelzen kam.
(Kosten mindestens 260.000 Millionen US$, Jahr für Jahr weiter steigend.)
Nuclear Power Accidents
Die Nukleare Kette
Fukushima, Japan
Die drei Kernschmelzen im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi im März 2011 haben zur größten radioaktiven Verseuchung der Ozeane in der Geschichte der Menschheit geführt. Der Super-GAU hat Böden, Luft, Nahrungsmittel und Trinkwasser kontaminiert und die gesamte Bevölkerung der Region erhöhten Strahlenwerten ausgesetzt. Es ist noch zu früh, um das gesamte Ausmaß der gesundheitlichen Auswirkungen dieser Katastrophe abzuschätzen, doch aufgrund der freigesetzten Strahlenmengen kann von mehreren Zehntausend zusätzlichen Krebsfällen und zahlreichen anderen Erkrankungen ausgegangen werden...
Wikipedia de
Chronologie der Katastrophe in Japan von 2011
Aufgrund der Schäden an Stromversorgung und Kühlsystem, welche durch das große Tōhoku-Erdbeben vom 11. März 2011 und den darauf folgenden Tsunami verursacht wurden, sowie wegen fehlender Kabel für mobile Stromgeneratoren kam es im KKW Fukushima-Daiichi (Fukushima 1) in drei von sechs Reaktorblöcken zu einer Überhitzung des Reaktorkerns.
Jede der drei Explosionen erfüllt die Kriterien für die Einstufung als INES-7 "Katastrophaler Unfall"
Am 12. März 2011 explodierte Reaktorblock 1,
am 14. März 2011 explodierte Reaktorblock 3 und
am 15. März 2011 explodierte Reaktorblock 2 des Akw Fukushima Daiichi,
bei denen die äußeren Gebäudehüllen zerstört wurden und radioaktives Material freigesetzt wurde.
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11. März 2006
(INES-4) IRE Fleurus, BEL
Ein Arbeiter wurde durch die ionisierende Strahlenquelle Cobalt-60 stark bestrahlt.
Nuclear Power Accidents
Wikipedia de
Fleurus#2006
Radiochemische Industrieanlage - 2006
Durch ein Hydraulikversagen wurde eine Kobaltquelle aus einem strahlenabschirmenden Wasserbecken gehoben, obwohl kein Bestrahlungsvorgang stattfand und die Tür zum Raum offen stand. Aufgrund des ausgelösten Alarms betrat ein Techniker den Raum. Während des Aufenthaltes von nur 20 Sekunden erhielt er eine Strahlen-Dosis von rund 4,6 Sievert, die mittelfristig lebensbedrohlich sein kann (INES 4)...
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11. März 1997
(INES-3) Atomfabrik Tōkaimura, JPN
Mindestens 37 Arbeiter wurden nach einer Explosion in der Anlage einer erhöhten Strahlung ausgesetzt.
(Kosten ?)
Nuclear Power Accidents
Wikipedia de
Tokai (Ibaraki)
Am 11. März 1997 kam es durch einen Brand in der Verfestigungsanlage zum bis dahin schwersten Atomunfall in Japan. 37 Arbeiter wurden kontaminiert. In der 60 Kilometer entfernten Stadt Tsukuba wurden eine Woche später „drastisch erhöhte Werte des radioaktiven Gamma-Strahlers Cäsium im Regenwasser“ festgestellt. Der laut Georg Blume damals „einflußreichste Politiker“ Japans Seiroku Kajiyama (LDP) meinte: „‚Wir haben über vierzig Jahre lang zuviel Vertrauen in die Atomindustrie gesetzt.‘“ Der Unfall wurde schließlich nach INES Stufe 3 qualifiziert.
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11. März 1958 (Broken Arrow) Mars Bluff, South Carolina, USA
Wikipedia en
Übersetzung https://www.DeepL.com/Translator
1958 Mars Bluff B-47 nuclear weapon loss incident
Am 11. März 1958 hob eine Boeing B-47E-LM Stratojet der U.S. Air Force von der Hunter Air Force Base, die von der 375th Bombardment Squadron des 308th Bombardment Wing in der Nähe von Savannah, Georgia, betrieben wurde, um ca. 16:34 Uhr ab und sollte im Rahmen der Operation Snow Flurry nach Großbritannien und dann nach Nordafrika fliegen. Das Flugzeug hatte Atomwaffen für den Fall eines Krieges mit der Sowjetunion an Bord. Air Force Captain Bruce Kulka, der als Navigator und Bombenschütze fungierte, wurde in den Bombenschacht gerufen, nachdem der Kapitän des Flugzeugs, Captain Earl Koehler, im Cockpit eine Störungsleuchte entdeckt hatte, die anzeigte, dass der Verriegelungsstift des Bombengeschirrs nicht einrastete. Als Kulka um die Bombe herumgriff, um sich hochzuziehen, griff er versehentlich nach dem Notauslösestift. Die Mark 6-Atombombe fiel auf die Bombenschachttüren der B-47, und das Gewicht drückte die Türen auf, wodurch die Bombe 4.600 m (15.000 ft) tief auf den Boden fiel.
10. März
Atomgipfel in Paris
Mit Mini-AKWs in die verstrahlte Zukunft
Beim Atomgipfel stellt EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen Pläne vor, Milliarden in die „Renaissance der Kernenergie“ in Europa zu investieren.
In Paris fand am Dienstag auf Einladung von Staatspräsident Emmanuel Macron und mit der Patenschaft der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) der zweite internationale Gipfel zur zivilen Atomenergie statt. Im Zentrum stand klar der Bau neuer AKWs in der Welt. Am Dienstag ist es 15 Jahre her seit der Katastrophe von Fukushima und bald 40 Jahre seit Tschernobyl. Zuletzt war die Atomenergie durch die Katastrophen und ungelösten Probleme der Atommüllentsorgung deutlich weniger populär. Jetzt steigt offenbar erneut das Interesse daran.
EU-Kommissionsvorsitzende Ursula von der Leyen bezeichnete beim Gipfel den europäischen Rückzug aus der Atomkraft als „strategischen Fehler“. Denn bei der Atomenergie handele es sich um eine „zuverlässige, bezahlbare Quelle emissionsarmer Energie“. Sie befürwortet eine Rückkehr der EU zum Atomstrom, dessen Anteil 1990 noch rund 30 Prozent betragen habe, dann aber auf circa 15 Prozent gesunken sei.
