Newsletter IV 2026

25. bis 31. Januar

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Aktuelles+ Hintergrundwissen

Radioaktivität kumuliert; das bedeutet, radioaktive Partikel reichern sich im lebenden Organismus immer weiter an und mit der Zeit können ähnliche Schäden auftreten, wie bei einer kurzzeitig einwirkenden, massiven Strahlenbelastung ...

Die PDF-Datei "Nuclear Power Accidents" enthält eine Reihe weiterer Vorfälle aus verschiedenen Bereichen der Atomindustrie. Einige der Ereignisse wurden nie über offizielle Kanäle veröffentlicht, so dass diese Informationen der Öffentlichkeit nur auf Umwegen zugänglich gemacht werden konnten. Die Liste der Zwischenfälle in der PDF-Datei ist daher nicht zu 100% identisch mit "INES und die Störungen in kerntechnischen Anlagen", sondern stellt eine Ergänzung dar.

 

1. Januar 1977 (INES-5) Akw Belojarsk, UdSSR

2. Januar 1958 (INES-4) Atomfabrik Majak, UdSSR

3. Januar 1961 (INES-4 NAMS 2,9) SL-1, NRTS, Idaho, USA

4. Januar 1986 (INES-4) Atomfabrik Sequoyah, OK, USA

5. Januar 1976 (INES-3) Akw Jaslovské Bohunice, SVK

6. Januar 2016 (Nordkoreas 4. Nuklearwaffentest) Punggye-ri, PRK

6. Januar 1981 (INES-3) Atomfabrik La Hague, FRA

13. Januar 1977 (INES Klass.?) Akw Gundremmingen, DEU

17. Januar 1966 (Broken Arrow) Palomares, ESP

18. Januar 2012 (INES-2) Akw Cattenom, FRA

20. Januar 1965 (INES-4 NAMS 3,7) Atomfabrik LLNL, Livermore, USA

21. Januar 2002 (INES-2) Akw Flamanville, FRA

21. Januar 1969 (INES-5 NAMS 1,6) Akw VAKL Lucens, CHE

21. Januar 1968 (Broken Arrow) Thule Airport, Grönland, DNK

24. Januar 1961 (Broken Arrow) Goldsboro, NC, USA

 

Wir sind immer auf der Suche nach aktuellen Informationen. Wer helfen kann, sende bitte eine Nachricht an:
nukleare-welt@reaktorpleite.de

 


31. Januar


 

Energiewende in Asien

China und Indien wenden sich von fossilem Strom ab

Die Stromproduktion in China und Indien ist ein Treiber globaler Emissionen. Das ändert sich nun: In beiden Ländern sank 2025 die fossile Strommenge.

In China und Indien zeichnet sich ein Wendepunkt in der Energiegewinnung ab: In beiden Ländern ist 2025 die Stromproduktion aus fossilen Energien gesunken, insbesondere aus der Kohleverstromung. Und das, obwohl ihr Stromverbrauch weiter wächst. Das zeigt eine Analyse des Centre for Research on Energy and Clean Air basierend auf Daten der zentralen Strombehörden in beiden Ländern.

In China sank die Stromproduktion aus fossilen Brennstoffen von 6.237 Terawattstunden auf 6.164, ein Rückgang um etwa 1,6 Prozent. In Indien war die Entwicklung deutlicher: Dort sank die fossile Stromproduktion von 1.578 Terawattstunden auf 1.516, also um etwa 3.9 Prozent. Eine Terawattstunde entspricht etwa einer Milliarde Kilowattstunden, in Deutschland entspricht eine Terawattstunde dem Jahresverbrauch etwa 200.000 Vier-Personen-Haushalte.

Ein wesentlicher Grund für die Entwicklung: Beide Länder haben die erneuerbaren Energien ausgebaut. In Indien kamen 35 Gigawatt von Solarkraftwerken und 6 Gigawatt durch Windräder hinzu, in China mehr als 300 Gigawatt Solar- und 100 Gigawatt Windenergie. Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2025 Solaranlagen mit insgesamt 17 Gigawatt und Windkraftanlagen mit 5 Gigawatt neu gebaut.

[...] Sowohl China als auch Indien tragen historisch deutlich weniger Verantwortung für die Klimakrise als etwa die USA oder Europa, pro Kopf emittieren die Menschen dort weiterhin weniger, viele leben in Energiearmut. Der gestiegene Verbrauch in den vergangenen Jahren bedeutet dass mehr Menschen dort Zugang zu mehr Energie haben. Allerdings wurde dieser vor allem durch fossile Verbrennung gedeckt. Nun könnten sich, wie bereits in Europa und Nordamerika, Emissionen und Verbrauch entkoppeln.

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IDF spricht von Terroristen

Palästinenser: Israel bricht Gaza-Waffenruhe und tötet Zivilisten

Es sind die schwersten israelischen Luftangriffe im Gazastreifen seit Wochen. Dabei soll es palästinensischen Angaben zufolge viele Opfer gegeben haben. Die israelische Armee nennt militärische Gründe für die Angriffe. Indes ruft Ägypten zur Einhaltung der Waffenruhe auf.

Bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen sind nach Angaben des palästinensischen Zivilschutzes mindestens 32 Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien drei Kinder. Sprecher Mahmud Bassal sagte, bei einem Angriff auf eine Polizeistation im Stadtteil Scheich Radwan im Norden der Stadt Gaza seien 14 Menschen ums Leben gekommen. Weitere sieben Todesopfer habe es unter anderem im Süden des Gazastreifens gegeben, als ein Zelt von Binnenvertriebenen beschossen worden sei. Es war einer der tödlichsten Angriffe seit Beginn der Waffenruhe im Gazastreifen am 10. Oktober 2025.

Die israelische Armee teilte mit, sie habe Kommandeure und Infrastruktur der Terrororganisationen Hamas und Islamischer Dschihad im Gazastreifen angegriffen. Ziele seien unter anderem ein Waffenlager, eine Waffenwerkstatt und zwei Abschussrampen der Hamas gewesen. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

[...] Die Öffnung des seit Mai 2024 geschlossenen Grenzübergangs ist Teil des Waffenruhe-Abkommens zwischen Israel und der Hamas. Rafah ist der einzige Grenzübergang aus dem Gazastreifen, der nicht über Israel führt, und war früher auch für viele Hilfslieferungen genutzt worden. Die UNO und internationale Hilfsorganisationen hatten schon seit langem eine Wiedereröffnung des Grenzübergangs gefordert, allerdings umfassender als nun von Israel angekündigt.

Wie die Nachrichtenagentur AFP an der Grenze erfuhr, sollen über den Grenzübergang Rafah am Sonntag zunächst nur Verletzte aus dem Gazastreifen ausreisen können. Nach weiteren Vorbereitungen und der Klärung logistischer Fragen ist eine reguläre Öffnung des Grenzübergangs demnach erst am Montag zu erwarten.

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Wyhl - Legende des Widerstands

Bereits im September 1972 formiert sich der Widerstand der Kaiserstühler Winzer gegen den geplanten Standort eines Atomkraftwerks bei Breisach. 560 landwirtschaftliche Fahrzeuge demonstrieren mit Transparenten und Sprüchen wie "Lieber heute aktiv, als morgen radioaktiv" und "Kein Ruhrgebiet am Oberrhein".

Im Oktober 1972 werden 65.000 Einsprüche gegen das geplante Atomkraftwerk bei Breisach im Landratsamt Freiburg hinterlegt.

Am 19. Juli 1973 wird durch den Rundfunk erstmals der neue Standort eines Atomkraftwerkes - Wyhl - bekannt. In Wyhl, Weisweil, Endingen und anderen Orten am nördlichen Kaiserstuhl bilden sich sehr schnell diverse Bürgerinitiativen. Umfassend informieren sich die betroffenen Bürger über Klimaveränderungen, vermehrte Nebelbildung, Grundwasserabsenkung, über Funktionsweise und Sicherheitsprobleme beim Betrieb von Atomkraftwerken.

Im April 1974 werden im Landratsamt Emmendingen 96.000 Unterschriften abgegeben. Es folgt ein spontaner Zusammenschluß deutscher und französischer Umweltschützer und die Gründung des Internationalen Komitees der 21 Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen. Noch im Juli findet eine gemeinsame Aktionen der Badisch-Elsässischen Bürger statt. Über 3000 Menschen kommen zum Sternmarsch zum geplanten Standort in Wyhl, über 4000 Menschen zum Demonstrationszug unter Glockengeläute gegen das Bleichemiewerk in Marckolsheim.

Februar 1975: Baubeginn in Wyhl. In letzter Verzweiflung stellen sich am 18. Februar Männer und Frauen mit ihren Kindern vor die Baumaschinen und bringen diese zum Stillstand, um ihre bedrohte Heimat zu schützen. Eine erste Räumung des Platzes durch die Polizei am 20. Februar mit Hundestaffeln und Wasserwerfern. Mit Panzerdraht wird das Gelände eingezäunt.

Nach einer Kundgebung am Sonntag, den 23. Februar 1975, an der laut polizeilichen Angaben 28.000 Menschen teilnehmen, überwinden Kundgebungsteilnehmer die Barrikaden mit bloßen Händen. Somit wird der Platz wieder besetzt und ist in den Händen der Bevölkerung.

Das Badenwerk reagiert mit Schadensersatzforderungen. Berufsbehinderungen, Stromabschaltungen, Telefonüberwachungen und Anzeigenkampagnen sollen die Bevölkerung einschüchtern.

