Newsletter XXVIII 2026
12. bis 18. Juli
***
| Seitenanfang | Heute | Aktuelles+ | Hintergrund |
Radioaktivität kumuliert; das bedeutet, radioaktive Partikel reichern sich im lebenden Organismus immer weiter an und mit der Zeit können ähnliche Schäden auftreten, wie bei einer kurzzeitig einwirkenden, massiven Strahlenbelastung ...
Die PDF-Datei "Nuclear Power Accidents" enthält eine Reihe weiterer Vorfälle aus verschiedenen Bereichen der Atomindustrie. Einige der Ereignisse wurden nie über offizielle Kanäle veröffentlicht, so dass diese Informationen der Öffentlichkeit nur auf Umwegen zugänglich gemacht werden konnten. Die Liste der Zwischenfälle in der PDF-Datei ist daher nicht zu 100% identisch mit "INES und die Störungen in kerntechnischen Anlagen", sondern stellt eine Ergänzung dar.
1. Juli 1946 ("Crossroads" 2 Plutoniumbomben, Atomtests USA) Bikini Atoll, MHL
5. Juli 2000 (INES Klass.?) Akw Grafenrheinfeld, DEU
8. Juli 2008 (INES-1 Klass.?) Atomfabrik Eurodif, Pierrelatte, FRA
10. Juli 1991 (INES-3) Akw Bilibino, RUS
10. Juli 1985 (Terror) Rainbow Warrior I, Auckland, NZL
14. Juli 1955 (INES-3) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
16. Juli 1979 (INES-3 NAMS 1,9) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
16. Juli 1945 (1. Atombombentest der USA) Trinity, NM, USA
17. Juli 1984 (INES-3 NAMS 1,8) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
20. Juli 1956 ("Redwing" 17 H-Bomben, Atomtests USA) Eniwetok und Bikini Atoll, MHL
22. Juli 2007 (INES Klass.?) Akw Unterweser, DEU
23. Juli 2008 (INES-0 Klass.?) Atomfabrik Tricastin, FRA
24. Juli 1964 (INES-4) Atomfabrik UNC Charlestown, RI, USA
25. Juli 2006 (INES-2) Akw Forsmark, SWE
25. Juli 1979 (INES Klass.?) Forschungsreaktor EL-3, Paris-Saclay, FRA
25. Juli 1946 ("Crossroads" 2 Plutoniumbomben, Atomtests USA) Bikini Atoll, MHL
26. Juli 1959 (INES-6) Atomfabrik SNL, Simi Valley, CA, USA
27. Juli 2004 (INES-1 Klass.?) Akw Neckarwestheim, BW, DEU
27. Juli 1972 (INES Klass.?) Akw Surry, VA, USA
Wir sind immer auf der Suche nach aktuellen Informationen. Wer helfen kann, sende bitte eine Nachricht an:
nukleare-welt@reaktorpleite.de
| Seitenanfang | Heute | Aktuelles+ | Hintergrund |
18. Juli
Kleine Kernreaktoren
Ohne diese Brennstoffkugeln bleiben viele SMR nur Entwürfe
TRISO-Kugeln gelten als Schlüssel für neue SMR. Doch Produktion, Brennstofftests und HALEU-Versorgung müssen erst industriell aufgebaut werden.
Eine schwarze Kugel von etwa 6 cm Durchmesser soll zum Schlüssel für eine neue Generation von Kernreaktoren werden. Sie besteht überwiegend aus Graphit. In ihrem Inneren stecken mehr als 18.000 winzige Brennstoffpartikel. Hunderttausende dieser Kugeln werden benötigt, um einen Hochtemperaturreaktor dauerhaft zu versorgen.
In Oak Ridge im US-Bundesstaat Tennessee entsteht derzeit die erste kommerzielle Großproduktion dieser TRISO-Brennstoffkugeln in den USA. Der Bundesstaat unterstützt den Ausbau des Standorts mit 11 Mio. US-$.
Der geplante Brennstoffcampus
- TX-1: erste Fabrik, derzeit im Bau
- TX-2: geplante größere und stärker automatisierte Fertigung
- TX-L: vorgesehenes Entwicklungs- und Forschungszentrum
- 55 Xe-100-Module: mögliche Versorgungskapazität des vollständig ausgebauten Standorts nach Angaben von X-energy
Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Der Umfang der Erweiterung steht nach Angaben der staatlichen Wirtschaftsförderung noch nicht endgültig fest. TX-1 soll Anfang 2028 mit der Produktion beginnen. Die erste Reaktoranlage, für die der Brennstoff vorgesehen ist, besitzt bislang keine Baugenehmigung.
Hinzu kommt ein zweiter Engpass: In den USA fehlt es an ausreichend angereichertem Ausgangsmaterial. Nicht nur die Reaktoren müssen gebaut werden. Auch die industrielle Lieferkette für ihren Brennstoff entsteht erst noch.
*
Erneuerbare-Energien-Gesetz:
Reiche rudert bei Kürzungsplänen für Ökostromförderung zurück
Erste Reformpläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche zum Erneuerbare-Energien-Gesetz stießen auf Kritik. Der neue Entwurf sieht weniger Kürzungen vor.
Die Förderung erneuerbarer Energien soll laut einem neuen Gesetzentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums doch nicht so stark beschnitten werden wie von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ursprünglich geplant. So soll die Einspeisevergütung für Strom aus ab 2027 neu installierten kleinen Solaranlagen nicht abrupt abgeschafft, sondern bis 2030 schrittweise zurückgefahren werden. Nach dem Auslaufen der Einspeisevergütung müssen die Anlagenbetreiber den produzierten Strom direkt auf dem Markt verkaufen.
Auch die Kürzung von Ausgleichszahlungen an Anlagenbetreiber in Gebieten, in denen wegen zu geringer Netzkapazität Ökostromanlagen zeitweise abgeschaltet werden müssen, fällt nach dem Gesetzentwurf geringer aus als zuerst vorgesehen. Künftig fällt diese Entschädigung erst dann aus, wenn in einer Gegend die Stromproduktion aufgrund einer Überlastung des Stromnetzes um mehr als fünf Prozent gedrosselt werden muss. Bisher war geplant, dass Ausgleichszahlungen bereits eingestellt werden, wenn die Produktion nur um drei Prozent heruntergefahren werden muss.
Bis 2030 sollen 80 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren kommen
Ziel ist es, den Zubau von Windanlagen und großen PV-Anlagen besser zu steuern, sodass die Netze nicht durch zu hohe Stromproduktion in bestimmten Gegenden überlastet werden. Hintergrund ist, dass die Netze mitunter nicht schnell genug ausgebaut werden. Zugleich sollen Anreize dafür sorgen, dass »eine ausreichende Menge Windenergie im Süden Deutschlands zugebaut wird«, dass also die Windräder regional gleichmäßiger verteilt werden. Insgesamt sollen bis 2029 zwölf Gigawatt an Windenergie hinzukommen. Auch die Ausbauziele für Stromerzeugung aus Biomasse sollen mit dem Entwurf erhöht werden. Statt 8,4 Gigawatt sollen bis 2035 mindestens 9,5 Gigawatt Leistung installiert sein.
Für die Grünen gehen die Änderungen noch nicht weit genug. Ihr Energieexperte Michael Kellner kritisierte das geplante Energiegesetz als »Netzpaket für Netzbetreiber«. Das gezielte Reduzieren der Stromeinspeisung bei Überlastung würde den Ausbau der Erneuerbaren erschweren und den Netzausbau lähmen. »Verlierer sind die Dachsolaranlagen, statt Anreize zu halten, müssen die Menschen sich zukünftig um eine Direktvermarktung kümmern«, sagte Kellner. Das sei eine »Bremse in Zeiten von Hitzewellen mit ihren tragischen Folgen«. Die Regierung lasse die Menschen an dieser Stelle allein.
*
20 Dörfer ohne Trinkwasser
Iran berichtet von US-Angriffen auf Wasserversorgung bei Extremhitze
Eine fünfstellige Anzahl von Iranern soll nach Angriffen der USA derzeit ohne Trinkwasser sein. Besonders bei Temperaturen weit über 40 Grad sind solche Attacken gravierend. Auch Kuwait meldet Angriffe auf die Wasserversorgung - und zwar aus dem Iran.
Nach den US-Angriffen im Süden des Irans ist staatlichen Angaben zufolge die Trinkwasserversorgung für mindestens 10.000 Menschen unterbrochen. Hintergrund sei die Bombardierung einer Meerwasserentsalzungsanlage in der Küstenregion Dschask, berichtete der Pressedienst der Regierung unter Berufung auf die Wasserwerke der Provinz Hormusgan. Betroffen sind demnach 20 Dörfer an der Küste.
Das US-Militär greift nach eigenen Angaben Ziele im Süden Irans an, um dessen Fähigkeit zum Beschuss der Straße von Hormus zu schwächen. Bewohner und iranische Journalisten berichten in den sozialen Medien jedoch auch von Angriffen auf zivile Einrichtungen, darunter Brücken, Straßen und kritische Infrastruktur. Angesichts von Temperaturen weit über 40 Grad sind Attacken auf die Wasserversorgung für die Bevölkerung besonders gravierend.
Der als Vahid bekannte Netzjournalist berichtete auf Telegram über massive Angriffe in der Hafenstadt Bandar Abbas, die seit Tagen bombardiert wird. "Gerade war eine schlimme Explosion zu hören, sodass die Fenster gewackelt haben. Die ganze Zeit ist das Geräusch von Kampfflugzeugen am Himmel zu hören", zitierte der in den USA ansässige Journalist einen Bewohner.
Auch der Iran soll beim Angriff auf mehrere Ziele in verschiedenen Golfstaaten unter anderem eine Meerwasserentsalzungsanlage getroffen haben. Das meldet Kuwait.
*
Meinungsfreiheit:
Wie wir Hass bekämpfen, ohne die Freiheit des Wortes zu verlieren
Das Grundgesetz gewährt Meinungsfreiheit, auch für beunruhigende Meinungen. Die Geistesfreiheit ist inhaltlich unbeschränkt und gerichtlich durchsetzbar. Doch Meinungsstreit schützt nicht vor Widerspruch, Protest und Empörung. Wir brauchen klare Regeln gegen Hass und Hetze – gerade im Netz.
Dürfen wir heute jede Meinung, jede politische Position öffentlich äußern? Dürfen wir auch für Ordnungsvorstellungen eintreten, die die Errungenschaften der Verfassungsrechtsprechung, die Grundrechte, die Gleichheit der Menschen wie letztlich die Meinungsfreiheit selbst infrage stellen?
Die verfassungsrechtliche Antwort ist ein klares: Ja.
Grundgesetz gewährt Meinungsfreiheit
Das Bundesverfassungsgericht formuliert das so: „Das Grundgesetz gewährt Meinungsfreiheit im Vertrauen auf die Kraft der freien öffentlichen Auseinandersetzung […] grundsätzlich auch den Feinden der Freiheit. Der parlamentarische Rat bekannte sich hierzu auch gegenüber dem soeben erst überwundenen Nationalsozialismus. […] Entsprechend gewährleistet Art. 5 Abs. 1 und 2 Grundgesetz die Meinungsfreiheit als Geistesfreiheit unabhängig von der inhaltlichen Bewertung ihrer Richtigkeit, rechtlichen Durchsetzbarkeit oder Gefährlichkeit“.
Wir dürfen also auch die Grundlagen unserer liberal-individualistischen Ordnung selbst infrage stellen – bis hin zu Forderungen nach einem Kalifat, einem fundamentalistisch-christlichen Staat, autoritären Führern oder einen libertären Staat des Stärkeren. Wir dürfen Forderungen erheben, die nach der Ewigkeitsgarantie des Grundgesetzes nie durchgesetzt werden dürften. Das Grundgesetz setzt darauf, dass sich der Geist der Freiheit in Freiheit behauptet.
Inhaltliche Grenzen gibt es im Privatrechtsverhältnis zwischen Bürgern, wo die Grundrechte nicht unmittelbar gelten: Über meine Nachbarn kann ich nicht beliebig herziehen, da kann ich auch nicht alles sagen, was ich denke. Im Übrigen aber gibt es Grenzen nur für das „Wie“ der Meinungsverbreitung. Das Grundgesetz ermächtigt erst dann zum Eingriff, „wenn Meinungsäußerungen die rein geistige Sphäre des Für-richtig-Haltens verlassen und in Rechtsgutverletzungen oder erkennbar in Gefährdungslagen umschlagen.“
Die maßgebliche Grenze bildet die Friedlichkeit. Der Gesetzgeber darf vor Äußerungen schützen, die „ihrem Inhalt nach erkennbar auf rechtsgutgefährdende Handlungen hin angelegt sind, d. h. den Übergang zu Aggression oder Rechtsbruch markieren“.
*
Jürg Joss wurde im AKW verstrahlt:
«Die Schweiz hat es immer noch nicht begriffen»
Seit Jahrzehnten kämpft Jürg Joss gegen Atomkraftwerke in der Schweiz. Nun erleben sie ein Revival. Wie fühlt es sich an, wenn das eigene Lebenswerk mit Füssen getreten wird? watson hat ihn an den Ort des Widerstands begleitet: zum AKW Leibstadt.
Als Erstes sieht man: eine Wasserdampfwolke. Sie fällt auf, ist sie doch an diesem heissen Julitag die einzige Wolke weit und breit. Schlohweiss und fast senkrecht zieht sie in den Sommerhimmel. Es geht kein Wind.
Für Jürg Joss ist die Wolke eine unheilvolle Botin.
Je näher er der Wolke kommt, desto mehr kribbelt es in ihm. Es sind keine Schmetterlinge im Bauch oder Glücksgefühle, sagt er, eher ein flaues Gefühl im Magen, ein Zeichen von Nervosität. Es gramselt im Bauch, nennt es Joss in seinem breiten Berndeutsch.
Dabei sieht man es noch gar nicht. Noch ist es versteckt hinter den grünen, geschwungenen Hügeln des aargauischen Zurzibiets. «Ich weiss nicht, wie Leute hier bedenkenlos leben können», sagt Joss. «Ich könnte seine Präsenz nicht einfach so ausblenden.»
Nach einer Linkskurve hinter Leuggern ist der Blick frei auf das, was Joss seit Jahrzehnten Unbehagen bereitet: das Atomkraftwerk Leibstadt.
[...] «Luft anhalten»
Joss beginnt als Revisionist im Kernkraftwerk Leibstadt zu arbeiten, kalibriert Messungen und überprüft Ventile, die Druck und Temperatur in den Anlagen stabilisieren.
1986, im gleichen Jahr, in dem in Tschernobyl ein Reaktor explodiert und radioaktive Strahlung bis in die Schweiz transportiert wird, erlebt Joss seine ganz persönliche Atomkatastrophe.
Bei einer Revision im Abluftschacht im Maschinenhaus überprüft Joss Messungen in der Filteranlage. Es ist heiss dort drin, sehr heiss.
«Und als ich mich in diesem Schacht befand, da liessen sie in der Zentrale die Lüftung an.»
Jürg Joss
Ein verhängnisvoller Fehler, denn mit der Luft, die Joss nun entgegenbläst, treffen ihn auch radioaktive Aerosole. Zwar trägt Joss einen weissen Schutzanzug, jedoch keine Maske. Der Strahlenschutz des Werks verlangte das für diese Zone schlicht nicht. «Ich wusste, jetzt muss ich die Luft anhalten», sagt Joss.