Die CDU-Politikerin von der Leyen stellte dazu einen Plan vor, der dem Bau von Mini-AKWs, sogenannten Small Modular Reactors (SMR), vor den „herkömmlichen“ Großanlagen den Vorzug gibt. Die EU unterstütze mit einer Garantie in der Höhe von 200 Millionen Euro die Entwicklung neuer Nukleartechnologien durch private Unternehmen.
[...] Für Frankreichs Staatschef, wo 57 Reaktoren mehr als 70 Prozent des Stroms produzieren, steht der weitere Ausbau der Atomenergie mit 6 neuen Reaktoren im nächsten Jahrzehnt bereits fest. Und er hofft sehr, dass andere Länder in diesem Sinne mitziehen und dabei insbesondere auf die französische Technologie zurückgreifen. Derzeit betreiben 30 Länder insgesamt rund 450 Reaktoren. Doch laut IAEO-Generaldirektor Rafael Grossi hätten 40 andere Staaten, darunter namentlich Argentinien und Südafrika, „klares Interesse“, ihre Elektrizität mit Atomreaktoren zu produzieren. 40 Staaten waren am Gipfel vertreten, nicht eingeladen war Russland.
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Umweltminister Schneider (SPD) erteilt Mini-Akw vor Gipfeltreffen zu Kernenergie Absage
Bundesumweltminister Schneider hat es strikt abgelehnt, in Deutschland neue Atomkraftwerke zu bauen.
Das sei ein Holzweg, sagte der SPD-Politiker im RBB-Hörfunk. Deutschland sei schon sehr weit beim Ausbau erneuerbarer Energien. Diese seien sauberer, billiger und auch sicherer als Atomkraft. Auch sogenannten Mini-Atomkraftwerken erteilte er eine klare Absage. Sie seien nicht sicherer als herkömmliche Anlagen und durch die geringere Leistung noch weniger effizient.
Auf Einladung des französischen Präsidenten Macron beraten heute Vertreter von etwa 30 Staaten in der Nähe von Paris über den Ausbau der Atomenergie. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen will zur Eröffnung des Gipfels über die künftige Strategie der Europäischen Kommission für den Einsatz von Mini-Atomkraftwerken reden. Sie sollen dabei helfen, Klimaneutralität zu erreichen. Die kleinen modularen Reaktoren haben eine deutlich geringere Leistung als herkömmliche Anlagen und ihre Komponenten werden in Serie gefertigt.
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Plädiert für „Renaissance der Kernenergie“:
Von der Leyen bereut Abkehr von Atomkraft – doch Merz nennt sie „unumkehrbar“
Die EU-Kommissionspräsidentin präsentierte eine Strategie für neue, kleine Reaktoren, um die Energieversorgung des Kontinents zu sichern. Der Bundeskanzler äußert Zweifel.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat die Abkehr von Atomkraft als einen „strategischen Fehler“ bezeichnet. Europa habe damit „einer zuverlässigen, erschwinglichen und emissionsarmen Energiequelle den Rücken gekehrt“, sagte die Deutsche am Dienstag bei einer Rede in Paris. Die EU sei weder ein Öl- noch ein Gasproduzent.
Zugleich kündigte sie am Dienstag auf einem Atomenergie-Gipfel in Frankreich künftige Risiko-Absicherungen der EU in Höhe von 200 Millionen Euro für private Geldgeber an, die in neue Atomtechnologien investieren. „Europa soll ein globales Zentrum der Kernenergie der nächsten Generation werden. Die Mittel dafür werden aus unserem Emissionshandel kommen“, sagte von der Leyen. „In den letzten Jahren erleben wir eine weltweite Renaissance der Kernenergie. Und Europa will an dieser Renaissance teilhaben“.
[...] Bundeskanzler stimmt Von der Leyen zu – jedoch nur bedingt
Bundeskanzler Friedrich Merz hat den Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland als unumkehrbar bezeichnet. Der CDU-Chef sagte nach einem Treffen mit dem tschechischen Ministerpräsidenten Andrej Babiš, er persönlich teile die Einschätzung von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zum Ausstieg aus der Kernkraft. „Der Beschluss ist irreversibel. Ich bedauere das, aber es ist so.“
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STUDIE: Neue Erdgaskraftwerke wären primär (Steuer)Geldverbrenner
1 Kilowattstunde würde zw. 35 ct und 67 ct kosten - kein Scherz!
Eine Kurzstudie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) weist die tatsächlichen, geradezu absurden Gesamtkosten von neuen Gaskraftwerken nach, wie sie in Deutschland und anderenorts gerade konkret(!) erwogen werden.
Ei einziges 500 MW Gaskraftwerk stößt nämlich bis 2045 Millionen t CO₂ aus und verursacht bis zu 7 Mrd. € an Klimaschäden, welche bislang nicht eingepreist worden sind, bemängelt die FÖS-Studie. Addiert man die externalisierten Kosten, die entstehen, aber nicht vom Kraftwerksbetreiber, sondern von der Allgemeinheit aus Steuereinnahmen getragen werden, kostet 1 kWh horrende 35 ct bis 67 ct, lautet die zentrale Aussage der Kurzstudie.
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10. März 1970 (INES-3 NAMS 2,6) Atomfabrik
Windscale/Sellafield, GBR
Freisetzung von etwa 18 TBq Plutonium über den Schornstein des Gebäudes B230.
(Kosten ca. 150 Millionen US$)
Nuclear Power Accidents
Die Nukleare Kette
Sellafield/Windscale, Großbritannien
Die größte zivile und militärische Atomanlage Europas steht in Sellafield. Während hier in der Vergangenheit Plutonium für das britische Atomwaffenprogramm produziert wurde, dient der Standort heute als Wiederaufbereitungsanlage für Atommüll. Der Großbrand von 1957 sowie zahlreiche radioaktive Lecks kontaminierten die Umwelt und setzten die Bevölkerung erhöhten Strahlenwerten aus...
Dieser Störfall sowie mehrere andere Freisetzungen von Radioaktivität sind in Wikipedia nicht mehr zu finden.
Wikipedia de
Sellafield (früher Windscale)
Der Komplex wurde durch einen katastrophalen Brand 1957 und durch häufige nukleare Störfälle bekannt und unter anderem deshalb auch in Sellafield umbenannt. Bis Mitte der 1980er Jahre wurde der im täglichen Betrieb anfallende Atommüll in großen Mengen in flüssiger Form über eine Pipeline in die Irische See abgeleitet.
9. März
Atomexperte: „Fukushima war kein Super-GAU – Japan hatte viel Glück"
Mycle Schneider erklärt, warum die Katastrophe glimpflicher verlief als befürchtet und wie es mit der globalen Atomkraftnutzung 15 Jahre danach aussieht.