So verhindert Joss, dass er radioaktives Material einatmet. Äusserlich aber ist Joss verstrahlt. So stark, dass das Strahlengerät beim Verlassen der kontrollierten Zone Alarm schlägt. Joss muss mehrmals duschen, bis der Alarm verstummt. «An dem Tag ist mir das Herz in die Hose gerutscht», sagt Joss.
Zwar macht er die Revision noch fertig. Aber er ist nicht mehr der gleiche wie vorher. Die Verstrahlungsepisode steht am Anfang von Joss' Verwandlung vom Atomkraftbefürworter hin zu einem ihrer grössten Kritiker.
*
Don Trumpls allerletzte Nachrichten
IMHO: Don Trumpl lügt, betrügt und ist durch und durch korrupt.
Warum ist dieser Horrorclown noch nicht hinter Gittern?
17. Juli
Wichtiges Klimaschutzinstrument
EU-Kommission will Emissionshandel schwächen
Die EU-Kommission will auf Druck von Teilen der Industrie die CO2-Bepreisung schwächen. Klimaschützer üben Kritik – genauso wie die Chemie-Lobby.
Die EU-Kommission will das wirksamste Klimaschutzinstrument der EU schwächen und so die Schwerindustrie entlasten: Die Regeln des EU-Emissionshandels (ETS) sollen aufgeweicht werden. Vorangegangen war eine monatelange Lobbykampagne, angeführt von der Chemie-Industrie.
„Ohne den ETS würden wir noch hunderte Milliarden Kubikmeter Gas mehr verbrauchen und wären noch anfälliger“, sagte EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra. Die ETS-Reform bestehe aus drei Säulen: „nachhaltige, ehrgeizige Klimaschutz-Maßnahmen, viel mehr Wettbewerbsfähigkeit und Anschub für die Energie-Unabhängigkeit“. Die Maßnahmen könnten ein „Motor für Investitionen und die Wiederindustrialisierung Europas sein“, so der Niederländer.
Anders sieht das Michael Bloss, Europa-Abgeordneter der Grünen. „Die Pläne der EU-Kommission sorgen für gigantische Klimaverschmutzung und erlauben so viele zusätzliche Emissionen, wie Deutschland in knapp vier Jahren ausstößt“, sagte er. „Wer im Hitzesommer den Klimaschutz schwächt, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.“
Im ETS müssen Unternehmen der Wirtschaftssektoren Industrie und Energiewirtschaft ein Zertifikat kaufen, wenn sie eine Tonne CO₂ ausstoßen wollen. Das soll sie dazu bringen, in klimafreundliche Technologien zu investieren. Unter anderem durch den ETS sind die EU-weiten CO₂-Emissionen in den ETS-Sektoren seit Einführung 2005 laut Umweltbundesamt um 51 Prozent gesunken.
[...] Für einen starken ETS warben dagegen Unternehmen, die bereits viel Geld in die Transformation hin zur Klimaneutralität gesteckt hatten. Die Stahlproduzenten Salzgitter und Saarstahl sprachen sich wiederholt gegen eine drastische Schwächung des ETS aus. Der Aktienkurs vom Betonhersteller Heidelberg Materials, der in CO₂-Abscheidungstechnologien investiert, ist um ein Viertel eingebrochen, seit die Zeichen auf Schwächung stehen.
„Wer Milliarden in klimaneutrale Produktion investiert hat, wird im Regen stehen gelassen – wer taktiert und auf fossile Geschäftsmodelle gesetzt hat, wird belohnt“, kritisiert Felix Gill, Industrie-Experte bei Germanwatch. „Europa verpasst so die Chance, neue Zukunftsbranchen im Bereich Green Tech hier zu verankern.“
*
„Schutz kritischer Infrastruktur“:
Auch Brandenburg will Informationszugang einschränken
Berlin und Bund legen vor, Brandenburg zieht nach. Auch hier plant die Regierung, Informationsfreiheitsrechte zu schwächen. Wieder sollen Sicherheitsbedenken die Intransparenz rechtfertigen.
Die Brandenburger Landesregierung will das Akteneinsichts- und Informationszugangsgesetz (AIG) ändern. Gegenüber rbb|24 hat ein Sprecher des Innenministeriums am gestrigen Donnerstag bestätigt, dass sie aktuell an einem Gesetzentwurf arbeitet.
Wie schon der Berliner Senat begründet auch Brandenburg die Schritte mit einer abstrakten Gefahrenlage. „Der Schutz kritischer Infrastruktur ist angesichts verschiedenster Bedrohungslagen von entscheidender Bedeutung“, heißt es in der Mitteilung, die rbb|24 auf Anfrage erhielt. Die Änderungen sollen dem Land erlauben, besser auf solche Bedrohungen zu reagieren.
Das AIG regelt in Brandenburg bisher, wie Bürger*innen an behördliche Informationen gelangen. Es garantiert jeder Person ein Recht auf Akteneinsicht, solange nicht überwiegende öffentliche oder private Interessen dagegensprechen. Welche konkreten Änderungen das Land plant, ist noch offen. So tiefgreifend wie der Bund könne das Land aufgrund der Landesverfassung nicht vorgehen.
[...] Brandenburg nimmt sich offenbar ein Vorbild an einem deutschlandweiten Trend. Weitere CDU- und SPD-geführte Bundesländer planen eine Beschneidung der Informationsfreiheitsrechte: Auch Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen legten mit Verweis auf Sicherheitsbedenken und Bürokratieabbau Gesetzentwürfe vor.
[...] „Nicht mehr Sicherheit, sondern weniger Demokratie“
Fachleute kritisieren den Versuch, Intransparenz mit Sicherheitsbedenken rechtzufertigen. Die Jurist*innen Philipp Schönberger und Hannah Vos vom Transparenzportal FragDenStaat schreiben im Verfassungsblog: „Offensichtlich dient die diskursive Verknüpfung mit einer Bedrohungslage vor allem als Vehikel für eine möglichst weitreichende Abschirmung der Exekutive vor öffentlicher Kontrolle.“ Auch die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) Prof. Dr. Louisa Specht-Riemenschneider warnte: „Wer Informationsfreiheit pauschal beschränkt, schafft nicht mehr Sicherheit, sondern weniger Demokratie.“
*
Fehlinvestitionen
Krankenkassen verlieren mindestens 170 Millionen Euro
Nach Recherchen von NDR, WDR und SZ haben mindestens 17 Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen Beitragsgelder in fragwürdige Immobilienfonds investiert - und damit Millionenverluste gemacht. Doch wie konnte es dazu kommen?
Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg verteilt das Geld der gesetzlich Krankenversicherten an die Ärztinnen und Ärzte im Südwesten der Republik. Rund fünf Milliarden Euro erhält sie dafür von den Krankenkassen pro Jahr.
Doch weil nicht immer alles Geld sofort ausgegeben werden muss, darf die Kassenärztliche Vereinigung (KV) das Geld am Finanzmarkt anlegen. Allerdings möglichst konservativ und risikoarm - so, "dass ein Verlust ausgeschlossen erscheint". So steht es im Sozialgesetzbuch IV, an das sich die KVen und Krankenkassen halten müssen.
Mehr als 96 Prozent der Anlagegelder verloren
Doch bei der KV Baden-Württemberg muss das gehörig schief gegangen sein. Denn sie verklagt aktuell unter anderem die Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank vor dem Landgericht Frankfurt. In der Klageschrift wirft sie den Finanzfirmen vor, sie über das Risiko "vorsätzlich getäuscht" zu haben, was diese in ihrer Erwiderung klar zurückweisen.
Der Klage zufolge hat die KV Baden-Württemberg (KVBW) zwischen 2019 und 2022 insgesamt 50 Millionen Euro über ein spezielles Finanzprodukt in die Verius-Immobilienfonds investiert. Laut der Klageschrift, haben sich diese Investments inzwischen "in Luft aufgelöst": "96,3 Prozent der investierten Anlagegelder" seien verloren.
Doch hat der zuständige Vorstand das Investment zuvor überhaupt eigenständig geprüft? Das will die KVBW auf Anfrage nicht beantworten. Die Fondsanbieter legen in ihrer Entgegnung an das Gericht dar, dass die Krankenkassen und KVen "mehr als 7 Prozent" Zinsen pro Jahr erhielten. Auch die Frage, ob ein Investment mit so hohen Zinsen wirklich risikolos war, wollte die KVBW nicht beantworten. Auf detaillierte Fragen antwortet sie nur mit einem Satz: "Die KVBW äußert sich grundsätzlich nicht zu ihren Finanzanlagen."
Ausmaß größer als bisher bekannt
Die Fehlinvestments in die Verius-Fonds sorgen seit Wochen für Aufregung in den Vorstandsetagen von Krankenkassen und KVen. Das "Handelsblatt" berichtete erst vor wenigen Tagen von insgesamt sechs Krankenkassen und KVen, die Geld mit den Verius-Fonds verloren hatten.
*
Ein Betrieb des Kernkraftwerks Temelín über 80 Jahre ist ohne eine neue Umweltverträglichkeitsprüfung nicht akzeptabel
Verlängerung der Betriebsdauer ist grundsätzliche Änderung
Der Umweltverband OIŽP / BIU bringt seine große Besorgnis über die Ankündigung des Ersten stellvertretenden Ministerpräsidenten und Ministers für Industrie und Handel Karel Havlíček sowie des Generaldirektors des Unternehmens ČEZ, Daniel Beneš, zum Ausdruck, wonach beide Blöcke des Kernkraftwerks Temelín bis zu 80 Jahre betrieben werden sollen.
Ein derartiges Vorhaben stellt eine außerordentlich weitreichende Änderung der ursprünglichen Annahmen für den Betrieb des Kraftwerks dar. Obwohl Kernkraftwerke laufend modernisiert werden und regelmäßigen Sicherheitsüberprüfungen unterliegen, kann eine Verlängerung ihrer Betriebsdauer um mehrere Jahrzehnte nicht als gewöhnliche Verwaltungsentscheidung angesehen werden. Es handelt sich um eine grundlegende Änderung, die erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt, die Sicherheit der Bevölkerung, die Entstehung radioaktiver Abfälle sowie auf die Energiepolitik der Tschechischen Republik haben kann.
„Der Betrieb eines Kernkraftwerks über einen Zeitraum von achtzig Jahren darf nicht allein auf der Grundlage technischer Gutachten des Betreibers und behördlicher Entscheidungen genehmigt werden. Eine derart grundlegende Änderung muss erneut hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Umwelt bewertet werden, und die Öffentlichkeit muss die Möglichkeit erhalten, sich dazu zu äußern“, erklärte der Umweltverband OIŽP.
OIŽP / BIU fordert daher, dass eine geplante Verlängerung der Betriebsdauer der Kernkraftwerksblöcke in Temelín und Dukovany an die Durchführung einer neuen Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) geknüpft wird. Bestandteil dieses Verfahrens muss auch eine grenzüberschreitende Umweltprüfung gemäß den internationalen Verpflichtungen der Tschechischen Republik sein, da ein schwerwiegender Störfall in Temelín Auswirkungen weit über die Grenzen der Tschechischen Republik hinaus hätte. Die Bevölkerung der Nachbarstaaten, deren Gebietskörperschaften sowie die Fachöffentlichkeit müssen die Möglichkeit erhalten, sich an diesem Verfahren zu beteiligen.
OIŽP weist darauf hin, dass selbst umfassende Modernisierungen die physikalischen Alterungsprozesse von Materialien nicht vollständig beseitigen können. Die wesentlichen Bauteile des Kraftwerks sind über Jahrzehnte hinweg Neutronenstrahlung, hohen Temperaturen, hohem Druck sowie chemischen Einwirkungen ausgesetzt. Einige entscheidende Komponenten, insbesondere der Reaktordruckbehälter oder Teile des Sicherheitsbehälters, können nicht ohne Weiteres ausgetauscht werden. Deshalb ist es erforderlich, ihre langfristige Einsatzfähigkeit einer besonders strengen und transparenten Überprüfung zu unterziehen.
Der weitere Betrieb des Kraftwerks bedeutet zugleich weitere Jahrzehnte der Erzeugung hochradioaktiver Abfälle. Die Tschechische Republik verfügt bislang über kein tiefengeologisches Endlager, und die Frage der endgültigen Entsorgung abgebrannter Brennelemente ist weiterhin ungelöst. Eine Verlängerung der Betriebsdauer von Temelín bedeutet daher eine weitere Verlagerung von Verantwortung und Kosten auf künftige Generationen.
*
Don Trumpls allerletzte Nachrichten
IMHO: Don Trumpl lügt, betrügt und ist durch und durch korrupt.
Warum ist dieser Horrorclown noch nicht hinter Gittern?
*
17. Juli 1984 (INES-3 NAMS 1,8)
Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
Es wurden etwa 2,9 TBq radioaktive Strahlung freigesetzt. Ein Lösungsmittelbrand im Schlammbehälter der Kläranlage im Gebäude B241 wurde durch herabtropfendes heißes Metall bei Schneidbrennarbeiten verursacht.
(Kosten ca. 33,4 Millionen US$)
Nuclear Power Accidents
Die Nukleare Kette
Sellafield/Windscale, Großbritannien
Die größte zivile und militärische Atomanlage Europas steht in Sellafield. Während hier in der Vergangenheit Plutonium für das britische Atomwaffenprogramm produziert wurde, dient der Standort heute als Wiederaufbereitungsanlage für Atommüll. Der Großbrand von 1957 sowie zahlreiche radioaktive Lecks kontaminierten die Umwelt und setzten die Bevölkerung erhöhten Strahlenwerten aus ...
Langsam aber sicher werden relevante Infos zu Störungen in der Atomindustrie aus Wikipedia entfernt!
Wikipedia de
Sellafield
Der Komplex wurde durch einen katastrophalen Brand 1957 und durch häufige nukleare Störfälle bekannt und unter anderem deshalb auch in Sellafield umbenannt. Bis Mitte der 1980er Jahre wurde der im täglichen Betrieb anfallende Atommüll in großen Mengen in flüssiger Form über eine Pipeline in die Irische See abgeleitet.
16. Juli
Kontaminationsvorfälle im Kernkraftwerk Koeberg unter Kontrolle
Die südafrikanische Atomaufsichtsbehörde hat Maßnahmen ergriffen, um die Bedenken der Öffentlichkeit zu zerstreuen, nachdem sie bestätigt hatte, dass drei kürzlich aufgetretene Kontaminationsvorfälle im Kernkraftwerk Koeberg auf das Gelände beschränkt waren und keine Gefahr für die umliegenden Gemeinden darstellten.
AP News berichtet, dass die Vorfälle, die sich während planmäßiger Wartungsarbeiten in dem Kraftwerk in der Provinz Westkap ereigneten, kurzzeitig Fragen zur Sicherheit des einzigen kommerziellen Kernkraftwerks Afrikas aufkommen ließen. Sowohl die Nationale Atomaufsichtsbehörde (NNR) als auch Eskom betonen jedoch, dass kein radioaktives Material in die Umwelt gelangt sei.
Wartungsarbeiten lösten vorübergehende Kontaminationsvorfälle aus
Nach Angaben der NNR ereigneten sich die Kontaminationsvorfälle am 30. Juni, 2. Juli und 7. Juli, während in der etwa 40 Kilometer nördlich von Kapstadt gelegenen Anlage Wartungsarbeiten durchgeführt wurden.