Vor 15 Jahren hielt die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima die Welt in Atem. Nach einem Tsunami am 11. März 2011 kam es dort zu der gefürchteten Kernschmelze. In Deutschland führte die Katastrophe zum Atomausstieg, doch andere Länder planen eine Renaissance der Technologie. Wie es darum steht, beschreibt der unabhängige Atomexperte Mycle Schneider im FR-Interview.
[...] Japan nimmt nach und nach Reaktoren wieder ans Netz, statt wie Deutschland auf Erneuerbare zu fokussieren. Was ist der Hintergrund?
Jede japanische Post-Fukushima-Regierung schrieb sich auf die Fahne, möglichst viele AKW so schnell es geht wieder ans Netz bringen zu wollen. Derzeit produzieren 15 AKW in Japan Strom – pro Jahr eine einzige Wiederinbetriebnahme seit dem Beginn der Katastrophe. Und diese produzieren immer noch weniger als zehn Prozent des Stroms im Land. Ein wesentlicher Grund, warum die Betreiber die gestrandeten AKW nicht einfach abschreiben, ist für viele der garantierte Bankrott, würden sie die Produktionsanlagen in ihrer Bilanz von Vermögenswerten zu Verbindlichkeiten umbuchen. Und dann würden horrende Abrisskosten folgen. Ein anderer Grund ist die innovationsfeindliche Vernetzung zwischen Betreibern, Banken und Politik.
[...] In Europa setzt eine ganze Reihe Länder anders als Deutschland auf den Neubau von AKW, zum Beispiel Polen, das bisher keinen Atomstrom produziert. Sollten wir auch umdenken?
Polen versucht nicht das erste Mal, ein Atomprogramm aufzubauen. Das letzte Mal blieben Mitte der 1980er Jahre zwei Bauruinen übrig. Zwischen dem „Auf-den-Neubau-Setzen“ und dem „Atomstrom-Produzieren“ liegen Jahrzehnte. Die französische EDF, größter AKW-Betreiber der Welt, plant die Inbetriebnahme des ersten neuen AKW nicht vor Ende der 2030er Jahre. Der polnisch-amerikanische Atomkooperationsvertrag sieht die erste Inbetriebnahme eines Westinghouse-Reaktors für 2033 vor. Eine imaginäre Wahnvorstellung, wie in anderen Ländern auch.
[...] Viele Länder setzen auch auf neue Typen von Mini-Reaktoren, Small Modular Reactors, SMR genannt. Wie erfolgversprechend sind die?
Small Miraculous Reactors? Wie misst man „erfolgversprechend“? Kristallkugelaussagen überlasse ich anderen. Ich bin Anhänger empirischer Analyse. SMR sollen hauptsächlich in Fabriken für Module hergestellt werden. Es gibt bisher keine derartige Fabrik in der Welt. Es wurden zwei Modulprototypen in Russland und zwei Module in China fertiggestellt. Geplante Bauzeit im russischen Fall: 3,7 Jahre. Realität: 12,7 Jahre. Im chinesischen Fall: fünf Jahre geplant, zehn Jahre real. Auch die Stromproduktion dieser Anlagen liegt bisher weit unter der Nominalkapazität.
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Siedlergewalt
Wieder Tote im Westjordanland
Seit Beginn des Iran-Kriegs hat die Gewalt im Westjordanland zugenommen. Immer mehr Palästinenser*innen werden von Siedlern erschossen.
Die Gewalt im Westjordanland nimmt weiter zu. Sechs Palästinenser sind seit Beginn des US-israelischen Kriegs mit Iran getötet worden – die meisten von ihnen durch Schüsse, abgefeuert von israelischen Zivilisten.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben radikale Siedler das Dorf Abu Falah, nordöstlich von Ramallah, gestürmt. Laut dem palästinensischen Gesundheitsministerium sind zwei Dorfbewohner im Alter von 24 und 57 dabei erschossen worden. Ein dritter Mann ist laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa an den Folgen von Tränengas gestorben, das israelische Streitkräfte einsetzten, um die Menschenansammlung aufzulösen. Fünf weitere Menschen wurden verletzt.
Nach Angaben der Agentur, die sich auf Augenzeugen bezieht, erschossen die Siedler die zwei Männer, als diese sich ihnen entgegengestellten. Israels Militär erklärt auf taz-Anfrage, eine behördliche Untersuchung sei eingeleitet worden.
Des Weiteren wurde in Wadi al-Rakhim am Samstag ein Mann erschossen und sein Bruder schwer verletzt, als Siedler ihre Schafe auf palästinensischem Land weiden ließen und sie laut Augenzeugen in die Häuser der Dorfbewohner*innen treiben wollten. Als die Einwohner*innen reagierten, schlugen die Siedler sie mit Stöcken und eröffneten das Feuer. Mehrere Menschen wurden verletzt.
Israelische Soldat*innen und Siedler*innen werden selten wegen Angriffen auf Palästinenser*innen verurteilt
[...] Die Regierung hat tausende Gewehre unter Zivilist*innen verteilt und Siedler*innen für die Reservisteneinheiten rekrutiert. Dies verwandelt sie laut Yesh Din in „einen inoffiziellen Militärzweig in einem Gebiet, in dem sie im dauerhaften Landkonflikt mit den palästinensischen Einheimischen leben“.
Die israelische NGO B’teselem findet deutlichere Worte: „Unter der Deckung des israelisch-amerikanischen Angriffs auf Iran“ bringe die Zusammenarbeit zwischen Armee und Milizen israelischer Siedler die ethnische Säuberung des Westjordanlands voran.
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Metallisches Glas
Motor aus amorphem Stahl bei über 98 Prozent Wirkungsgrad
Die besonderen Eigenschaften des ungewöhnlichen Metalls reduzieren die Verluste im Stator des Elektromotors um 50 Prozent.
Der britische Motorenhersteller Horse Powertrain hat einen Elektromotor für Hybrid- und Elektrofahrzeuge gebaut, der bei einer Leistung von 140 Kilowatt und 360 Newtonmetern eine Effizienz von 98,2 Prozent erreicht. Laut eigener Aussage ist das der derzeit beste Wert für einen Elektromotor dieser Größe. Die Norm verlangt für die höchste Einstufung eines Motors einen Wirkungsgrad von 96,7 Prozent.
Die zusätzliche Optimierung gelang durch den Einsatz von metallischem Glas, auch als amorpher Stahl bekannt. Stahl ist es jedoch nicht, weil metallisches Glas allenfalls zu einem Teil aus Eisen besteht, es aber nicht der Hauptbestandteil ist. In der Regel handelt es sich um eine Mischung verschiedener Metalle, oftmals mit Zirconium oder Cobalt.