Die Aufsichtsbehörde erklärte, dass ein vorübergehender Stromausfall in den Lüftungssystemen zu einer erhöhten radioaktiven Kontamination der Luft in kontrollierten Bereichen des Kraftwerks geführt habe. Wichtig ist, dass die Kontamination auf die gesicherten Sicherheitsbereiche der Anlage beschränkt blieb.
Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)
*
Diese Grafik sollte auf jede Titelseite
Im Pazifik entwickelt sich gerade ein El Niño, wie ihn die Messgeschichte noch nie gesehen hat. In derselben Woche schafft die Bundesregierung das wirksamste deutsche Klimagesetz ab – weil sie glaubt, die deutsche Bevölkerung habe genug vom Klimaschutz. Eine Studie zeigt: Sie fallen dabei auf einen rechten Mythos herein. Wir wollen Klimaschutz - und er ist nötiger denn je.
Die Meerestemperatur im wichtigsten Klimaüberwachungsgebiet der Erde liegt so hoch wie in keinem Jahr seit Beginn der Satellitenmessungen zu dieser Jahreszeit. Während der Ozean dieses Signal sendet, hat der Bundestag am 10. Juli das Heizungsgesetz beerdigt und keinen Plan, wie wir unsere Klimaziele einhalten sollen. Begründet wird solche Politik stets mit dem Widerstand der Bevölkerung. Doch eine neue Studie in einem Nature-Journal zeigt: Deutsche Politiker unterschätzen die Zustimmung zu wirksamem Klimaschutz dramatisch. Die "Klimaschutz-Müdigkeit", auf die sich die Politik beruft, ist zu großen Teilen ein Medienprodukt. Genau wie die Ablehnung vom sogenannten "Heizungshammer". Statt rechte Lügen in alle Schlagzeilen zu packen, sollte diese Grafik die Debatte dominieren.
El Nino - Temperatur des Oberflächenwassers - Messdaten seit 1982 - Die rote Linie steht für 2026
[...] Das ist keine Prognose, kein Modell. Das geht aus den Messwerten aus dem NOAA-OISST-Datensatz hervor, der Satelliten-, Schiffs- und Bojenmessungen kombiniert. Mitte Juli lag die Temperatur im Messgebiet bereits um die 2 Grad Celsius über dem Durchschnitt von 1982-2020. Und das eben erst im Juli. El Niño-Ereignisse erreichen ihren Höhepunkt erst um Weihnachten herum (daher auch der Name: spanisch für Christkind).
*
Tausende Tote nach Hitzewelle Ende Juni
RKI schätzt bisher 6.830 Hitzetote im Jahresverlauf
Die Zahl der Hitzetoten ist laut Schätzung des Robert-Koch-Instituts um weitere 1.710 gestiegen. Sie könnte insgesamt aber auch doppelt so hoch liegen.
Die Zahl der Hitzetoten in diesem Sommer hat sich nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) auf 6.830 erhöht. Das geht aus dem Wochenbericht „Hitze und Übersterblichkeit in Deutschland“ hervor, den das RKI am Donnerstag veröffentlicht hat. Damit hat sich die Zahl der Hitzeopfer um weitere 1.700 in der Woche vom 29. Juni bis zum 5. Juli erhöht. Die tatsächliche Zahl könnte aber auch bis zu doppelt so hoch liegen, da das zugrunde liegende Rechenmodell des RKI durch die extreme Hitzewelle nur eingeschränkt aussagekräftig ist.
Durch einen Hitzedom war Ende Juni mehr als eine Woche lang die Höchsttemperatur bundesweit auf weit über 30 Grad gestiegen. Am letzten Juni-Wochenende war mehrfach der Temperaturrekord gebrochen worden. An dem Sonntag waren 41,7 Grad in einem Ort an der Oder in Brandenburg gemessen worden.
[...] Wissenschaftler:innen weisen darauf hin, dass eine genauere Fokussierung auf einzelne Tage und Regionen eine deutlich höhere Übersterblichkeit erkennen lässt.
Auch das RKI weist in seinem neusten Wochenbeginn auf dieses Problem hin. „Aktuell beobachten wir Sterbefallzahlen, die deutlich über den Schätzungen des Modells zur Beschreibung der Hitze-Mortalität liegen“, heißt es in dem Bericht. Das liege vermutlich vor allem daran, dass das RKI-Modell nur die Wochenmitteltemperatur berücksichtigt, die Tagesmitteltemperaturen am Ende der 26. Kalenderwoche aber deutlich höher lagen. Daher solle parallel die vom Statistischen Bundesamt errechnete Übersterblichkeit betrachtet werden. Diese wird momentan auf 13.100 geschätzt – liegt also mehr als doppelt so hoch als die Schätzung des RKI.
Das Statistische Bundesamt hatte allein für den letzten Juni-Sonntag einen Rekord von 4.724 Toten ausgewiesen. Der wurde nur einen Tag später am Montag nochmals getoppt und erreichte 4.832. Normal wären tägliche Sterbezahlen von rund 2.500. An beiden Tagen sind also jeweils mehr als 2.000 „zu viel“ gestorben. Das sind Extremwerte, wie sie selbst während der Coronapandemie nicht erreicht wurden.
*
Acht Jahre nach der Katastrophe
Richter verkünden Urteile um Einsturz von Autobahnbrücke in Genua
Acht Jahre nach dem Brückeneinsturz von Genua fällt das Urteil im Mega-Prozess. 43 Tote, hunderte Verhandlungstage - und die zentrale Frage: War die Katastrophe vermeidbar oder unausweichliches Versagen?
Fast acht Jahre nach dem Einsturz der Autobahnbrücke im norditalienischen Genua soll heute das Urteil in dem Mega-Prozess verkündet werden. Endgültig geklärt werden soll die Frage, ob die Betreiber der Morandi-Brücke die Katastrophe mit 43 Todesopfern hätten verhindern können. Am 14. August 2018 um 11.36 Uhr war die Fahrbahn der vielbefahrenen, riesigen Brücke weggebrochen, Dutzende Fahrzeuge stürzten in die Tiefe. Die Bilder des aufgerissenen Stahlbetons gingen um die Welt.
Vier Jahre nach Prozessbeginn und nach 382 Anhörungen in einem im Hof des Gerichts von Genua errichteten Zelt sollen die Richter ihr Urteil verkünden. Die Staatsanwaltschaft hat für die 57 Angeklagten insgesamt 400 Jahre Gefängnis gefordert wegen fahrlässiger Tötung, Gefährdung der Verkehrssicherheit und Urkundenfälschung.
"Wir hoffen, dass sie verurteilt werden, aber das Wichtige für die Opfer ist eindeutig, dass die Wahrheit endgültig ans Licht kommt", sagte Egle Possetti, Vorsitzende des Angehörigen-Komitees, die ihre Schwester, einen Neffen, eine Nichte und ihren Schwager bei der Katastrophe verlor. "Leider werden sie dadurch nicht wieder nach Hause kommen", bedauerte sie.
Minimale Instandhaltung
Der Befund der mit den Ermittlungen betrauten Richter ist erdrückend. "Zwischen der Einweihung (der Brücke) 1967 und dem Einsturz 51 Jahre später sind nicht einmal minimale Instandhaltungsmaßnahmen ergriffen worden, um die Stahleinlagen des Brückenpfeilers Nummer neun zu verstärken", der am Unglückstag nachgegeben hatte, betonten sie.
Die Sprödigkeit des Betonstahls war bekannt und an den identischen Pfeilern zehn und elf waren Arbeiten vorgenommen worden. Für Pfeiler Nummer neun waren Arbeiten vorgesehen. "Die Morandi-Brücke war eine Zeitbombe. Sie konnten es ticken hören, aber sie wussten nicht, wann sie explodieren würde", sagte Walter Cotugno, einer der Ankläger.
Bei den Angeklagten handelt es sich überwiegend um Führungskräfte des Autobahnbetreibers Autostrade per l'Italia (Aspi) und dessen Tochterunternehmen Spea sowie Beamte des Infrastrukturministeriums. Nur zwölf von ihnen willigten ein, auf Fragen der Richter zu antworten. 21 machten spontane Aussagen.
*
Todsichere AKWs?
Neuausrichtung bei Strahlenschutz in den USA – Bald auch bei uns?
Gerne schmückt sich die Atomlobby auch mit dem Attribut Sicherheit. Was davon zu halten ist, wurde bei Katastrophen wie eben Fukushima oder Tschernobyl bereits deutlich vor Augen geführt und einige Male stand es, auch in Europa, auf der Kippe.
„AKWs sind zweifelsfrei sicherer geworden, ausschließen lässt sich ein schwerer Unfall trotzdem weiterhin nicht“, meint Manfred Doppler vom Anti Atom Komitee.
AKWs sind an sich schon extrem teuer, Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen erhöhen die Kosten nochmals signifikant. Was liegt, zumindest nach der Logik der Atomlobby in den USA, also näher, als genau da den Sparstift anzusetzen? Die Regeln in den USA gelten nicht als die strengsten, es gibt darüber hinaus aber das ALARA-Prinzip, wodurch die von einem Reaktor abgegebene Strahlung für das Personal wie auch die umliegende Bevölkerung so niedrig wie möglich ausfallen soll. – Ein Optimierungsgebot, das eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte!
Genau das soll nun, um Genehmigungsverfahren abzukürzen sowie den Bau und den Betrieb von AKWs zu verbilligen, gestrichen werden. Dass, wie durch Studien belegt, rund um Atomanlagen die Sterblichkeit an Krebserkrankungen höher ist als anderswo, ist wahrscheinlich nur ein dummer Zufall. Die kontrolliert abgegebenen radioaktiven Stoffe wie Tritium, Cäsium oder Radon liegen im Normalfall schließlich überall unter den festgelegten Grenzwerten.
Der Haken ist, dass Grenzwerte eben „festgelegt“ und bei Bedarf auch angepasst werden können. „Genaue Werte, ab wann Strahlung schädlich ist, gibt es hingegen nicht. Es gilt einfach: Je mehr davon, desto höher ist das Risiko zu erkranken“ hält Gerold Wagner fest.
Angeregt durch neue Erkenntnisse oder auch Störfälle haben sich im Lauf der Jahrzehnte die Sicherheitsmaßnahmen nach oben geschraubt, nun soll es offensichtlich – vorwiegend aus Kostengründen – wieder in die andere Richtung gehen und man nimmt dafür anscheinend gerne mehr Risiken auf sich.
*
Don Trumpls allerletzte Nachrichten
IMHO: Don Trumpl lügt, betrügt und ist durch und durch korrupt.
Warum ist dieser Horrorclown noch nicht hinter Gittern?
*
16. Juli 1979 (INES-3 NAMS 1,9)
Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
In einer abgelegenen Entkernungshöhle in Gebäude B30 wurden bei einem Brand 3,7 TBq Radioaktivität freigesetzt.
(Kosten ca. 30 Millionen US$)
Nuclear Power Accidents
Die Nukleare Kette
Sellafield/Windscale, Großbritannien
Die größte zivile und militärische Atomanlage Europas steht in Sellafield. Während hier in der Vergangenheit Plutonium für das britische Atomwaffenprogramm produziert wurde, dient der Standort heute als Wiederaufbereitungsanlage für Atommüll. Der Großbrand von 1957 sowie zahlreiche radioaktive Lecks kontaminierten die Umwelt und setzten die Bevölkerung erhöhten Strahlenwerten aus ...
Langsam aber sicher werden relevante Infos zu Störungen in der Atomindustrie aus Wikipedia entfernt!
Wikipedia de
Sellafield (früher Windscale)
Der Komplex wurde durch einen katastrophalen Brand 1957 und durch häufige nukleare Störfälle bekannt und unter anderem deshalb auch in Sellafield umbenannt. Bis Mitte der 1980er Jahre wurde der im täglichen Betrieb anfallende Atommüll in großen Mengen in flüssiger Form über eine Pipeline in die Irische See abgeleitet ...
Wikipedia en
Übersetzung https://www.DeepL.com/Translator
Sellafield#Incidents
Radiologische Freisetzungen
Zwischen 1950 und 2000 gab es 21 schwerwiegende Zwischenfälle oder Unfälle mit radiologischen Freisetzungen außerhalb des Werksgeländes, die eine Einstufung auf der internationalen Skala für nukleare Ereignisse rechtfertigten, einen auf Stufe 5, fünf auf Stufe 4 und fünfzehn auf Stufe 3. Darüber hinaus gab es in den 1950er und 1960er Jahren über längere Zeiträume hinweg bekannte, absichtliche Freisetzungen von Plutonium und bestrahlten Uranoxidpartikeln in die Atmosphäre ...
*

16. Juli 1945 (1. Atombombentest) Trinity, NM, USA
Seit 1945 wurden weltweit über 2050 Atomwaffentests durchgeführt, was eine mögliche Erklärung für die stetig steigende Zahl von Krebserkrankungen sein könnte.
IPPNW Report - August 2023 - Atomwaffentests - (PDF-Datei)
... Oberirdische Tests wurden auf mehreren Atollen im Pazifik, in Semipalatinsk, Kasachstan, auf traditionellem Land der Westlichen Shoshone in Nevada, USA, auf dem Land der Aborigines im australischen Outback, auf dem Land der indigenen Nenetz in der russischen Arktis, auf dem Gebiet von Nomaden in der algerischen Sahara, in der Region der Uiguren in China und anderswo durchgeführt. Die Bewohner*innen wurden oft verspätet oder gar nicht evakuiert und nicht über die Auswirkungen der Tests informiert. Radioaktiver Niederschlag fiel als Staub und Regen herab und verseuchte das Trinkwasser und lokal erzeugte Lebensmittel ...
Die Nukleare Kette
Alamogordo, USA
Atomwaffentest
Die weltweit erste atomare Explosion fand am 16. Juli 1945 in der Nähe der US-amerikanischen Kleinstadt Alamogordo statt. Dies war der Startschuss des Atomzeitalters und der Beginn der großflächigen radioaktiven Kontamination des Erdballs.
Hintergrund
Alamogordo ist eine kleine Stadt im US-Bundesstaat New Mexico. In der nahe gelegenen Wüste „Jornada del Muerto“ liegt die „White Sands Missile Range“ der US-Armee, das Testgelände der ersten Atombombe der Geschichte. Der sogenannte „Trinity Test“ war Teil des „Manhattan Projekts“, dem 1939 begonnenen Atomwaffenforschungsprogramm der USA. Das Projekt wurde an mehreren Standorten gleichzeitig betrieben: Während die Atombomben in Los Alamos, New Mexiko entwickelt wurden, fand die Anreicherung von Uran-235 in Oak Ridge, Tennessee statt. Plutonium-239 wurde in Hanford, Washington produziert, die Wüste nahe Alamogordo, New Mexiko wurde als Testgelände ausgewählt.
Nach mehrjährigen Vorbereitungen wurde am 14. Juli 1945 die erste Atomwaffe der Welt, eine Plutonium-Implosionsbombe mit dem Codenamen „Gadget“ auf ein 30 m hohes Gerüst gehievt. Die Konstruktion entsprach der Bombe „Fat Man“, die nur wenige Wochen später über Nagasaki abgeworfen werden sollte. Wissenschaftler und Militärangehörige beobachteten die erste Atomexplosion aus einer Entfernung von 10 bis 32 Kilometern. Am 16. Juli 1945 um 5:29:45 Uhr wurde die Bombe mit einer Sprengkraft von 20 Kt gezündet. Nach einem grellen Lichtblitz schoss eine pilzförmige Wolke 12 Kilometer in die Höhe. Die Druckwelle der Detonation war noch in 250 Kilometer Entfernung zu spüren. „Nun bin ich zum Tod geworden, zum Zerstörer von Welten“, waren die berühmten Worte des Atomwissenschaftlers J. R. Oppenheimer, als er die Explosion sah. Trinity war der Erste von mehr als 2.000 Atomtests, die die Erdatmosphäre mit radioaktivem Niederschlag verseuchten, dem atomaren „Fallout“ ...
15. Juli
Reaktion auf den Irankrieg
Die Umgehungsstraße von Hormus
Die Golfstaaten beginnen mit dem Aufbau von alternativen Häfen und Pipelines, um die Blockade der Straße von Hormus zu umgehen. Es geht um Öl und Düngemittel.
Ausgerechnet in einem ICE der Deutschen Bahn wurde der Traum für die Arabische Halbinsel besprochen. Als der damalige Kanzler Gerhard Schröder und der damalige Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani, am 28. Mai 1999 im ICE 410 von Berlin nach Hannover fuhren, erörterten sie ein Eisenbahnnetzwerk, das alle sechs Staaten des arabischen Golfkooperationsrates umspannen sollte. Die DB bekam einen Consulting-Auftrag. Aber wegen politischer Spannungen zwischen Katar und seinen Nachbarn Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) verblasste der Traum und wurde nie Realität.
Scheich Hamad ist am Sonntag im Alter von 74 Jahren gestorben, aber seine einst wie eine Fata Morgana wirkende Idee wird heute realistischer denn je. Der Konflikt um die Straße von Hormus belastet erneut die Weltwirtschaft, nachdem ein vorläufiger Waffenstillstand zwischen den USA und Iran kollabiert ist. Durch die Meerenge werden mit 20 Millionen Barrel normalerweise täglich ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion verschifft, mindestens ein Fünftel der Produktion von verflüssigtem Erdgas (LNG) und 30 Prozent der globalen Düngemittelproduktion.
Aus der akuten Krise, die die Weltwirtschaft bedroht, kann letztlich aber etwas Positives erwachsen: „Die Störung des weltweit wichtigsten maritimen Engpasses führt zu einer Welle der Unterstützung für neue Handels- und Energiekorridore über Land, die den Golf mit dem Mittelmeer verbinden sollen“, sagt Allison Minor, Direktorin für Kooperation im Mittleren Osten des Washingtoner Thinktanks „Atlantic Council“.
[...]So sollen ein Eisenbahnnetz und Pipelines entstehen, die in den Häfen Omans östlich der Straße von Hormus enden oder in den saudi-arabischen Häfen am Roten Meer oder am Golf von Aqaba in Jordanien oder an Syriens Mittelmeerküste. Dadurch würde das vom Iran beanspruchte Nadelöhr im Persischen Golf umgangen. Laut Minor könnten so „dringend benötigte wirtschaftliche Chancen für Länder wie Jordanien und Syrien“ entstehen. Syriens Wiederaufbau nach dem Bürgerkrieg während der Zeit des 2024 gestürzten Diktators Bashar al-Assad könnte mit Transiteinnahmen finanziert werden.
Dabei bleibt viel zu tun: Bisher können durch die 406 Kilometer lange emiratische „Abu Dhabi Crude Oil“-Pipeline bis zu 1,8 Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl von Abu Dhabis Riesenölfeld bei Habshan in den Hafen des ebenfalls zu den VAE gehörenden Emirats Fudschaira gepumpt werden. Fudschaira, am Golf von Oman und damit östlich von Hormus gelegen, ist schon jetzt der wichtigste Hafen der Region, wo Tanker Schiffsdiesel für ihre Fahrt bunkern.
*
Haushalt 2027
Klimafonds auf der schiefen Ebene
Finanzminister Klingbeil will 2,7 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds in den normalen Haushalt umleiten. Dagegen regt sich nun auch in den Fraktionen von Union und SPD Widerstand.
In der schwarz-roten Koalition wächst der Widerstand gegen die geplante Schwächung des Klima- und Transformationsfonds (KTF). Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) will 2027 rund 2,7 Milliarden Euro aus den Einnahmen des europäischen Emissionshandels nicht wie bisher vollständig in den KTF leiten, sondern damit Löcher im regulären Bundeshaushalt stopfen.
Nach Kritik des stellvertretenden Unions-Fraktionschefs Sepp Müller (CDU) wendet sich nun auch die energiepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Nina Scheer, gegen die Umschichtung.
"Verschiebungen von Geldern aus dem KTF schmälern unweigerlich Klimaschutz- und Energiewende-bezogene Handlungsmöglichkeiten und sind deshalb abzulehnen", sagte Scheer gegenüber Klimareporter°.
Deutschland müsse "schnellstmöglich wegkommen von den fossilen Ressourcen" und dafür seine Anstrengungen ausweiten, statt sie zu beschneiden. "Dies lassen uns sowohl der Irankrieg als etwa auch die Rekordhitzewellen unmissverständlich spüren."
Damit erreicht der Streit die Regierungsfraktionen selbst. Bereits Müller hatte laut FAZ Vorbehalte gegen den Griff in den Klimafonds geäußert.
"Nicht das Prinzip aufweichen, auf dem die Akzeptanz beruht"
Die Einwände aus Union und SPD richten sich gegen einen Baustein von Klingbeils Haushaltsplanung: Der KTF solle einen "maßvollen Beitrag" zur Konsolidierung des Bundesetats leisten, hieß es aus dem Finanzministerium.
Neben der Umleitung der 2,7 Milliarden Euro sollen die Ressorts ihre bisher nicht gebundenen KTF-Mittel pauschal um 15 Prozent kürzen. Bereits zugesagte Förderungen sollen unangetastet bleiben.
Müller äußerte die Sorge, dass die Abführung von Geldern aus dem KTF der Beginn einer schrittweisen Aushöhlung des Klimafonds ist, die auch in den nächsten Jahren genutzt werden könnte, um Löcher im Haushalt zu stopfen.
*
PFAS in Medikamenten müssen nicht sein
Ewigkeitschemikalien in Arzneimitteln lassen sich ersetzen, Ärzte könnten bevorzugt Alternativen verschreiben.
Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, besser bekannt als PFAS, finden sich überall. Auch in Medikamenten. PFAS in Medikamenten sind von gesetzlichen Einschränkungen ausgenommen und gelten als «essenzielle» Anwendung. Die gute Nachricht: Die meisten lassen sich ersetzen.
Ein internationales Team der Universität Freiburg im Breisgau hat sich im Auftrag des deutschen Umweltbundesamts auf die Suche nach PFAS in Arzneimittelstoffen gemacht und 111 davon gefunden. 97 davon (87 Prozent) lassen sich durch PFAS-freie Substanzen ersetzen. Für fast alle anderen befänden sich Alternativen in Entwicklung, schreiben die Autorinnen und Autoren. In Deutschland seien 70 PFAS-haltige Wirkstoffe zugelassen, für die es 61 PFAS-freie Alternativen gebe.
«Ein eindeutiger Hinweis darauf, dass eine Per- beziehungsweise Polyfluorierung aus pharmakologischer Sicht nicht zwingend erforderlich ist», sagt Michael Müller, Professor am Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Freiburg gegenüber «Öko-Test».
Vorläufer einer Substanz, die der Fortpflanzung schadet
Die Autorinnen und Autoren betonen, dass ihr Gutachten niemanden dazu bewegen soll, Medikamente abzusetzen. Im Vordergrund steht der therapeutische Nutzen. Insgesamt ist die PFAS-Belastung durch Medikamente eher gering. Da die Bevölkerung aber weiter altert, nimmt aber auch der durchschnittliche Medikamentenkonsum zu.
Die Umweltbelastung durch PFAS, die als Wirkstoffe, Hilfsstoffe, Stabilisatoren oder in der Produktion von Medikamenten verwendet werden, kann jedoch erheblich sein und summiert sich. Von den 111 pharmakologisch wirksamen Bestandteilen (Active Pharmaceutical Ingredients, APIs), die das Gutachten bewertet, seien 84 Prozent potenzielle Vorläufer von Trifluoracetat oder TFA, einem PFAS, das gerade als fortpflanzungsschädigend eingestuft wurde (Infosperber: «Trifluoracetat (TFA) als fortpflanzungsschädigend eingestuft»). Sie verteilten sich über alle Bereiche und alle Indikationen.
*
Material gewinnt Wasser aus der Luft – und kühlt effizienter als heutige Systeme
Erstmals im Technikumsmaßstab produziert
Ein Forschungsteam aus der Anorganischen Chemie der Christian-Albrechts- Universität zu Kiel (CAU) entwickelt gezielt poröse Materialien, um Wasser aus der Luft zu gewinnen und energieeffiziente Kühlung zu ermöglichen. Jetzt ist es dem Team gelungen, sie erstmals in größerem Maßstab herzustellen und damit einen wichtigen Schritt in Richtung industrieller Anwendung zu gehen.
Forschende aus der Chemie und den Materialwissenschaften der CAU arbeiten gemeinsam mit weiteren Partnern daran, neue Wasserquellen für den Mittelmeerraum zu erschließen. „Regionen wie diese kämpfen mit steigenden Temperaturen und sinkenden Niederschlagsmengen. Wir wollen eine umweltfreundliche Technologie entwickeln, um Wassermoleküle aus der Luft in Trinkwasser umzuwandeln“, sagt Professor Norbert Stock vom Institut für Anorganische Chemie. „Zwei neue Studien, die wir kürzlich in ‚Journal of Materials Chemistry A‘ und Industrial & Engineering Chemistry Research‘ veröffentlicht haben, zeigen wie man große Mengen des Materials hergestellt hat und die Effizienz von Kühlanalgen verbessert werden kann.“ Außerdem stellt das Team einen neuen Ansatz vor, mit dem die Forschenden Wasser aus der Luft effizienter und schneller zugänglich machen können, als mit bisherigen Materialsystemen.
Ein Material wie ein Schwamm – mit Hightech-Struktur
Ähnlich wie ein Schwamm nehmen Materialien aus der Klasse der Metall-organischen Gerüstverbindungen (Metal-Organic Frameworks, MOFs) in kurzer Zeit viel Wasser auf und können es auch schnell wieder abgeben. Möglich macht das ihre extrem poröse Struktur mit unzähligen fein vernetzten Hohlräumen: Die Grundlagenarbeit dazu wurde im Jahr 2025 mit dem Nobelpreis für Chemie gewürdigt.
In Kiel optimiert Stocks Team die Synthese des MOFs „CAU-10-H“ gezielt für die Wasseraufnahme und Wärmetransformation – benannt nach dem Entwicklungsort an der Kieler Universität, der Materialnummer und dem Elementsymbol von Wasserstoff. Es bindet bereits bei Raumtemperatur oberhalb von 18 % relativer Luftfeuchtigkeit Wassermoleküle in seinem Porensystem und setzt sie bei etwa 70 °C wieder frei. Indem die Forschenden sie mit leitfähigen Kohlenstoffstrukturen kombinieren, lässt sich dieser Prozess zusätzlich beschleunigen. Dieses Kompositmaterial lässt sich gezielt durch Strom oder Sonnenlicht erwärmen. Dadurch gibt es aufgenommenes Wasser besonders schnell wieder ab und arbeitet in kurzen, wiederholbaren Zyklen. Unter trockenen Bedingungen gewinnt das System kontinuierlich Trinkwasser aus der Luft und erreicht eine Wasseraufnahme von bis zu 0,17 g Wasser pro g Material. Die Zyklen dauern wenige Stunden und ermöglichen einen effizienten und kontinuierlichen Betrieb. Unter diesen Bedingungen kann man mit CAU-10-H potentiell bis 1,8 Liter Wasser pro Tag und Kilogramm Kompositmaterial aus Luft gewinnen. „Dies macht seinen Einsatz für die Trinkwassergewinnung auch in trockenen Regionen interessant“, sagt Erstautor Lasse Wegner.
Parallel zeigt CAU-10-H auch großes Potenzial für die Kühlung: In Adsorptionskälteanlagen erreicht es eine bis zu dreifach höhere Kühlleistung im Vergleich zu Silicagel, einem weit verbreiteten Trockenmittel auf Basis von Siliciumdioxid. Solche Systeme könnten künftig Abwärme nutzen, etwa von Rechenzentren oder Bäckereien. Das würde den Energieverbrauch solcher Klimaanlagen im Vergleich zur herkömmlichen Technologie deutlich senken und Kühlung nachhaltiger machen.
*
Von Jülich nach Ahaus:
Die nächsten Castoren rollen durch NRW
In der Nacht auf Mittwoch ist der nächste Castor-Transport nach Ahaus gerollt. Auf einer Autobahnbrücke gab es Protest.
Es ist der siebte von 152 Castorbehältern. In ihnen sind rund 300.000 Brennelementkugeln aus dem Forschungszentrum Jülich, die nach Ahaus gebracht werden. Währenddessen organisierten Demonstranten erneut eine Versammlung in Ahaus.
Mögliche Gefahren schränken Protest ein
In der Nacht hatte die Initiative "Sofortiger Atomausstieg Münster", kurz SofA Münster, eine Mahnwache auf der Autobahnbrücke der A31 bei Legden angemeldet. Zudem gab es eine Fahrrad-Demonstration. Gegen Dienstagmittag kamen jedoch Auflagen für die Proteste dazu und schränkten die Pläne der Demonstranten ein.
[...] Ärgernis über Generalverdacht
Die Initiative fühlte sich wegen der Auflagen vorverurteilt. "Es zeichnet sich ab, dass Menschen, die gegen die Castoren-Transporte demonstrieren wollen, unter Generalverdacht gestellt werden. Ich denke die Gefahr geht von dem Castor aus. Aber es wird unterstellt, dass wir die Gefahr sind", sagte Johannes Bruders von der Initiative SofA Münster.
Die Vorgaben blieben jedoch und die Brücke wurde abgesperrt. Nach einigen Diskussionen über den Genehmigungsbescheid durften die Demonstranten dann doch noch für eine halbe Stunde auf die Brücke. Allerdings bevor der Castor unter der Brücke durchfahren ist.
Gegen 1 Uhr nachts kam der Transport nach Angaben der Polizei ohne Zwischenfälle im Zwischenlager Ahaus an.
*
Don Trumpls allerletzte Nachrichten
IMHO: Don Trumpl lügt, betrügt und ist durch und durch korrupt.
Warum ist dieser Horrorclown noch nicht hinter Gittern?
14. Juli
Zehn Jahre Putschversuch Türkei
"Am nächsten Morgen ging die Hexenjagd los, und sie war blutig"
Am 15. Juli vor zehn Jahren rollen Panzer auf die Bosporus-Brücke in Istanbul, Kampfjets fliegen über die Stadt: Teile des türkischen Militärs versuchen, die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan zu stürzen. Sie scheitern - doch am nächsten Morgen ist die Türkei eine andere, sagt der Journalist Can Dündar, der damals Chefredakteur der Zeitung "Cumhuriyet" war. Dündar saß von November 2015 bis Februar 2016 in der Türkei in Untersuchungshaft und wurde 2020 von einem türkischen Gericht in Abwesenheit zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt. Heute lebt er im deutschen Exil. Im Interview mit ntv.de erzählt Dündar, welche Folgen der Putschversuch bis heute hat und welche Fragen noch immer ungeklärt sind.
ntv.de: In der Nacht vom 15. auf den 16. Juli 2016 versuchen Teile des türkischen Militärs, Erdogan gewaltsam zu stürzen - und scheitern. Mehr als 200 Menschen kommen ums Leben. Erinnern Sie sich noch an den Moment, in dem Sie vom Putschversuch mitbekommen haben?