Atomarer Aufbau von Glas
Die speziellen Eigenschaften, vor allem eine hohe Festigkeit der Oberfläche, Korrosionsbeständigkeit und die fehlende Verformbarkeit, allesamt auch Eigenschaften von Glas, beruhen darauf, dass das übliche Metallgitter fehlt. Stattdessen sind die Metallatome ungeordnet, so dass metallisches Glas wie Fensterglas auch fließende Eigenschaften besitzt.
So konnte der Stator des Elektromotors mit 0,025 mm dicken Lagen aus amorphem Stahl gefertigt werden. Das reduziert die Verluste im Vergleich zu einem Stator aus Stahl um etwa die Hälfte und hebt den Gesamtwirkungsgrad auf mehr als 98 Prozent an.
[...] Zum Vergleich: Der Rekord für einen Dieselmotor liegt bei 53 Prozent, der typische Wirkungsgrad der Technik bei knapp 40 Prozent.
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Kinder noch immer mit verbotenem Weichmacher belastet
Ein hormonstörendes Phthalat aus Sonnencreme, das schon vor zwei Jahren im Kinderurin gefunden wurde, ist weiterhin nachweisbar.
2024 schlug das Ergebnis einer Untersuchung durch das deutsche Magazin «Öko-Test» hohe Wellen. In Sonnencreme waren fruchtbarkeitsstörende Phtalate, deren Abbauprodukte sich unter anderem im Urin von Kindergartenkindern wiederfanden. Auch «Infosperber» berichtete.
Zahlreiche Eltern erkundigten sich bei «Öko-Test», ob sie ihre Kinder noch unbesorgt mit Sonnenschutz eincremen dürften. Die Antwort des Magazins und zahlreicher befragter Fachleute: «Ja. Unbedingt». Das Hautkrebsrisiko sei höher einzuschätzen als die östrogenähnliche Wirkung des Weichmachers DnHexP (Di-n-Hexylphthalat). Dieser ist in Deutschland und auch in der Schweiz längst verboten, kommt aber als Verunreinigung in einem UV-Filter namens DHHB vor.
Dem Sonnencreme-Fund ging eine ausführliche Suche voraus. Im Urin von Kindern und Erwachsenen gefunden wurde 2024 nämlich nicht DnHexP, sondern dessen Abbauprodukt MnHexP (Mono-n-hexylphthalat). MnHexP kann auch aus anderen Stoffen entstehen. Ein «Öko-Test»-Versuch mit freiwilligen Testpersonen zeigte, dass DnHexP rasch aufgenommen wird. Nach einer Woche hatten sechs von acht Testenden deutlich erhöhte MnHexP-Werte im Urin.
Erschreckend: Geändert hat sich wenig
Ursache erkannt – Problem behoben, sollte man meinen. Leider nein. 2025 waren waren Kinder und Jugendliche weiterhin mit dem gleichen Weichmacher belastet. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des deutschen Umweltbundesamts (UBA).
Von 259 Urinproben, die im Rahmen einer Gesundheitsstudie untersucht wurden, enthielten 238 Proben MnHexP, also 92 Prozent. Die Proben stammten von Kindern im Alter von 6 bis 17 Jahren und aus den Monaten April bis Juli 2025.
Mit 83 Mikrogramm MnHexP pro Liter Urin und 107 Mikrogramm MnHexP pro Liter Urin überschritten zwei Proben den 2024 von der Human-Biomonitorn-Kommission festgelegten Beurteilungswert von 60 Mikrogramm MnHexP pro Liter deutlich.
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Der gute Wille
Chinas Klimatrab
Mit seinem neuen Fünfjahresplan verfolgt China weiter eine energiepolitische Doppelstrategie. Ein kontrollierter Trab vorwärts – der für das Weltklima in die schnellere Gangart wechseln müsste.
Wenn China einen neuen Fünfjahrplan vorlegt, schaut die Welt genau hin. Logisch, denn das Land ist weltweit mit Abstand der größte Emittent von Treibhausgasen – und zugleich der größte Investor in erneuerbare Energien.
Der neue Plan zur Dekarbonisierung der Wirtschaft bestätigt dieses doppelte Gesicht der chinesischen Klimapolitik: ambitioniert beim Ausbau sauberer Technologien, aber vorsichtig beim Abschied von fossilen Energien.
Peking will die CO2-Intensität der Wirtschaft – also die Emissionen pro Einheit Wirtschaftsleistung – bis 2030 um 17 Prozent senken.
Gleichzeitig soll der Anteil nicht-fossiler Energien am gesamten Energiemix von derzeit knapp 22 auf 25 Prozent steigen. Der Ausbau von Solar-, Wind-, Wasser- und Atomkraft bleibt zentrale Strategie. China spricht von einem "neuen Energiesystem", das sauber, CO2-arm und effizient sein soll.
Auch neue Industriesektoren wie Batterien, Wasserstoff oder "intelligente" E‑Fahrzeuge stehen ganz oben auf der Agenda. Ein nationaler Fonds für die grüne Transformation soll diesen Kurs weiter beschleunigen. Für die internationale Energiewende ist das eine gute Nachricht.
Im Jahr des Pferdes
Doch der Plan hat eine deutliche Schwachstelle: die Kohle. Zwar will China den Verbrauch begrenzen und jährlich rund 30 Millionen Tonnen durch erneuerbare Energien ersetzen.
Doch eine verbindliche Obergrenze fehlt ebenso wie ein konkreter Zeitpunkt für den Höhepunkt des Kohleverbrauchs. In dem Land mit seinem riesigen Energiebedarf und wirtschaftlichen Unsicherheiten will die Regierung offenbar kein Risiko für Wachstum und Versorgung eingehen.
Diese Vorsicht hat Folgen für das Weltklima. Viele Beobachter hatten gehofft, China könnte den Höhepunkt seiner Emissionen deutlich vor dem offiziellen Zieljahr 2030 erreichen, nachdem sie jetzt schon fast zwei Jahre nicht mehr gewachsen sind. Der neue Plan dämpft diese Erwartungen.
8. März
Atomindustrie unter russischem Einfluss
Staatsgeheimnis Rosatom
Steigt der Kreml-Konzern in die Lingener Brennelementefabrik ein? Die Antwort der Bundesregierung ist mau – womöglich wegen eines Deals mit Macron.