Can Dündar: Ende Februar 2016 wurde ich aus dem Gefängnis entlassen. Daraufhin bat ich meine Redaktion um eine Auszeit und fuhr nach Barcelona, um ein Buch fertigzuschreiben. Nach zwei Wochen bekam ich einen Anruf von meinen Kollegen: Da passiert etwas auf der Bosporus-Brücke in Istanbul, und es sieht nach einem Putschversuch aus. Ich wollte sofort zurück. Ich rief meine Frau an; sie hatte sich im Haus versteckt, weil draußen Kämpfe tobten. Unser Viertel war einer der Brennpunkte des Putschversuchs. Sie konnte Schüsse hören. Ich buchte ein Flugticket in die Türkei für den nächsten Morgen. Ich war Chefredakteur, also musste ich zurück. Aber am nächsten Morgen war die Türkei eine andere. Das Land hatte sich komplett verändert. Meine Anwälte meinten zu mir: Wenn du zurückkommst, landest du im Gefängnis, bleib eine Weile in Europa. Und aus einer Weile wurden inzwischen zehn Jahre.
Was ist in den Tagen und Monaten nach dem Putschversuch passiert?
Nach dem gescheiterten Putsch begann die Verhaftungswelle. Erdogan war fest entschlossen, dass die Putschisten einen hohen Preis zahlen werden. Am nächsten Morgen ging die Hexenjagd los, und sie war blutig. Zuerst die Soldaten, dann die Generäle und schließlich diejenigen, die sie unterstützt hatten. Sie wurden verhaftet. Doch damit war es noch nicht vorbei, denn Erdogan hat die Gelegenheit genutzt, um seine Macht auszubauen. Als Nächstes waren seine Gegner an der Reihe. Jeder, der sich der Regierung widersetzte, wurde als Putschist und Verräter gebrandmarkt. Richter und Staatsanwälte wurden entlassen und durch seine Anhänger ersetzt. Damit war es vorbei mit der Rechtsstaatlichkeit und der Unabhängigkeit der Justiz. Beamte wurden entlassen, auch Journalisten und Lehrer waren betroffen. Wir sprechen hier von Zehntausenden von Menschen. Und Erdogan rief den Ausnahmezustand aus. Der Putschversuch war ein Wendepunkt für die türkische Demokratie. Tatsächlich war er einer der wichtigsten Wendepunkte in den vergangenen hundert Jahren türkischer Geschichte. Nach einem Referendum 2017 änderte Erdogan zudem das gesamte politische System: Die Türkei bekam ein Präsidialsystem.
*
„Wie in einer Sekte“: Wie Erdoğans Macht über die Türkei funktioniert – und warum sie so gefährlich ist
Recep Tayyip Erdoğan hält die Macht in der Türkei fest in Händen. Protest gibt es – wie groß die Chancen auf einen Wechsel noch sind, ist die Frage.
Zehn Jahre ist es am Mittwoch her, dass Panzer durch Istanbul rollten: Teile des türkischen Militärs versuchten den Putsch gegen Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Das erschreckte damals auch die Menschen im Land – „der Putschversuch konnte auch dank des Widerstandes der Bevölkerung vereitelt werden“, sagt Experte Yaşar Aydın im Gespräch mit unserer Redaktion. Aktuell wollten breite Bevölkerungsschichten aber auch einen Regierungswechsel an der Wahlurne. Doch diese Hoffnung scheint in weite Ferne gerückt. Aydın sieht den 15. Juli 2016 als „Wendepunkt“, der bis heute nachwirkt.
Einen bemerkenswerten Vergleich zog vor einem Jahr Özgür Özel: Sozialdemokraten hätten schon einmal die Chance verpasst, einen Autokraten aufzuhalten, sagte der Chef der türkischen Oppositionspartei CHP im Beisein deutscher Journalisten (darunter auch die Frankfurter Rundschau von Ippen.Media). Eine Anspielung auf das Ende der Weimarer Republik in Deutschland. „Wenn wir jetzt nicht reagieren, wird es in der Türkei vielleicht bald keine freien Wahlen mehr geben“, warnte Özel.
Die Wirtschaft lahmt, die Lira stürzt ab – doch Erdoğan hält Unterstützer und schüchtert Kontrahenten ein
Ein Jahr später ist Özel als Parteichef abgesetzt. Ein Gericht hat ihn des Amtes enthoben, wegen angeblicher Korruption. Ein Scheinurteil, sagen Kritiker – auch aus Deutschland. Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) nannte den Richterspruch einen „weiteren Rückschlag für die Demokratie“ in der Türkei. Erdoğans Regierung wolle Opposition und Mehrparteiensystem nicht in Gänze abschaffen, sagt Aydın. Sie wolle aber die Opposition so einschüchtern, dass sie es nicht wage, Erdoğan einen aussichtsreichen Kandidaten entgegenzustellen. Flankiert werde das von Rufmord-Kampagnen in regierungsnahen Medien.
Große Teile des Staatsapparats hat Erdoğan ohnehin unter die Kontrolle seiner Partei AKP gebracht. „Das ist wie in einer Sekte“, sagte vor einiger Zeit der SPD-Bundestagsabgeordnete und Türkeikenner Macit Karaahmetoglu im Gespräch mit unserer Redaktion. An die 30 Prozent der Türkinnen und Türken sind fest davon überzeugt, dass ihr Präsident das Land nach vorn bringt. „Erdoğan könnte vor laufender Kamera Leute erschießen, die würden sagen: Er wird schon einen guten Grund gehabt haben“, meint Karaahmetoglu.
*
"Wärmepumpen und Wärmenetze werden sich über kurz oder lang durchsetzen"
Der Energieexperte Martin Pehnt hält das letzte Woche beschlossene Gebäudemodernisierungsgesetz für einen deutlichen Rückschritt, sieht aber auch positive Aspekte. So dürfen ab 2030 nur noch Nullemissionshäuser gebaut werden.
CDU und CSU haben ihr Ziel erreicht: Das Heizungsgesetz der Ampel wird abgeschafft. Der Einbau neuer Öl- und Gasheizungen ist wieder erlaubt – mit einer "Bio‑Treppe". Auch die Förderung von klimafreundlichen Heizungen wurde verändert. Der renommierte Heidelberger Umweltexperte Martin Pehnt erläutert, was aus fachlicher Sicht von dem neuen Gesetz zu halten ist.
Klimareporter°: Herr Pehnt, die Koalition hat vorige Woche im Bundestag das neue Heizungsgesetz durchgesetzt. Mit etwas Abstand gefragt: Fortschritt oder Rückschritt?
Vor allem bin ich froh, dass die Heiz-Hetzjagd erstmal vorbei ist. In den vergangenen drei Jahren ist dieses Thema in den politischen Mühlrädern zermalmt worden.
Die neue Heizungsregelung ist aus meiner Sicht ein deutlicher Rückschritt. Die vermeintliche Technologieoffenheit gab es im alten Gesetz auch schon. Einfacher ist die Regelung nicht geworden, im Gegenteil. Nun werden Erdgas- und Ölheizung wieder ins Spiel gebracht, deren Betrieb aber in den nächsten zehn Jahren deutlich teurer wird. Das führt zu neuer Unsicherheit in Kommunen, die gerade erst ihre Wärmeplanung abgeschlossen haben, und bei Gebäudeeigentümerinnen und ‑eigentümern.
Besser als im alten Gesetz ist aber der Schutz der Mieterinnen und Mieter. Was regelt denn das Gesetz für sie?
Vermieterinnen und Vermieter müssen beim Neu-Einbau einer Öl- oder Gasheizung die Hälfte der Zusatzkosten für CO2-Preis, Gasnetzentgelte und einen Teil der Biobrennstoffe selber tragen. Das vermeidet, dass im Mietshaus in der Anschaffung günstige Gasheizungen eingebaut und die hohen laufenden Kosten auf die Mietenden abgewälzt werden.
Mit dieser Regelung werden sich Wärmepumpen – die heute schon insgesamt günstiger sind als Verbrenner-Heizungen – und Wärmenetze oder andere nachbarschaftliche Lösungen über kurz oder lang durchsetzen.
Verbrenner-Heizungen können weiter eingebaut werden, sollen aber sukzessive mit Biogas oder ‑öl betrieben werden – die sogenannte "Bio‑Treppe". Ist das realistisch?
In den ersten Jahren werden noch genügend Biobrennstoffe verfügbar sein – wenn auch zu höheren Kosten als für fossile Brennstoffe –, denn es gibt durchaus Ausbaupotenzial und die Anforderungen an den Bio-Anteil sind anfangs sehr gering.
Wenn aber weiterhin munter neue Öl- und Gaskessel eingebaut werden, wächst der Bedarf an grünen Brennstoffen massiv. Das könnten im Jahr 2045 über 50 Terawattstunden werden, das 50-Fache des heute in Gaskesseln eingesetzten Biogases.
Dann stoßen wir an deutliche Potenzialgrenzen, denn diese Brennstoffe werden noch viel dringender in der Industrie oder für flexible Gaskraftwerke benötigt, ebenso wie grüner Wasserstoff. Potenzialgrenzen heißt zugleich: Diese Brennstoffe werden deutlich teurer.
*
Rentenpläne der Merz-Regierung: Aktienrente könnte deutscher Wirtschaft erheblich schaden
Mit Investitionen am Aktienmarkt soll die Rente stabilisiert werden. Doch das könnte zur Belastungsprobe für die Wirtschaft werden – und Tausende Jobs kosten.
Frankfurt am Main – Die Bundesregierung will das deutsche Rentensystem umkrempeln. Nach dem jüngsten Koalitionsausschuss haben sich Union und SPD den 33 Empfehlungen der eigens dafür eingesetzten Rentenkommission verschrieben. Im „Programm für Aufschwung und Beschäftigung“ heißt es: „Der Bericht der Kommission ist wegweisend für unseren Sozialstaat, für den Wirtschaftsstandort Deutschland aber vor allem für die Gesellschaft insgesamt. Wir werden die darin enthaltenen Empfehlungen in einem Gesetzespaket umsetzen. Dieses wird bis Ende 2026 im Deutschen Bundestag verabschiedet.“
Eine wesentliche Änderung, die von der Kommission empfohlen wird, ist die stärkere Miteinbeziehung der kapitalgedeckten Rente. Heißt: Personen sollen sich nicht nur auf die umlagebasierte Rente verlassen, sondern durch kollektive Investitionen am Aktienmarkt ihre Bezüge verbessern. Ulrike Stein, Referatsleiterin für das Referat „Wirtschaftspolitische Beratung, Modellsimulation“ beim Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, hält wenig von dieser Idee. Sie warnt im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media vor einem weiteren Verlust der Kaufkraft und damit teils schweren Folgen für die deutsche Wirtschaft.
Aktienrente: Plan der Merz-Regierung könnte BIP weiter schrumpfen lassen
„Negativ sehe ich den Vorschlag der Kommission, die Kapitalrente einzuführen“, so Stein. Laut Kommission soll die Bundesregierung darauf hinarbeiten, dass künftig ein zusätzlicher Beitragssatz von zwei Prozentpunkten für die kapitalgedeckte Altersvorsorge erhoben wird. Der Zielwert soll schrittweise erreicht werden. „Weil das Geld in Finanzprodukten im Ausland angelegt wird – denn sonst könnte man nicht annähernd die Renditeziele erhalten – wird das Kaufkraft entziehen“, warnt Stein.
Mit der klassischen staatlichen Altersrente werde Geld innerhalb der deutschen Wirtschaft verteilt. Würde hier der Beitragssatz angehoben, stiegen die Rentenzahlungen. Dadurch bleibe das Geld im System. „Wenn man nun den Beitragssatz erhöht und das zusätzliche Geld aus dem System herausnimmt, dann fehlt das an Kaufkraft. Bei zwei Prozentpunkten wären das dabei rund 40 Milliarden Euro im Jahr“, so Stein. „Für diesen Beitrag wird nichts nachgefragt. Das Geld ist weg und liegt im Ausland.“ Durch die Verlagerung ins Ausland stehe das Geld auch nicht für Unternehmensgründungen oder andere Standortinvestitionen zur Verfügung.
*
Solarenergie in der EU:
Neuer Solarstromrekord in Deutschland im Mai und Juni
In den zwei zurückliegenden Monaten ist in Deutschland mehr Solarstrom gewonnen worden als je zuvor. Sonnenenergie war im Juni zudem die größte Stromquelle in der EU.
Noch nie ist in Deutschland so viel Sonnenstrom erzeugt worden wie in den vergangenen beiden Monaten. Im Mai und Juni 2026 kam jeweils mindestens ein Drittel des Stroms aus der Sonnenkraft. Das ergab eine Analyse der Energiedenkfabrik Ember.
Demnach wurde im Juni auch EU-weit ein neuer Rekord aufgestellt. Hier lag der Sonnenstromanteil bei einem Viertel. Damit war die Sonnenenergie der Erhebung zufolge im Juni die größte einzelne Stromquelle der EU – vor Kernenergie (21 Prozent), Erdgas (15 Prozent), Windkraft (14 Prozent) und Wasserkraft (zwölf Prozent). Acht Prozent kamen demnach aus Kohle.
Erst zum dritten Mal sei die Sonne damit der wichtigste einzelne Energielieferant der EU gewesen, teilte Ember mit – nach Juni 2025 und Mai 2026. Grund für den hohen Anteil an Solarenergie am Strommix sei das außergewöhnlich starke Wachstum der vergangenen fünf Jahre. Im Juni 2021 stammten den Angaben zufolge nur zehn Prozent des EU-Stroms aus Solarenergie.
Der Solarstrom hat demnach auch geholfen, die zurückliegende Hitzewelle in Europa besser zu bewältigen.
*
Don Trumpls allerletzte Nachrichten
IMHO: Don Trumpl lügt, betrügt und ist durch und durch korrupt.
Warum ist dieser Horrorclown noch nicht hinter Gittern?
*
14. Juli 1955 (INES-3)
Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
Bei Sanierungsarbeiten wurde ein radioaktives Leck entdeckt.
(Kosten ca. 2900 Millionen US$)
Nuclear Power Accidents
Die Nukleare Kette
Sellafield/Windscale, Großbritannien
Die größte zivile und militärische Atomanlage Europas steht in Sellafield. Während hier in der Vergangenheit Plutonium für das britische Atomwaffenprogramm produziert wurde, dient der Standort heute als Wiederaufbereitungsanlage für Atommüll. Der Großbrand von 1957 sowie zahlreiche radioaktive Lecks kontaminierten die Umwelt und setzten die Bevölkerung erhöhten Strahlenwerten aus ...
Dieser Störfall sowie mehrere andere Freisetzungen von Radioaktivität sind in Wikipedia nicht mehr zu finden.
Wikipedia de
Sellafield
Der Komplex wurde durch einen katastrophalen Brand 1957 und durch häufige nukleare Störfälle bekannt und unter anderem deshalb auch in Sellafield umbenannt. Bis Mitte der 1980er Jahre wurde der im täglichen Betrieb anfallende Atommüll in großen Mengen in flüssiger Form über eine Pipeline in die Irische See abgeleitet.