Im Streit um den Einstieg des russischen Staatskonzerns Rosatom bei Deutschlands einziger Brennelementefabrik im niedersächsischen Lingen mauert die Bundesregierung weiter. Scheinbar unbeeindruckt von neuen Anti-Atom-Protesten will sie die Öffentlichkeit nicht umfassend informieren. Das geht aus Antworten des für die Atomaufsicht zuständigen Bundesumweltministeriums unter Carsten Schneider (SPD) auf eine Kleine Anfrage der Linkenfraktion im Bundestag hervor, die der taz exklusiv vorliegt.
Die Frage, ob sich CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz dazu bereits mit Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron „persönlich ausgetauscht“ habe, wird darin nicht beantwortet. Betreiber der Brennelementefabrik ist mit der Firma Advanced Nuclear Fuels (ANF) eine Tochter von Framatome, das wiederum ein Tochterunternehmen des hochverschuldeten französischen Energieversorgers Électricité de France (EDF) ist.
Wegen Systemrelevanz war der EDF-Konzern, der allein für die Instandhaltung der jahrzehntealten französischen Atomkraftwerke (AKW) dreistellige Milliardensummen aufbringen muss, 2023 wieder vollständig verstaatlicht worden. Denn auch für den Bau der Atomwaffen der Force de Frappe, Frankreichs „nuklearer Abschreckungsstreitmacht“, gilt EDF als unverzichtbar. Macron bietet seinen europäischen Partnern seit Jahren an, im Rahmen einer „erweiterten Abschreckung“ zumindest zeitweilig unter den Schutz des französischen Atomschirms zu schlüpfen – und hatte Deutschland erst Anfang vergangener Woche dabei einen „Schlüsselpartner“ genannt.
Längst kursieren deshalb Gerüchte, nach denen der Kanzler bei Macron im Wort stehe, einen Rosatom-Einstieg in Lingen zu ermöglichen, um den mit massiven finanziellen Schwierigkeiten kämpfenden französischen Staatskonzern EDF zu stützen.
[...] Heftig kritisiert wurden Brennelementeproduktion und Urananreicherung auch am Samstag bei Protesten gegen die drohenden 152 Castor-Transporte, mit denen hochradioaktiver Atombrennstoff aus dem Forschungsreaktor Jülich mitten durch die Ballungsräume Nordrhein-Westfalens in das nur 60 Kilometer von Lingen entfernte Zwischenlager Ahaus gebracht werden sollen. Das nördliche Münsterland und das südliche Emsland bilden Deutschlands größten bestehenden Atomcluster.
Zu der Demonstration vor dem Ahauser Rathaus waren am Samstag rund 450 Menschen gekommen. Der Rosatom-Einstieg in Lingen solle nur „das wirtschaftliche Überleben“ der Brennelementefabrik sichern, mahnte Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen. Gleichzeitig liefere der Gronauer Urananreicherer Urenco „angereichertes Uran via Südkorea für die Reaktoren in den Vereinigten Arabischen Emiraten – mitten im Kriegsgebiet am Persischen Golf“.
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Atomkrieg aus dem Algorithmus: Wie KI militärische Krisen eskalieren lässt
Forscher lassen KI-Modelle eine nukleare Krise durchspielen – und stoßen auf eine beunruhigende Logik der Eskalation bis zum Atomschlag.
"Die Vorteile für die Lebensqualität, die sich aus dem schnelleren wissenschaftlichen Fortschritt und der gesteigerten Produktivität durch KI ergeben, werden enorm sein; die Zukunft kann weitaus besser sein als die Gegenwart.
Der wissenschaftliche Fortschritt ist der größte Motor für den Gesamtfortschritt; es ist unglaublich spannend, darüber nachzudenken, wie viel mehr wir erreichen könnten."
So mutmaßte OpenAI-Chef Sam Altman im letzten Sommer. Sein Optimismus war grenzenlos:
"Die Geschwindigkeit, mit der neue Wunder vollbracht werden, wird immens sein."
Etwas weniger optimistisch stimmen die Ergebnisse einer aktuellen Studie: Die getesteten KI-Modelle würden im militärischen Konfliktfall fast immer maximal eskalieren und auch vor einem Atomschlag nicht zurückschrecken.
Diplomatie und Deeskalation Fehlanzeige
In der Studie von Kenneth Payne vom King’s College, London, spielten drei KI-Modelle (GPT-5.2, Claude Sonnet 4 und Gemini 3 Flash) in kontrollierten Simulationen jeweils beide Seiten eines Wargames zur Eskalation einer nuklearen Krise. Payne schreibt:
"Wir stellen (...) fest, dass das nukleare Tabu für unsere Modelle kein Hindernis für eine nukleare Eskalation darstellt, dass strategische Nuklearangriffe zwar selten, aber dennoch vorkommen, dass Drohungen häufiger eine Gegeneskalation als eine Einhaltung der Regeln provozieren, dass eine hohe gegenseitige Glaubwürdigkeit Konflikte eher beschleunigt als verhindert hat und dass kein Modell jemals eine Einigung oder einen Rückzug gewählt hat, selbst unter akutem Druck, sondern nur eine Verringerung der Gewalt."
[...] Dario Amodei, Chef des KI-Unternehmen Anthropic, das wochenlang vom Pentagon unter Druck gesetzt worden war, um die KI für Massenüberwachung und autonome Waffen nutzen zu können, warnte in seinem aktuellen Essay:
"Die Menschheit muss aufwachen."
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Verlernte Schienen-Kunst, Tankrabatt-Quatsch und Energiepolitik als legale Korruption
Von einer Spritpreisbremse wie 2022 würden vor allem Autofahrer mit höherem Einkommen und Ölmultis profitieren, warnt Andreas Knie, Mobilitätsforscher und Mitglied im Herausgeberrat von Klimareporter°. Die Sanierung des Schienennetzes der Bahn läuft für ihn nach wie vor grundsätzlich verkehrt.
Klimareporter°: Herr Knie, als Reaktion auf die zuletzt stark gestiegenen Kraftstoffpreise wird auch eine Aussetzung der CO2-Steuer auf Benzin und Diesel ins Gespräch gebracht. Die Bundesregierung denkt ihrerseits über eine Spritpreisbremse wie schon 2022 nach.
Hat sich seitdem auf den Ölmärkten und an den Tankstellen gar nichts geändert?
Andreas Knie: Der Tankrabatt war schon 2022 großer Quatsch. Profitieren würden die Besitzer großer Autos mit hohem Verbrauch und viel Fahrleistung, die fast ausschließlich in den höheren Einkommensklassen zu finden sind.
Hinzu kommt, dass die damals ausgegebenen Steuergelder vor allen Dingen in den Kassen der Ölmultis landeten. Untere Einkommensklassen nutzen bereits jetzt deutlich weniger das Kfz und können davon nicht profitieren. Eine Subventionierung der Spritpreise wäre billiger Populismus, der uns alle teuer zu stehen kommt.