13. Juli
Der Irrsinn geht weiter - Neue Castor-Transporte diese Woche erwartet
BI meldet erneut Mahnwache an
Wie die Bürgerinitiative aus zuverlässigen Quellen erfahren hat, sind für diese Woche erneut Atommüll-Transporte aus Jülich geplant. Und zwar sollen voraussichtlich am Dienstag (14.7.) und Mittwoch (15.7.) jeweils ein Castor über NRW-Straßen nach Ahaus rollen. Es wären der 7. und 8. von insgesamt 152 geplanten Transporten. Gegen diesen Irrsinn werden die Bürgerinitiativen weiterhin protestieren.
Die Bürgerinitiative “Kein Atommüll in Ahaus” hat daher für Mittwoch ab 20 Uhr wieder eine Mahnwache angemeldet. Sie soll wie gehabt an der Kreuzung Schorlemerstraße/Schumacherring stattfinden (Parkplatz Teppichboden-Janning). Beteiligung von Interessierten und Solidaritätsbekundungen sind willkommen.
Auch in Jülich ist wieder eine Mahnwache vor dem Forschungszentrum geplant.
*
Verhalten von Juristen geprüft
Richterin erklärt Trumps Schutz vor Steuerprüfungen für nichtig
Nachdem ein Whistleblower Steuerunterlagen der Trump-Familie öffentlich macht, geht der US-Präsident dagegen vor. Er lässt sich und seine Unternehmen von sämtlichen Steuerprüfungen befreien. Diesen Vergleich kassiert nun aber eine Richterin. Und sie geht noch weiter.
Eine US-Bundesrichterin hat den umstrittenen Vergleich zwischen Präsident Donald Trump und der US-Steuerbehörde IRS gekippt. Die Vereinbarung hatte Trump und seinen Unternehmen weitreichenden Schutz vor Steuerprüfungen zugesichert und sah ursprünglich einen 1,8 Milliarden Dollar (knapp 1,6 Mrd. Euro) schweren staatlichen Fonds für angebliche Opfer einer politischen Instrumentalisierung der Justiz vor. Richterin Kathleen Williams aus Miami begründete ihre Entscheidung damit, dass Trump und die ihm unterstellte Behörde in dem Zivilverfahren keine echten Prozessgegner gewesen seien. Vielmehr habe der Vergleich lediglich dazu gedient, dem Präsidenten und seinem Umfeld Immunität zu verschaffen und Steuergelder für gesetzlich nicht definierte Ansprüche zu reservieren.
Williams untersagte zudem Trump, seinen erwachsenen Söhnen und seinem Unternehmen, sich in künftigen Gerichtsverfahren auf den Vergleich zu berufen. Damit dürfte auch die Klausel hinfällig sein, die die IRS von weiteren Prüfungen früherer Steuererklärungen Trumps abhalten sollte. Darüber hinaus leitete Williams disziplinarische Schritte gegen die beteiligten Juristen ein: Sie zeigte einen Anwalt Trumps sowie hochrangige Beamte des Justizministeriums, die den Vergleich unterzeichnet hatten, bei den zuständigen Anwaltskammern zur Prüfung möglicher Verstöße gegen das Standesrecht an.
Ein Sprecher von Trumps Anwaltsteam ging nicht direkt auf das Urteil ein, bekräftigte jedoch den Vorwurf, dass Trumps Steuerunterlagen unrechtmäßig an die Öffentlichkeit gelangt seien. Das Justizministerium äußerte sich zunächst nicht.
*
Gegenwind für Bundesregierung:
Mehr als eine halbe Million Menschen wollen Informationsfreiheit retten
Damit hat Schwarz-Rot offenbar nicht gerechnet: Heftige Kritik am Angriff auf die staatliche Transparenz kommt nicht nur von der Opposition, sondern aus der Koalition selbst. Dazu erreicht eine Petition gegen das Vorhaben bemerkenswerten Zulauf.
Der Widerstand gegen die kürzlich im Koalitionsausschuss von Schwarz-Rot verabredete De-Facto-Abschaffung der Informationsfreiheit wächst weiter. Nicht nur haben sich mehr als 120 Organisationen aus der Zivilgesellschaft gegen die Pläne gestellt und zahlreiche Medien für das wichtige Gesetz Partei ergriffen, auch eine Petition von FragDenStaat hat ungewöhnlich viel Zulauf erreicht: Sie hat innerhalb einer guten Woche gerade die Marke von 500.000 Unterzeichner:innen geknackt.
Schon in der letzten Woche war ein Positionspapier aus der SPD-Bundestagsfraktion bekannt geworden, das netzpolitik.org im Volltext veröffentlicht hat. In diesem Papier der AG Inneres, AG Digitales und AG Recht heißt es deutlich: „Es darf nicht zu einer Reduzierung der bestehenden Auskunftsansprüche für Bürgerinnen und Bürger, für Presse und Zivilgesellschaft kommen.“
Gegenüber der eigenen Koalition machen die SPD-Abgeordneten eine klare Ansage: „Für eine Abschaffung des bisherigen Transparenzniveaus des Informationsfreiheitsgesetzes wird es keine Zustimmung der SPD-Bundestagsfraktion geben.“
„Völlig überfahren“
Der Tagesspiegel hatte zudem erfahren, dass die SPD-Politiker:innen von dem Vorstoß des Koalitionsausschusses offenbar überrascht wurden. „Wir wurden völlig überfahren“, sagte einer gegenüber dem Medium.
Johannes Schätzl, der für die SPD-Fraktion im Innenausschuss sitzt, sagte dem Medium: „Die Beschlüsse des Koalitionsausschusses sehen vor, Kernelemente dieses Gesetzes so einzuschränken, dass es einer De-facto-Abschaffung des IFG gleichkäme“. Weiter erklärte der Abgeordnete: „Ich werde einer solchen Gesetzesänderung meine Zustimmung verweigern.“. Auch andere SPD-Abgeordnete haben laut dem Bericht angekündigt, dass die Pläne mit ihnen „nicht zu machen“ seien.
Der Tagesspiegel berichtet zudem von Vermutungen, die Bundesregierung sei vom Ausmaß des Widerstandes überrascht worden. Man munkle im Regierungsviertel, sie habe die Sprengkraft des Themas unterschätzt und wohl gehofft, dass die Sache zwischen all den anderen Großvorhaben untergehe.
Behörden stellen sich gegen Bundesregierung
Kritik an den Plänen kommt auch von den für die Informationsfreiheit zuständigen Behörden. Die Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (BfDI) sowie die Konferenz der Informationsfreiheitsbeauftragten hatten die Pläne mit deutlichen Worten abgelehnt. Letztere bezeichneten die Argumente für die Einschränkung der Transaprenz wie etwa Bürokratieabbau und Sicherheit als Vorwand.
*
Lange Laufzeit
CO2-Batterien schließen entscheidende Lücke
Die Energie wird in komprimiertem CO2 gespeichert. Damit kann eine gleichmäßige Stromproduktion für bis zu 24 Stunden erreicht werden.
Im australischen Bundesstaat Victoria soll ein Stromspeicher mit 200 Megawattstunden Kapazität und einer maximalen Leistung von 20 Megawatt ins Stromnetz integriert werden. Das Besondere daran ist, dass die Speicherung durch die Verflüssigung von CO2 erfolgt.
Das steht nicht nur weltweit in großen Mengen zur Verfügung. Es lässt sich zudem bei Umgebungstemperatur verflüssigt lagern und kann mit relativ geringen Wärmeverlusten in die Gasphase übergehen, wobei eine Turbine angetrieben werden kann.
Anders als bei schon seit Langem betriebenen Druckluftspeichern, die etwa 50 Prozent der eingespeicherten Energie wieder abgeben können, soll der Wirkungsgrad des CO2-Speichers bei 70 Prozent liegen.
Günstiges Speichermedium, keine kritischen Materialien
Batterien auf Basis von Lithium können Energie zwar noch verlustärmer speichern, besitzen aber mehrere entscheidende Nachteile. Der Bedarf an seltenen oder zumindest an teils schwer verfügbaren Materialien ist beim CO2-Speicher deutlich geringer als bei Batterien, weil es sich lediglich bei Kompressor und Turbine um komplexere Bauteile handelt.
Um die Kapazität zu erhöhen, sind keine weiteren Batteriezellen notwendig, nur das Volumen des Speichers muss erhöht werden. So soll nicht nur eine höhere Lebensdauer als bei Akkumulatoren erreicht werden, auch lässt die Kapazität über die Jahre nicht nach und kann stets in vollem Umfang genutzt werden.
*
Mexiko startet historischen Ausbau erneuerbaren Energien
32 Gigawatt neue Kraftwerksleistung bis 2030 geplant – Solarenergie, Windkraft und Geothermie stehen im Mittelpunkt
Mexikos Regierung hat einen der größten Ausbaupläne für erneuerbare Energien in seiner Geschichte vorgestellt. Bis 2030 sollen zusätzliche 32.000 Megawatt (32 Gigawatt) an Erzeugungskapazität installiert werden. Mindestens 70 Prozent der neuen Leistung, mindestens 22 Gigawatt, sollen aus erneuerbaren Energiequellen stammen. Die Regierung verbindet das Programm mit den Zielen der Energiesouveränität, des Klimaschutzes und einer geringeren Abhängigkeit von Erdgasimporten.
Präsidentin Claudia Sheinbaum bezeichnete das Vorhaben als historisch. Mit dem massiven Ausbau von Solar-, Wind- und Geothermieanlagen wolle Mexiko den Anteil fossiler Energieträger deutlich reduzieren und langfristig eine klimafreundlichere Stromversorgung aufbauen.
Milliardeninvestitionen in die Energiewende
Für den Ausbau sind Investitionen von 739 Milliarden Pesos vorgesehen. Die Finanzierung soll über ein gemischtes Modell erfolgen: Rund 42,6 Prozent stammen aus öffentlich-privaten Partnerschaften, 36,6 Prozent aus staatlichen Eigenmitteln und 20,8 Prozent aus privaten Investitionen.
Nach Angaben von Energieministerin Luz Elena González Escobar soll der Ausbau den Anteil erneuerbarer Energien im Stromsystem deutlich erhöhen. Bis 2030 sollen 38 Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen stammen. Gleichzeitig soll die Photovoltaikleistung um 140 Prozent, die Geothermie um 90 Prozent und Windkraft um 70 Prozent wachsen. Auch die Modernisierung bestehender Wasserkraftwerke ist Teil der Strategie, genauso wie der Bau von Batteriespeichern.
Solarenergie spielt Schlüsselrolle
Besonders stark setzt Mexiko auf die Photovoltaik. Bereits heute befinden sich 50 Solarkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 7.859 Megawatt im Bau. Hinzu kommen 17 Windparks mit 4.701 Megawatt. Insgesamt erwartet die Regierung, dass durch die neuen Anlagen bis 2030 rund 69 Millionen Tonnen CO₂ eingespart werden.
Ein Leuchtturmprojekt ist das Vorhaben „Oasis“ in Baja California Sur. Dort werden eine 72-Megawatt-Photovoltaikanlage, ein 20-Megawatt-Batteriespeicher und eine Anlage zur Erzeugung von grünem Wasserstoff miteinander kombiniert. Der Wasserstoff soll gespeichert und bei Bedarf über Brennstoffzellen wieder in Strom umgewandelt werden. Das Projekt soll rund 40.000 Haushalte versorgen und zusätzlich Trinkwasser bereitstellen.
Größtes Solarkraftwerk Amerikas entsteht
Ein weiteres Schlüsselprojekt ist das Photovoltaikkraftwerk Rafael Galván Maldonado in Puerto Peñasco im Bundesstaat Sonora. Nach Abschluss aller vier Bauphasen soll die Anlage eine Leistung von 1.000 Megawatt erreichen und damit zum größten Solarkraftwerk Amerikas werden. Ergänzt wird die Anlage durch Batteriespeicher mit einer Leistung von 246 Megawatt. Die Investitionen belaufen sich auf mehr als 1,4 Milliarden US-Dollar.
*
Don Trumpls allerletzte Nachrichten
IMHO: Don Trumpl lügt, betrügt und ist durch und durch korrupt.
Warum ist dieser Horrorclown noch nicht hinter Gittern?
12. Juli
In der Hitzewelle
Drei Atomreaktoren in Frankreich heruntergefahren
Viele Atomkraftwerke in Frankreich leiten ihr Kühlwasser in Flüsse - und erwärmen diese so. Wird es zu heiß, müssen die AKW heruntergefahren oder gedrosselt werden, um das Ökosystem nicht noch mehr zu belasten. Dies betrifft nun mehrere Kraftwerke.
In Frankreich sind wegen der starken Hitze drei Atomreaktoren vorübergehend heruntergefahren und sieben weitere gedrosselt worden. Aufgrund der Wetterbedingungen und zur Einhaltung der Vorschriften für die Ableitung von Kühlwasser "und damit zum Schutz der Umwelt" seien Reaktoren in Golfech an der Garonne, in Bugey an der Rhône sowie in Chooz an der Meuse abgeschaltet worden, teilte der Kraftwerksbetreiber EDF mit.
Frankreich verfügt über 57 Atomreaktoren, die rund 70 Prozent des Stroms produzieren. Alle befinden sich an Flüssen oder am Meer, nutzen das Wasser zur Kühlung der Reaktoren und leiten es erwärmt in den Fluss oder ins Meer zurück.
*
Von CDC-Chef blockiert: Neue Daten enthüllen die wahre Wirkung der Covid-Impfung
Die US-Regierung blockierte Daten zur Wirksamkeit von Covid-Impfstoffen. Die Begründung war angeblich wissenschaftlich, doch Forscher widersprechen.
Aurora, Colorado – Eine Studie zu Covid-Impfstoffen, die der CDC-Chef in diesem Frühjahr wegen methodischer Bedenken gestoppt hatte, wurde in JAMA Network Open, einem führenden peer-reviewten medizinischen Fachjournal, veröffentlicht. Die Analyse nutzte dieselbe Methodik, die der kommissarische Direktor der CDC kritisiert hatte, als die Arbeit nicht im wöchentlichen wissenschaftlichen Bericht der Centers for Disease Control and Prevention erscheinen durfte.
Die Studie, deren Veröffentlichung im März im Morbidity and Mortality Weekly Report der CDC vorgesehen gewesen war, ergab, dass der Covid-19-Impfstoff im vergangenen Winter das Risiko von Besuchen in Notaufnahmen und Krankenhauseinweisungen bei gesunden Erwachsenen um etwa die Hälfte senkte. Die Ergebnisse stimmten mit dem überein, was Forscher in früheren Jahren festgestellt hatten: dass der Impfstoff dazu beitragen kann, das Risiko schwerer Erkrankungen bei Erwachsenen zu verringern, selbst wenn Immunität durch frühere Impfung oder Infektion berücksichtigt wird.
Zurückgehaltene Corona-Impfstudie: „Wissenschaft war nie das Problem“
„Die Wissenschaft war nie das Problem“, sagte Michelle Barron, eine der Autorinnen der Studie und leitende medizinische Direktorin für Infektionsprävention und -kontrolle bei UCHealth, einem gemeinnützigen Gesundheitssystem in Colorado. „Es lag sicherlich im Ermessen [der CDC], sie aus welchen Gründen auch immer zurückzuhalten, aber es geschah eindeutig nicht aus wissenschaftlichen Gründen, dass die Studie von der Veröffentlichung im MMWR zurückgehalten wurde.“
Jay Bhattacharya, kommissarischer Direktor der CDC, verzögerte die Veröffentlichung der Studie, bevor sie anschließend überhaupt nicht im MMWR erschien, wie The Washington Post zuvor berichtete. Bhattacharya hatte Bedenken hinsichtlich der Methoden zur Berechnung der Impfstoffwirksamkeit, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums damals. Barron sagte, sie glaube, die Studie sei nicht veröffentlicht worden, weil die Ergebnisse nicht die Agenda von Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. stützten, der die Nutzung von Covid-Impfstoffen gezielt einschränken wolle.