Die schwarz-rote Koalition will die EEG-Förderung für Photovoltaik streichen, den Klimaschutz in Gebäuden und den Emissionshandel schwächen sowie den Erdgas-Ausstieg hinauszögern – zugleich betont sie stets, an den Klimazielen für 2030 festzuhalten. Wie glaubwürdig ist dieses Mantra noch?
Grundsätzlich kann man beobachten, dass die neue Bundesregierung in der Energiepolitik die Interessen der großen Konzerne unterstützt. Ministerin Reiche möchte den Ausbau der Erneuerbaren so lange deckeln, bis der Netzausbau gelungen ist. Bis dann sollen fleißig Gaskraftwerke hinzugebaut werden.
Dazu ist festzustellen, dass die Energieministerin vor der Übernahme des Amtes die Chefin von Westenergie war, deren Tochter Westnetz einer der größten Verteilnetzbetreiber in Deutschland ist. Und hier besteht überhaupt kein Interesse, die Netze dezentraler zu gestalten, man verdient am Status quo viel besser.
Westenergie und Westnetz gehören im Übrigen zu Eon, einem der größten Gaskraftwerksbetreiber und Gashändler. Man kann die aktuelle Energiepolitik nur als legale Form der Korruption bezeichnen...
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8. März 2002
(INES-3) Akw Davis Besse, OH, USA
Schwere Korrosion der Steuerstabantriebe im Reaktorkopf erzwingt 24-monatigen Stillstand des Reaktors Davis-Besse.
(Kosten ca. 167 Millionen US$)
Nuclear Power Accidents
Wikipedia de
Kernkraftwerk Davis Besse#Störfälle
Im März 2002 stellte man bei einer länger hinausgezögerten Inspektion fest, dass Borsäure nahe einer Steuerstab-Durchführung am Deckel des Reaktordruckbehälters aus dem Reaktor ausgetreten war. Die Borsäure dient zur Steuerung des Reaktors und wird dem Kühlmittel beigeführt. Allerdings reagiert die Säure sehr aggressiv auf Schwermetalle. Aufgrund dessen kam es zu starker Korrosion am Reaktordeckel, sodass nur noch eine einige Millimeter dünne Schicht der Deckel-Innenauskleidung übrig blieb. Fachleute des Oak Ridge National Laboratory berechneten anschließend, dass es im schlimmsten Fall noch fünf Monate gedauert hätte, bis sich ein großes Leck im Reaktordeckel gebildet hätte...
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8. März 1968 (Broken Arrow) U-Boot K-129 sank 2900 km nw Hawaii
Nach dem Untergang 1968 wurde es 1974 von der United States Navy im Azorian-Projekt teilweise geborgen.
(Kosten ?)
Nuclear Power Accidents
Atomwaffen A-Z
Unfälle mit Atomwaffen - Hawaii, 1968
1.200 km nordwestlich der Insel Oahu, Hawaii, in einer Tiefe von 4.900 Metern im Stillen Ozean, versank 1968 unter ungeklärten Umständen ein sowjetisches Diesel-U-Boot K-129 (Golf-Klasse). Drei ballistische Raketen (SS-N-5) und möglicherweise zwei Torpedos mit nuklearen Sprengsätzen waren an Bord. 80 Seeleute wurden dabei getötet. 1974 unternahm die CIA unter Beteiligung der Seestreitkräfte den geheimgehaltenen Versuch, das U-Boot zu heben, wobei der Schiffskörper zerbrach. Angeblich wurde das Howard Hughes-Boot "Glomar Explorer" dafür verwendet.
Wikipedia de
U-Boot K-129
Das K-129 war ein sowjetisches U-Boot des Projekts 629 (Golf-Klasse). Es war ein dieselelektrisch getriebenes Raketen-U-Boot. Nach seinem Untergang 1968 wurde es 1974 von der United States Navy im Azorian-Projekt teilweise gehoben...
Geschichte
Im Februar 1968 brach das U-Boot von einem Stützpunkt auf Kamtschatka zu seiner dritten Patrouille zur nuklearen Abschreckung in den Pazifik auf. Anfang März blieben die regelmäßigen Funkmeldungen des Bootes an die Sowjetische Marine aus, woraufhin diese eine Suchaktion startete, das U-Boot aber nicht finden konnte...
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Aktuelles+
8. März 2026
Mikroplastik im Feinstaub
Studie aus Leipzig: Wir atmen Autoreifen
In einer Großstadt wie Leipzig atmen die Menschen jeden Tag 2,1 Mikrogramm Plastik über die Luft ein. Das vergrößert das Risiko für viele Krankheiten.
Keine Frage: Die Luft in deutschen Städten ist in den vergangenen Jahren besser geworden. Dennoch gibt es immer wieder hohe Feinstaubwerte. Bei manchen Wetterlagen, wie zuletzt im Januar und Februar, überschreiten sie die EU-Grenzwerte.
Eine neue Studie des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (Tropos) und der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg zeigt nun am Beispiel von Leipzig, welche möglichen Gesundheitsgefahren damit verbunden sind. Dafür haben die Forschenden Analysen des Feinstaubs erstellt, die in dieser Tiefe bisher kaum möglich waren.
Das Ergebnis: Menschen in einer Stadt wie Leipzig atmen ungefähr 2,1 Mikrogramm Plastik pro Tag über die Luft ein. Das sind vier Prozent des gesamten Feinstaubs. Zwei Drittel davon stammen vom Reifenabrieb. Die Folgen für die Gesundheit: das Sterberisiko durch Herzkreislauferkrankungen steigt um 9 Prozent, beim Lungenkrebs um 13 Prozent.
Warum sind kleinste Plastikteile gefährlich?
Aufgrund ihrer geringen Größe können vor allem die kleineren Nanoplastik-Partikel (kleiner als 1 Mikrometer) tiefer in die Atemwege und die Lungen eindringen. Dort können sie oxidativen Stress oder Entzündungsreaktionen auslösen, die zu Atemwegserkrankungen beitragen. Die Partikel können zudem Schwermetalle oder Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs) auf ihrer Oberfläche transportieren. PAK-Warnungen kennen wir vom Grillen.
Wie gingen die Forscher vor?
Das Forschungsteam installierte zwei Probensammler für die Feinstaub-Proben von PM10 (kleiner als 10 Mikrometer) und PM2,5 (kleiner als 2,5 Mikrometer), wie sie auch bei offiziellen Luftüberwachungsstationen verwendet werden. Sie filtern 500 Liter Luft pro Minute. Die Filter wurden täglich getauscht und mittels Pyrolyse-Gaschromatographie und Massenspektroskopie untersucht. Bei diesem Verfahren werden die Proben durch schnelle Erhitzung (Pyrolyse) in kleinere Fragmente zerlegt. Da es bisher es noch keine Standardverfahren für den Nachweis der verschiedenen Polymere gibt, entwickelte das Team Methoden für 11 häufige Arten einschließlich Reifenpartikel. Kommerziell erhältlichen Rohpolymere dienten als Vergleichsproben.
Wie muss man die Ergebnisse bewerten?
Klar ist, dass es nur ein kleiner Einblick in das Problem Feinstaub ist. Es betrifft einen Zeitraum von 2 Wochen (01. bis 14. September 2022) und die Messungen fanden an einer vielbefahrenen Straße in Leipzig (im Wissenschaftspark an der Torgauer Straße) statt. Wie stark die Konzentrationen zeitlich und räumlich variieren, sei aber bisher noch völlig offen, heißt es in der Mitteilung des Tropos. Im nächsten Schritt will das Team daher Proben eines ganzen Jahres auswerten. Auch die Unterscheide zwischen Stadt und Land müssten noch untersucht werden. In einer früheren Studie hatten die Forschenden vom Tropos ebenfalls am Beispiel Leipzig bereits gezeigt, dass die Luft dort fast so gut ist wie auf dem Land.
Woher stammt der Feinstaub
Feinstaub wird vor allem durch menschliches Handeln erzeugt: Primärer Feinstaub entsteht durch Emissionen aus Kraftfahrzeugen, Kraft- und Fernheizwerken, Öfen und Heizungen in Wohnhäusern, bei der Metall- und Stahlerzeugung oder auch beim Umschlagen von Schüttgütern. Er kann aber auch natürlichen Ursprungs sein (beispielsweise als Folge von Bodenerosion). In Ballungsgebieten ist der Straßenverkehr die dominierende Staubquelle. Dabei gelangt Feinstaub nicht nur aus Motoren – vorrangig aus Dieselmotoren – in die Luft, sondern auch durch Bremsen- und Reifenabrieb sowie durch die Aufwirbelung des Staubes von der Straßenoberfläche. Eine weitere wichtige Quelle ist die Landwirtschaft: Die Emissionen gasförmiger Vorläuferstoffe, insbesondere die Ammoniakemissionen aus der Tierhaltung, tragen zur sekundären Feinstaubbildung bei. Quelle: Umweltbundesamt
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Hintergrundwissen
Die Karte der nuklearen Welt
Ob wir nun über Feinstaub, Mikroplastik, PFAS oder Urananreicherung, Wiederaufbereitung, Plutoniumproduktion, Zwischenlagerung und Endlagerung von Atommüll sprechen – wir müssen uns bewusst sein, dass es bei diesen Themen stets um Physik und Chemie geht. Leider müssen wir immer wieder feststellen, dass vielen Verantwortlichen selbst minimale Grundkenntnisse fehlen. Zum Beispiel: 1977 in Dounreay, Schottland
Wikipedia
Nuklearanlage Dounreay#Störfälle
Am 10. Mai 1977 wurde ein flüssiges Gemisch aus zwei Kilogramm Natrium und Kalium (NaK) in einen 65 Meter tiefen Schacht hinab gelassen. In dem Schacht lagerten unter anderem abgebrannte Brennelemente aus den 1960er Jahren. Diese unterirdische Deponie war zur Abschirmung der radioaktiven Strahlung mit Meerwasser überflutet. Aus der Chemie ist bekannt, dass reines Natrium und Kalium in flüssiger Form sehr stark mit Wasser reagieren. Es kam zu einer Explosion, durch die radioaktives Material in den Untergrund gelangte und offenbar weithin verbreitet wurde. Die etwa sieben Tonnen schwere Betonabdeckung des Schachts wurde dabei etwa vier Meter weit weg geschleudert, eine Stahlabdeckung mit einem Durchmesser von anderthalb Metern flog etwa zwölf Meter weit. Teile aus dem Schacht flogen bis an den etwa 40 Meter entfernten Strand – andere Teile wurden bis zu 75 Meter entfernt gefunden. Im Küstenvorland wurden seit 1983 jährlich mehr als zehn radioaktive millimetergroße Partikel gefunden, eines davon an einem viel besuchten Strand. Bekannt wurde der Vorfall erst durch einen Bericht einer Kommission des zuständigen Gesundheitsministeriums im Jahr 1995. Das Küstenvorland von Dounreay wurde daraufhin abgesperrt.
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Umweltbundesamt
Feinstaub
Feinstaub besteht aus einem komplexen Gemisch fester und flüssiger Partikel und wird abhängig von deren Größe in unterschiedliche Fraktionen eingeteilt. Unterschieden werden PM10 (PM, particulate matter) mit einem maximalen Durchmesser von 10 Mikrometer (µm), PM2,5 und ultrafeine Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 0,1 µm.
Unter dem Begriff Feinstaub werden der primär emittierte und sekundär gebildete Feinstaub zusammengefasst. Primärer Feinstaub wird unmittelbar an der Quelle freigesetzt, zum Beispiel bei Verbrennungsprozessen. Entstehen die Partikel durch gasförmige Vorläufersubstanzen wie Schwefel- und Stickoxide und Ammoniak, so werden sie als sekundärer Feinstaub bezeichnet.
Emittenten
Feinstaub wird vor allem durch menschliches Handeln erzeugt: Primärer Feinstaub entsteht durch Emissionen aus Kraftfahrzeugen, Kraft- und Fernheizwerken, Öfen und Heizungen in Wohnhäusern, bei der Metall- und Stahlerzeugung oder auch beim Umschlagen von Schüttgütern. Er kann aber auch natürlichen Ursprungs sein (beispielsweise als Folge von Bodenerosion). In Ballungsgebieten ist der Straßenverkehr die dominierende Staubquelle. Dabei gelangt Feinstaub nicht nur aus Motoren – vorrangig aus Dieselmotoren – in die Luft, sondern auch durch Bremsen- und Reifenabrieb sowie durch die Aufwirbelung des Staubes von der Straßenoberfläche. Eine weitere wichtige Quelle ist die Landwirtschaft: Die Emissionen gasförmiger Vorläuferstoffe, insbesondere die Ammoniakemissionen aus der Tierhaltung, tragen zur sekundären Feinstaubbildung bei.