[...] Zwischen September und Dezember vergangenen Jahres senkten gesunde Erwachsene, die den Covid-19-Impfstoff erhielten, ihre Wahrscheinlichkeit für Besuche in Notaufnahmen und Notfallambulanzen um 50 Prozent und verringerten die Wahrscheinlichkeit covidbedingter Krankenhauseinweisungen um 55 Prozent im Vergleich zu jenen, die keine Impfdosis für 2025-26 erhalten hatten, ergab der Bericht.
*
Ich bin für einen transparenten Staat.
Die Informationsfreiheit ist eine Grundlage unserer Demokratie. Geplante Einschränkungen erschweren den Zugang zu staatlichen Informationen und schwächen journalistische Arbeit. Wir wollen wissen: Ist Ihnen das Thema wichtig? Setzen Sie ein Zeichen für Transparenz, demokratische Kontrolle und eine freie Presse! Unterschreiben Sie jetzt hier.
[...] Deshalb ist das Thema so wichtig
Das Informationsfreiheitsgesetz gibt allen Bürgerinnen und Bürgern wie auch Journalistinnen und Journalisten das Recht, bei Bundesbehörden amtliche Informationen anzufragen – ohne begründen zu müssen, warum. Es ist ein zentrales Instrument demokratischer Kontrolle und schafft Transparenz dort, wo staatliches Handeln nachvollziehbar sein muss.
Schon heute kennt das Gesetz zahlreiche Ausnahmen. Persönliche Daten, Sicherheitsinteressen oder andere schutzwürdige Belange sind bereits umfassend abgesichert. Dennoch wurde am 02. Juli 2026 bekannt, dass die Bundesregierung plant, die Möglichkeiten, staatliche Informationen einzusehen, weiter einzuschränken. Das erschwert unabhängige Recherchen und schwächt die öffentliche Kontrolle politischen Handelns.
„Das ist eine katastrophale Fehlentscheidung. Gerade in den jetzigen politischen Zeiten – in denen eine Partei erstarkt, die der Verfassungsschutz in Teilen als gesichert rechtsextremistisch einstuft – muss die Demokratie doch wehrhafter gemacht werden. Stattdessen macht es diese Einschränkung den Journalistinnen und Journalisten deutlich schwerer, das Handeln von Politikern und Behörden kritisch zu begleiten.“
Anette Dowideit, Chefredakteurin
Viele Menschen fragen sich heute, ob politische Entscheidungen transparent, nachvollziehbar und im öffentlichen Interesse getroffen werden. Dieses Vertrauen lässt sich nicht durch weniger Einblick zurückgewinnen, sondern nur durch mehr Offenheit und Nachvollziehbarkeit.
Informationsfreiheit ist deshalb kein Privileg für Journalistinnen und Journalisten. Sie ist ein Recht aller Bürgerinnen und Bürger. Sie ermöglicht kritische Berichterstattung, stärkt die demokratische Kontrolle und schafft die Grundlage dafür, politische Entscheidungen informiert bewerten zu können.
*
Tote und Zerstörung
Taifun "Bavi" trifft große Teile Ostasiens
Taifun "Bavi" hat die Menschen in vielen Teilen Ostasiens an diesem Wochenende in Atem gehalten. Auf den Philippinen kamen 17 Menschen in dem Wirbelsturm ums Leben. Auf der Insel Taiwan gab es zahlreiche Verletzte.
Der Wirbelsturm, der an diesem Wochenende über große Teile Ostasiens hinwegzog, hatte die Größe Frankreichs: Taifun "Bavi" war der bislang heftigste Sturms des Jahres in der Region. Seine stärksten Böen erreichten bis zu 144 Kilometer pro Stunde.
Am Abend traf der Wirbelsturm auf die chinesische Ostküste. Dort hatten die Behörden fast zwei Millionen Menschen vorsorglich zur Evakuierung aufgerufen. Erstmals in diesem Jahr galt die Wetter-Alarmstufe Rot.
Der Taifun löste einen Erdrutsch aus und setzte einige Gebiete unter Wasser. Heute sind die Einsatzkräfte vor allem damit beschäftigt, umgestürzte Bäume von den Straßen zu räumen.
Monsun tötet mehrere Menschen auf den Philippinen
Auf den Philippinen starben 17 Menschen im Zusammenhang mit heftigem Monsunregen, der durch die Auswirkungen des Wirbelsturms noch verstärkt wurde. Sie wurden von Sturzwellen mitgerissen oder ertranken.
Auf Taiwan meldete die Feuerwehr mehr als 130 Verletzte - vor allem durch umherfliegende Gegenstände oder Stürze mit Motorrädern. Der Flugverkehr auf der Insel wurde praktisch komplett eingestellt.
*
Weniger Plastik im Alltag senkt Schadstoffbelastung deutlich
Perth-Studie zeigt: Bereits kleine Veränderungen bei Ernährung und Alltagsgewohnheiten reduzieren die Aufnahme von Weichmachern und Bisphenolen
Wer auf stark verarbeitete und in Kunststoff verpackte Lebensmittel verzichtet, kann seine Belastung mit gesundheitlich bedenklichen Plastikchemikalien innerhalb weniger Wochen deutlich senken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die im Fachjournal Nature Medicine veröffentlicht wurde. Die Forschenden zeigen zugleich: Einzelne Verhaltensänderungen helfen zwar, langfristig sind jedoch strengere gesetzliche Maßnahmen notwendig, um die Belastung der Bevölkerung nachhaltig zu verringern.
Für die Untersuchung analysierte ein internationales Forschungsteam zunächst die Daten von 209 Erwachsenen und erfasste deren Ernährung, Konsumgewohnheiten sowie die Konzentration sogenannter plastikassoziierter Chemikalien (Plastic-Associated Chemicals, PACs) im Urin. Anschließend nahmen 60 Personen an einer randomisierten Interventionsstudie teil, bei der verschiedene Strategien zur Verringerung des Kunststoffkontakts im Alltag getestet wurden.
[...] Besonders wirksam erwiesen sich Maßnahmen wie:
- weniger industriell verarbeitete Lebensmittel,
- häufiger frische, unverpackte Produkte,
- Verzicht auf Kunststoffverpackungen beim Lagern und Erwärmen von Speisen,
- Reduktion bestimmter Kunststoffprodukte im Alltag.
Bereits innerhalb der Studiendauer sanken bei den Teilnehmern die Konzentrationen mehrerer Plastikchemikalien im Urin messbar.
Individuelles Verhalten reicht nicht aus
Die Autorinnen und Autoren betonen jedoch, dass Verbraucherinnen und Verbraucher die Belastung nur begrenzt selbst beeinflussen können. Kunststoffchemikalien finden sich heute in zahlreichen Lebensmitteln, Verpackungen und Alltagsgegenständen. Selbst bei bewussten Konsumentscheidungen lasse sich eine vollständige Exposition kaum vermeiden.
Deshalb sprechen sich die Forschenden für umfassendere politische Maßnahmen aus.
*
Don Trumpls allerletzte Nachrichten
IMHO: Don Trumpl lügt, betrügt und ist durch und durch korrupt.
Warum ist dieser Horrorclown noch nicht hinter Gittern?
| Seitenanfang | Heute | Aktuelles+ | Hintergrund |
Aktuelles+
12. Juli 2026
Hunderte Hitzetote und die Politik tut: wenig
Extreme Hitze scheint etwas zu sein, das man klaglos hinnehmen soll. Dabei hat ein Staat die Pflicht, die Bevölkerung zu schützen.
Tagelang ächzte Europa unter Temperaturen um die 40 Grad. Und die nächste Hitzewelle kündigt sich bereits an. Temperaturen um 30 Grad fühlen sich inzwischen fast kühl an. Der Körper kann sich anpassen, lernt man.
Bis zu einem gewissen Grad. In Deutschland starben es laut dem Robert Koch-Institut (RKI) bereits vor dem 21. Juni etwa 810 Menschen an den Folgen der Hitze. In der folgenden sehr heissen Woche bis zum 28. Juni kamen noch einmal 4310 dazu.
Das sind Schätzungen. Direkt an einem Hitzschlag sterben nur wenige. «Hitze» wird deshalb nur selten als Todesursache auf dem Totenschein eingetragen. Das RKI ermittelt deshalb jedes Jahr von Kalenderwoche 15 bis 35 die Übersterblichkeit. Diese steigt an heissen Tagen deutlich an.
Das südliche Bundesland Baden-Württemberg, in dem etwa so viele Menschen wohnen wie in der Schweiz, war mit 260 Sterbefällen bis zum 21. Juni besonders betroffen. Auch gemessen an der Bevölkerungszahl war die Sterblichkeit in den südlichen Bundesländern höher. In der Schweiz starben «in der Woche vom 22. bis zum 28. Juni 175 Seniorinnen und Senioren mehr als zu erwarten gewesen wäre», berichtete «Schweiz heute». Zum Vergleich: Die durchschnittliche Sterblichkeit liegt in Deutschland bei 2700 Menschen pro Tag, in der Schweiz bei etwa 200.
Die Hitze belastete auch das Gesundheitssystem. Pflegende, Ärztinnen und Ärzte sowie Rettungsdienste klagten auf Social Media über die hohe Arbeitsbelastung, vor allem in den Grossstädten.
Die Chefetage winkt ab
Die deutsche Politik sagte dazu: so gut wie nichts. Die politische Führung Deutschlands beschäftigte sich vor allem mit den anstehenden Reformen des Steuer-, Renten- und Gesundheitssystems. Die Berichterstattung über die gefährliche Hitze beschränkte sich grösstenteils auf Lokalmedien. Bilder zeigten Nebelduschen und Bauarbeiter, Journalistinnen und Journalisten befragten von der Hitze geplagte Menschen. Dasselbe in der Schweiz. Unterricht sei bei derart hohen Temperaturen kaum noch möglich, ein Kind habe sogar einen Hitzschlag erlitten, zitierte beispielsweise das Basler Medium «Bajour» einen Lehrer.
Er wolle die Temperaturen nicht zur «Chefsache» machen, das würde das Wetter auch nicht ändern. Man wolle auch keine Erwartungen wecken, liess der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz am 29. Juni durch seinen Regierungssprecher ausrichten (ZDF). Der Schweizer Bundesrat und Umweltminister Albert Rösti warnte vor «Übertreibung».
Es würde niemandem einfallen, Drogen- und Verkehrstote als unvermeidlich hinzunehmen
Zum Vergleich: In Deutschland gab es im vergangenen Jahr 2814 Verkehrstote und 2150 Drogentote. An den Folgen von Hitze starben 2023 und 2024 laut RKI jeweils etwa 3000 Menschen, in den ersten acht Monaten 2025 waren es rund 2600.
Es würde wohl niemand sagen, Verkehrsunfälle und Drogenprobleme habe es immer schon gegeben. Sowohl der Staat als auch die Hersteller tun viel, um den Verkehr sicherer zu machen. Es gibt zahlreiche Massnahmen, um die Zahl der Drogentoten zu senken. Die meisten Sterbefälle durch Hitze wären mit weniger Aufwand vermeidbar.
Hitzeschutz ist Ländersache
Vordergründig hatte der deutsche Regierungschef mit seiner Zurückhaltung sogar recht. Hitzeschutz ist in Deutschland Ländersache. In einem halben Jahr müssen die Länder eine Klimaanpassungsstrategie vorlegen, zu der auch Hitzeschutzpläne gehören. Einheitliche oder verpflichtende Vorgaben, was ein Hitzeaktionsplan beinhalten soll, gibt es jedoch nicht. Bereits eine Webseite mit Tipps zum Hitzeschutz kann als Massnahme gelten.
Mittel- und langfristige Lösungsansätze zur Hitzeresilienz gibt es durchaus: Entsiegelung, Begrünung, Schwammstädte, Umbau von Spitälern und Pflegeheimen, bauliche Vorgaben, städtebauliche Anpassungen oder Trinkwasserbrunnen. Was davon Risikogruppen während einer Hitzewelle konkret hilft, ist fraglich. Kurzfristig geschieht eher wenig.
Gesucht: Konkrete Massnahmen
Gefährdet sind vor allem ältere Menschen – 58 Prozent der bis zum 28. Juni an den Folgen der Hitze Verstorbenen waren laut RKI über 85 Jahre alt, 94 Prozent über 65 Jahre. Besonders gefährdet sind auch Kinder, Schwangere, chronisch Kranke und Menschen mit geringen finanziellen Mitteln. Diese wohnen häufig dort, wo es am heissesten ist: in den dicht bebauten Quartieren der Ballungszentren.
Massnahmen wie Nebelduschen auf Marktplätzen sind sinnvoll, um das Stadtklima an stark frequentierten Orten zu verbessern. Den Menschen in der Dachwohnung nebenan helfen sie jedoch wenig. Deren Bewohnerinnen und Bewohner können vermutlich nur übermüdet lächeln, wenn sie wieder einmal hören, dass sie viel trinken sollen. Sie kleben reflektierende Rettungsdecken auf ihre Dachfenster und kaufen sich eine Klimaanlage, wenn sie die Mittel dazu haben. Es ist sicher ratsam, die Bevölkerung vor Hitzewellen zu warnen, und bestimmt nicht falsch, viel zu trinken. Doch es fehlt an konkreten Massnahmen, die besonders gefährdete Menschen wirksam schützen. Kälteräume beispielsweise sind selten. Wer besonderen Schutz benötigt und wo er oder sie lebt, ist häufig gar nicht bekannt.
Der Staat hat eine Fürsorgepflicht
Für Arbeitgeber in Deutschland und der Schweiz gibt es recht detaillierte Vorgaben, ab welcher Temperatur sie aktiv werden und ihre Angestellten entlasten müssen – etwa durch kostenlose Kaltgetränke, gelockerte Kleidervorschriften oder angepasste Arbeitszeiten. Die Arbeitgebenden halten sich meist daran, denn sie tragen Verantwortung und haben eine Fürsorgepflicht. Der grösste Teil der besonders gefährdeten Menschen ist jedoch nicht erwerbstätig. Für sie muss der Staat sorgen.
Hitzeschutz und Hitzevorsorge hätten sich in Deutschland in den vergangenen Jahren verbessert, gut sei die Situation aber noch lange nicht, sagte Jonas Gerke, Experte für Klimaanpassung bei der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (Klug), dem «ZDF». Es gebe noch viele Lücken in der Hitzevorsorge. Hitzeschutz sei nicht einmal bei Neubauten gewährleistet, sagte der Klug-Vorsitzende Martin Herrmann dem
«Deutschlandfunk» (DLF). Ein Programm, das Einrichtungen wie Pflegeheime, Kitas und Schulen beim Umbau unterstützt habe, sei 2026 sogar eingestellt worden. In vielen Krankenhäusern ist Hitze kaum ein Thema. Klimatisiert ist häufig nur die Intensivstation.
Für die Zukunft reichen die heutigen Massnahmen kaum aus
Die Verantwortung liegt damit weitgehend bei den meist klammen Kommunen. Hilfsprogramme gebe es zwar. Wer jedoch kein Personal habe, um Förderanträge zu stellen, bekomme auch kein Geld, sagte Uwe Conradt, Vizepräsident des Deutschen Städtetags, dem «DLF».