Gesundheitsrisiken
Der Mensch atmet Feinstaub über die Lunge ein. Je nach Größe und Eindringtiefe der Partikel unterscheiden sich die gesundheitlichen Wirkungen: PM10 gelangt vor allem in die Nasenhöhle und die oberen Atemwege. PM2,5 kann tiefer in die Atemwege eindringen - bis in die Bronchien und Lungenbläschen (Alveolen), während ultrafeine Partikel sogar die Blut-Luft-Schranke überwinden und in den Blutkreislauf gelangen können oder auch ins Lungengewebe eindringen können. Es gibt zudem Hypothesen, dass ultrafeine Partikel über den Riechnerv in der Nase direkt das Gehirn erreichen können – und damit die Blut-Hirn-Schranke umgehen.
Mikroplastik
Weltweit wird immer mehr Kunststoff produziert und Mikroplastik gelangt als Abbauprodukt in die Umwelt. Die Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen werden daher viel diskutiert.
Dieser Beitrag enthält Antworten auf häufig gestellte Fragen ausgehend von der Definition von Mikroplastik über Vorkommen und Belastung des Menschen bis hin zu Wirkung und Bedeutung für die menschliche Gesundheit.
Fragen und Antworten zu Mikroplastik
Was ist Mikroplastik und wo kommt es her?
Genaue Definitionen von Mikroplastik werden seit Jahren diskutiert. Häufig wird der Begriff für Plastikteilchen verwendet, die kleiner als 5 mm groß sind. Man unterscheidet zwischen primärem Mikroplastik, das als solches hergestellt wird und sekundärem Mikroplastik, das durch Abbau und Abnutzung aus größerem Plastik entsteht.
Der Zusatz von primärem Mikroplastik in viele Produkte, wie z.B. Kosmetikprodukte, wurde im September 2023 in der EU stark beschränkt: https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/ip_23_4581
Häufige Quellen von sekundärem Mikroplastik sind Kunststoffbehälter (wie z.B. Plastikflaschen), Textil-Mikrofasern, Medizinprodukte oder Reifenabrieb.
Wo kommt Mikroplastik vor und wie nimmt der Mensch es auf?
Mikroplastik wurde in allen Regionen und allen Ökosystemen der Erde nachgewiesen, es findet sich auch in zahlreichen Lebensmitteln, Getränken und in vielen menschlichen und tierischen Organen und Geweben.
Da Mikroplastik fast überall in der Umwelt vorkommt, ist der Mensch sowohl durch die Luft, die er atmet, als auch durch die Getränke und Lebensmittel, die er zu sich nimmt, gegenüber Mikroplastik exponiert. Die Aufnahme erfolgt sowohl über die Lunge durch Inhalation von Mikroplastikpartikeln als auch bei oraler Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt.
*
Wikipedia
Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS)
Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (englisch per- and polyfluoroalkyl substances, abgekürzt PFAS) sind aliphatische organische Verbindungen, bei denen an mindestens einem Kohlenstoffatom die Wasserstoffatome am Kohlenstoffgerüst vollständig („Per-“) durch Fluoratome ersetzt worden sind. Die Stoffgruppe umfasst zwischen einigen Tausend und einigen Millionen Einzelstoffe. Da sie oder ihre Abbauprodukte in der Umwelt nur sehr schwer abbaubar (und somit persistent) sind, werden sie auch Ewigkeitschemikalien genannt.
Einige PFAS stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Die jährlichen gesundheitsbezogenen Gesamtkosten im Zusammenhang mit der Exposition gegenüber PFAS wurden 2019 für die Länder des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) auf mindestens 52 bis 84 Milliarden Euro[5] und für die Vereinigten Staaten im Jahr 2018 auf 6 bis 62 Milliarden USD geschätzt.[6] Die jährlichen Gesamtkosten für Umweltscreening, Überwachung bei Kontamination, Wasseraufbereitung, Bodensanierung und Gesundheitsbewertung belaufen sich im EWR plus der Schweiz auf 821 Millionen bis 170 Milliarden Euro.[5] Die American Water Works Association schätzt, dass es 370 Milliarden Dollar kosten würde, die PFAS aus dem US-Trinkwasser zu entfernen.[7] Unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Kosten liegen die Kilogrammkosten für PFAS bei rund 18.700 €, während der durchschnittliche Marktpreis von PFAS bei rund 19 € pro Kilogramm liegt.[8] Eine 2026 von der EU-Kommission veröffentlichte Studie schätzt, dass sich die Kosten auf etwa 440 Milliarden Euro belaufen würden, wenn die derzeitige PFAS-Belastung in Europa bis 2050 ohne regulatorische Maßnahmen anhält. Würden solche PFAS-Emissionen bis 2040 an der Quelle bekämpft, könnten 110 Milliarden Euro eingespart werden, während allein die Aufbereitung von verschmutztem Wasser mehr als 1 Billion Euro kosten würde.
Chemische Industrie
Die chemische Industrie ist ein Wirtschaftszweig, der in Europa und den USA um 1850 zu einem eigenständigen Industriezweig wurde.
Die Gewinnung von Metallen aus Erzen wurde schon in sehr früher Zeit betrieben. Alchemisten forschten und experimentierten in diesem Bereich. Gold und Silber waren wichtige Münzmetalle. Die Geldwirtschaft gewann allmählich an Bedeutung, Naturalwirtschaft und Tauschhandel verloren an Bedeutung. Silber und Gold waren nicht beliebig vermehrbar; die Zahl der Münzen hing von den Goldbergwerken, den Silberbergwerken und den staatlichen Münzprägeanstalten ab. Münzen waren damals häufig sehr knapp und deshalb begehrt. Mit Beginn der Industrialisierung und dem Bevölkerungswachstum kamen neue Güter und Produkte – insbesondere durch die Chemie – in den Wirtschaftskreislauf. Die Geldmenge konnte nicht mehr durch Münzen sichergestellt werden; die Münzen wurden zunehmend durch Papiergeld (z. B. in der Französischen Revolution) substituiert. Die Metallgewinnung und die chemische Industrie waren bedeutende Faktoren für technischen Fortschritt und Wirtschaftsaufschwung. Metalle wurden für Dampfmaschinen, Verbrennungsmotoren, Eisenprofile (z. B. Wohnungsbau, Brücken, Schienen) benötigt, die Chemieindustrie stellte Soda (für die Glasindustrie und für Wasch- und Reinigungsmittel), Chemiefasern und Farbstoffe (z. B. für Textilien) her. Die jungen Chemiker stammten in Preußen Anfangs aus den zahlreichen Gewerbeschulen, in denen unter anderem die Grundlagen der Teerfarbenherstellung gelehrt wurden.
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