In der Schweiz gab es nach der aussergewöhnlich tödlichen Hitzewelle von 2003 erste strukturierte Massnahmen wie mehrstufige Hitzeaktionspläne. Welche Massnahmen die einzelnen Kantone vorsehen und umsetzen, unterscheide sich jedoch stark, sagt das Schweizer Tropeninstitut. Für die Zukunft dürften die heutigen Massnahmen kaum ausreichen, sagt auch das Bundesamt für Gesundheit.
In Deutschland hänge der Hitzeschutz letztlich vom politischen Willen und der Initiative Einzelner ab, sagt Gerke. Das gilt häufig auch für die Schweiz. Seit 2003 gibt es mehrstufige Hitzeaktionspläne und erfolgreiche Projekte, um besonders gefährdeten Menschen konkret zu helfen. Doch oft beruhen sie auf dem Engagement Einzelner.
Schnell und unbürokratisch reagierte während der jüngsten Hitzewelle etwa das Museum der Kulturen Basel und öffnete kostenlos die Türen zu seiner klimatisierten Ausstellung. Das Kunstmuseum Basel gewährte Menschen über 65 Jahren freien Eintritt. Warum auch nicht? Museen geben einen grossen Teil ihres Budgets für die Klimatisierung ihrer Räume aus. Bei öffentlichen Museen bezahlt diese letztlich die Allgemeinheit. Im deutschen Karlsruhe beschwerten sich derweil Ikea-Kunden über das ganztags mit Studierenden überfüllte klimatisierte Restaurant. Das Möbelhaus liess sie gewähren.
Frankreich handelte entschlossen
Ganz anders in Frankreich, das von Temperaturen um die 40 Grad und darüber noch heftiger betroffen war als Deutschland. Das Land reagierte schnell. In den besonders heissen Départements untersagte die Regierung den Konsum von Alkohol. Mehrere Veranstaltungen wurden abgesagt, Schulen wurden geschlossen, registrierte Pariserinnen und Pariser wurden von der Stadt vorsorglich angerufen.
Jean Castex, Chef der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF, empfahl gefährdeten Personen, auf Bahnreisen zu verzichten. Der französische Präsident rief dazu auf, auf schutzbedürftige Menschen zu achten. Auch in Frankreich gab es Einzelaktionen, um Menschen vor Hitze zu schützen: Straßburg und Mulhouse beispielsweise boten für einige Tage kostenlose Tramfahrten an, Park-and-Ride-Parkplätze waren kostenlos. Dennoch gab es nach aktuellem Stand mindestens 1000 Hitzetote im Land.
Hitze ist kein lautes Problem – deshalb aber nicht weniger tödlich
Solche Zahlen kommen nicht unerwartet, und sie werden im Laufe des Sommers voraussichtlich noch steigen – die Hitzewelle Ende Juni sei wie eine Generalprobe gewesen, schrieb die WHO. Die nächste kündigt sich bereits an.
Es wird auch wieder kühlere Sommer geben. Aber zumindest in den kommenden Jahrzehnten werden die Temperaturen weiter steigen und damit auch die Zahl der heissen Tage. Selbst dann, wenn die Menschheit sofort die Produktion aller Klimagase einstellen würde. Dazu kommt der demografische Wandel. Es wird mehr ältere und damit verletzlichere Menschen geben.
Warum interessiert das Thema die Politik dann so wenig? Hitze sei kein lautes Problem, sagt Martin Herrmann. Sie liefere kaum dramatische Bilder wie Überschwemmungen. Gefährdete Menschen würden kaum wahrgenommen. Auch andere Expertinnen und Experten sprechen vom «stillen Killer». Der «Deutschlandfunk» erinnert daran, dass nach Extremereignissen die Aufmerksamkeit meist schnell wieder nachlasse.
Wirtschaft: Ab 30 Grad wird es teuer
Wirtschaftlich ist Hitze ein nachhaltiges Problem. Vielleicht sollte sich die grosse Politik mit den Auswirkungen von Hitzewellen auf den Steuerfluss beschäftigen. Ab 30 Grad sinkt die Produktivität um etwa drei Prozent pro zusätzlichem Grad. Gleichzeitig stiegen die Energiekosten um etwa 1,2 Prozent pro Grad, weil mehr gekühlt werden müsse, fasste die «Tagesschau» eine Untersuchung des Versicherers Allianz Trade zusammen. Allein Deutschland drohten Verluste von bis zu 131 Milliarden Dollar, wenn sich die Hitzewellen der Vergangenheit wiederholen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) könnte bis 2030 um drei Prozent sinken. Es hänge natürlich davon ab, welche Branche man betrachte und wie lange eine Hitzewelle andauere, sagte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln gegenüber der «Wirtschaftswoche».
| Seitenanfang | Heute | Aktuelles+ | Hintergrund |
Hintergrund
Die Karte der nuklearen Welt
**
Die Suchmaschine Ecosia pflanzt Bäume!
https://www.ecosia.org/search?q=Hitzewelle
https://www.ecosia.org/search?q=Hitzeschutz
https://www.ecosia.org/search?q=Fürsorgepflicht
**
Bundesministerium für Gesundheit
Gesundheitsrisiko Hitze
Schwindel, Erschöpfung, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegsprobleme, Hitzschlag: Die gesundheitlichen Folgen der Hitze können in den Sommermonaten gravierend sein. Besonders betroffen: Menschen ab 65, Menschen mit Vorerkrankungen sowie Säuglinge und Kleinkinder.
In einigen Fällen können ausgeprägte Hitzeereignisse auch zum Tod führen. Erstmals im Jahr 2023 hat das Robert Koch-Institut (RKI) einen wöchentlichen Bericht zur hitzebedingten Mortalität etabliert. Für die Sommermonate stehen damit aktuelle mit dem Hitzegeschehen verbundene Informationen zur hitzebedingten Mortalität zur Verfügung. Im Jahr 2022 kam es laut RKI zu einer Übersterblichkeit von etwa 4.500 Menschen. Für die Sommer 2023, 2024 und 2025 wurden jeweils rund 3.200, 3.000 und 2.500 hitzebedingte Sterbefälle für Deutschland vom RKI geschätzt. Den mit Abstand höchsten Anteil bilden Personen im Alter von 75 Jahren oder älter.
„Hitzeschutzplan für Gesundheit“
Gesundheitlicher Hitzeschutz hat für das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) eine hohe Bedeutung. Wegen der durch den Klimawandel zunehmenden und intensiveren Hitzeperioden ist ein verstärktes Engagement der gesamten Gesellschaft, insbesondere des Gesundheitswesens, erforderlich. Mit dem „Hitzeschutzplan für Gesundheit“ hat das BMG bereits im Sommer 2023 darauf reagiert. Ziel ist es, das Engagement von Bund, Ländern, Kommunen, Zivilgesellschaft und Bevölkerung weiter zu stärken und zu verbessern.
Der Schutz vor Hitze wirkt in der Summe vieler Maßnahmen und durch die Zusammenarbeit der Verantwortlichen auf allen Ebenen unseres Gemeinwesens. Daher steht das BMG im Austausch mit allen verantwortlichen Akteurinnen und Akteuren von Bund, Ländern, Kommunen sowie den Selbstverwaltungspartnern im Gesundheitswesen, den Sozialverbänden und den zivilgesellschaftlichen Akteuren, um einzelne im Hitzeschutzplan hinterlegte Maßnahmen zu verstetigen und weiterzuentwickeln. Neben kurzfristigen Maßnahmen wird mit allen Beteiligten auch eine langfristige Perspektive in den Blick genommen.
**
Wikipedia
Hitzewelle
Eine Hitzewelle ist in Meteorologie und Klimatologie eine ungewöhnlich lange Phase aufeinander folgender ungewöhnlich heißer Tage, auch Hitzeperiode genannt. Etwas abgeschwächt spricht man auch von Wärmewelle für Phasen abnorm hoher Temperaturen. Hitzewellen sind Extremwetterereignisse, die die menschliche Gesundheit, die Ökosysteme und die Infrastruktur schädigen können.
Zur Definition einer Hitzewelle
Hitzewellen als solche sind ein relativ junges Forschungsgebiet, früher wurde primär auf Dürren fokussiert. Es gibt bisher keine einheitliche, international abgestimmte Definition einer Hitzewelle. Typische moderne Ansätze für die Quantifizierung einer Hitzewelle sind folgendermaßen aufgebaut:
- Zuerst wird eine gewisse Schwelle für den Begriff anomaler Hitze festgelegt, entweder absolut (etwa über den Begriff des heißen Tages, Tageshöchsttemperatur ≥ 30 °C), über die Temperaturanomalie (Schwelle einer Grad-Abweichung von einer spezielleren langjährigen Mitteltemperatur, etwa Mittel des jeweiligen Tages oder Monats der letzten 30 Jahre), oder über eine Häufigkeit (etwa Standardabweichung 95-%-Perzentil einer solchen Bemessungsgrundlage). Weitere Kriterien wären physiologische Werte wie Gefühlte Temperatur oder der Heat Index (eine Kombination aus Temperatur und Luftfeuchte).
- Dann werden Kriterien für den Zeitumfang gewählt, die Episode (etwa eine Mindestdauer von drei oder fünf Tagen; auch indem ein einziger Tag unterhalb der Hitzeschwelle die Hitzewelle nicht unterbricht) wie auch den Zeitraum, in dem man überhaupt von Hitzewelle sprechen will (etwa nur den meteorologischen Sommer für die gemäßigten Breiten).
- Es wird ein betroffenes Gebiet festgelegt, aus einer meteorologischen Analyse, in politischen Grenzen, rein messtechnisch über Stationen, oder ein Modellierungsraster – dabei müssen sich der Definitionsbereich der Hitzeschwelle und das Areal nicht decken (so könnte die Schwelle sich auf einzelne Messstationen beziehen, das Areal auf Verwaltungseinheiten).
- Es werden Kriterien für die Intensität der Hitzewelle bestimmt, etwa die absolut höchste über die gesamte Periode gemessene Temperatur, die mittlere Maximaltemperatur über alle Messstationen des Gebiets, die maximale oder mittlere Anomalie, die Jährlichkeit des Ereignisses, oder Ähnliches.
Damit ergeben sich als Maße für das Ausmaß einer Hitzewelle:[18]
- Dauer
- Geographischer Umfang
- Gewisse Werte der Intensität
Eine für Mitteleuropa verwendete Methode der Auswertung geht auf den tschechischen Meteorologen Jan Kysely zurück, diese Tage der Hitzewelle werden Kysely-Tag genannt:
„Eine Hitzewelle wird festgestellt, sobald an mindestens drei Tagen in Folge die Maximaltemperatur 30 °C überschreitet und hält so lange an, wie die mittlere Maximaltemperatur über die gesamte Periode über 30 °C bleibt und an keinem Tag eine Maximaltemperatur von 25 °C unterschritten wird.“
Für Wärmewellen – etwa für das Winterhalbjahr – sind ähnliche Kriterien mit abgeschwächteren Grenzwerten in Verwendung.
Fürsorgepflicht
Der Begriff der Fürsorgepflicht beschreibt die gesetzliche Pflicht von natürlichen oder juristischen Personen, für das Wohlergehen anderer Personen Sorge zu tragen.
Verschiedene Rechtsgebiete und Rechtsfolgen von Verstößen
Die Fürsorgepflicht ist in verschiedenen Rechtsgebieten jeweils für die betroffenen Normadressaten geregelt. Entsprechend unterscheiden sich auch die Rechtsfolgen, die aus einem Verstoß resultieren.
Arbeitsrecht
Im deutschen Arbeitsrecht ergibt sich die Fürsorgepflicht ausdrücklich aus §§ 617 bis 619 BGB und zudem als Nebenpflicht nach § 241 Abs. 2 BGB zu dem Arbeitsverhältnis. Die konkrete Ausgestaltung der Fürsorgepflicht erfolgt durch diverse Einzelgesetze, die überwiegend dem öffentlichen Recht zuzuordnen sind, jedoch über die vorgenannten BGB-Bestimmungen auch in das privatrechtliche Arbeitsverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einwirken ("Doppelwirkung der öffentlich-rechtlichen Normen des technischen Arbeitsschutzes"). Der Arbeitgeber ist danach verpflichtet, Arbeitsbedingungen zu schaffen, die die Beschäftigten vor Gefahren für Leib, Leben und Gesundheit schützen. Der Arbeitgeber hat insbesondere Räume oder Arbeitsmittel, die er zur Verrichtung der Dienste bereithält, so einzurichten und zu unterhalten, dass der Arbeitnehmer gegen Gefahr für Leben und Gesundheit geschützt ist (§ 618 Abs. 1 BGB). Konkretisiert wird die Fürsorgepflicht hinsichtlich der Umstände am Arbeitsplatz in der Arbeitsstättenverordnung, hinsichtlich allgemeiner gesundheitlicher Risiken im Arbeitsschutzgesetz, hinsichtlich angemessener Arbeitszeiten im Arbeitszeitgesetz, bezüglich Teilzeitarbeit und Befristungsabsprachen im Teilzeit- und Befristungsgesetz, in Bezug auf besondere Regelungen des Jugendschutzes im Jugendarbeitsschutzgesetz, hinsichtlich des Schutzes von Frauen vor und nach der Geburt ihrer Abkömmlinge im Mutterschutzgesetz, sowie hinsichtlich der Prävention von Unfällen durch die Unfallverhütungsvorschriften nach § 15 SGB VII. Im weiteren Sinne können auch die Bestimmungen des Entgeltfortzahlungsgesetzes zur Fürsorgepflicht gezählt werden, nach welchen der Arbeitgeber im Krankheitsfall zur Fortzahlung des Arbeitsentgelts für sechs Wochen verpflichtet ist (siehe auch § 617 BGB). Die Fürsorgepflicht erstreckt sich zudem auf die Pflicht zur ordnungsgemäßen Entrichtung von Sozialabgaben.
**
YouTube
https://www.youtube.com/results?search_query=Hitzewelle
https://www.youtube.com/results?search_query=Hitzeschutz
https://www.youtube.com/results?search_query=Fürsorgepflicht
Playlist - Radioaktivität weltweit ...
In dieser Playlist finden sich über 150 Videos zum Thema Atom*
Zurück zu:
Newsletter XXVII 2026 - 5. bis 11. Juli
Für die Arbeit an 'THTR Rundbrief', 'reaktorpleite.de' und 'Karte der nuklearen Welt' braucht es aktuelle Informationen, tatkräftige, frische Mitstreiter und Spenden. Wer helfen kann, sende bitte eine Nachricht an: info@reaktorpleite.de
Spendenaufruf
- Der THTR-Rundbrief wird von der 'BI Umweltschutz Hamm' herausgegeben und finanziert sich aus Spenden.
- Der THTR-Rundbrief ist inzwischen zu einem vielbeachteten Informationsmedium geworden. Durch den Ausbau des Internetauftrittes und durch den Druck zusätzlicher Infoblätter entstehen jedoch laufend Kosten.
- Der THTR-Rundbrief recherchiert und berichtet ausführlich. Damit wir das tun können, sind wir auf Spenden angewiesen. Wir freuen uns über jede Spende!
Spendenkonto: BI Umweltschutz Hamm
Verwendungszweck: THTR Rundbrief
IBAN: DE31 4105 0095 0000 0394 79
BIC: WELADED1HAM
| Seitenanfang | Heute | Aktuelles+ | Hintergrund |
***