Am 31. Januar 1976 kommt nach vier Verhandlungsrunden die "Offenburger Vereinbarung" der Bürgerinitiativen mit der Landesregierung Baden-Württemberg zustande, die mit großer Skepsis von den Bürgerinitiativen angenommen wird. Der Verlauf des Jahres 1976 wird vom ,,Burgfrieden" um Wyhl geprägt. Es werden neue beidseitig vereinbarte Gutachten erstellt, welche Ende des Jahres erörtert werden. Im Anschluß daran beginnt im Januar 1977 in Herbolzheim die Hauptverhandlung des Wyhl-Prozesses vor dem Freiburger Verwaltungsgericht. 10 Tage lang stehen 50 Pro-Gutachter und Kernenergiebetreiber sowie drei Kernenergiekritiker dem Gericht vor viel Publikum Rede und Antwort. Anfang April 1977 dann bescheidet das Gericht in Freiburg, daß der Atomkraftwerksbau wegen eines fehlenden Berstschutzes unzulässig sei.

Doch der Rechtsstreit geht in die nächste Instanz und am 30.03.1982 lässt das Oberverwaltungsgericht Mannheim den Baubeginn zu. Sofort beginnen wieder zahlreiche Demonstrationen und Platzbesetzungen. In diesen Tagen entwirft Hubert Hoffmann das inzwischen legendäre "Nai hämmer gsait" Plakat.

Im Jahr 1983: Gespräche der Ministerpräsidenten Lothar Späth mit den regionalen Politikern und dem Weinbau- und Bauernverband. 45.000 Einsprüche werden während einer Unterschriftensammlung gegen die sogenannte Baulinie 80 gesammelt, über 300 Widersprüche gegen das Wasserrechtsverfahren. Nach und nach verlieren Politik und Badenwerk die Lust am AKW Wyhl, am 30. August sagt Späth: "Der Zeitdruck für Wyhl ist weg". Erst 2021 verkaufte der Rechtsnachfolger der Badenwerk AG, die ENBW, das Gelände an die Gemeinde Wyhl zurück.

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Im Fukushima-Reaktor: Mysteriöse Lebewesen könnten Risiko in Todeszone auslösen

Im Fukushima-Reaktor überleben seit Jahren Mikroben die tödliche Strahlung. Forscher haben jetzt eine überraschende Entdeckung gemacht.

Fukushima – Seit dem schweren Atomunglück in Fukushima ist in der Gegend immer noch nichts, wie es einmal war. Insbesondere der havarierte Reaktor ist für Menschen und sämtliche andere Lebenswesen eine Todeszone – die Strahlung würde einen binnen Minuten töten.

Doch tief im Reaktor gibt es Lebewesen, die es sich bequem gemacht haben und dort seit Jahren überleben. Ein Forscherteam hat sich die Bakterien, die sich in der radioaktiven Brühe befinden, genauer angeschaut und dabei Überraschendes herausgefunden. Erste Medien sprechen bereits von „Godzilla-Mikroben”. Jedoch stellen die Bewohner auch eine Gefahr dar.

Überleben trotz Strahlung: Mikroben im Fukushima-Reaktor

Ein internationales Forscherteam um Tomoro Warashina und Akio Kanai von der Keio-Universität analysierte mysteriöse Ablagerungen aus dem Reaktorwasser per Gensequenzierung. Die in der Fachzeitschrift Applied and Environmental Microbiology veröffentlichte Analyse hat dabei Überraschendes ergeben: Statt speziell angepasster strahlungsresistenter Arten fanden sie gewöhnliche Meeresbakterien, die in einem schützenden Biofilm überleben.

Laut Studie funktioniert diese schleimige Hülle wie ein natürlicher Strahlenschutzanzug. Die Mikroben hausten nicht als atomare Superwesen, sondern überlebten dank ihres gemeinsamen Schutzmantels die tödliche Radioaktivität. Die Mikroorganismen stammen ursprünglich aus dem Meerwasser, das 2011 nach dem Tsunami in die Reaktoranlage eindrang. Seitdem haben sie sich in der extremen Umgebung eingenistet und eine beständige Gemeinschaft gebildet.

Stilllegung von Fukushima: Gefahr der Korrosion durch Bakterien

Die Forscher bezeichnen ihre Entdeckung als wichtigen Baustein für das Verständnis mikrobieller Prozesse in radioaktiven Umgebungen. Für die Betreiber stellen die Bakterien jedoch eine zusätzliche Herausforderung bei der Reaktorstilllegung dar, denn laut Forschern stehen rund 70 Prozent der identifizierten Arten in Verbindung mit Metallkorrosion...

 


30. Januar


 

»Finanzieller Zusammenbruch«

Generalsekretär Guterres warnt vor Zahlungsunfähigkeit der Uno

Laut Generalsekretär Guterres könnten ausbleibende Pflichtbeiträge der Mitglieder schon im Sommer zu einem kritischen Geldmangel führen. Vor allem die USA geraten dabei unter Druck.

Angaben des Uno-Generalsekretärs António Guterres zufolge stehen die Vereinten Nationen kurz vor einer schweren Finanzkrise. In einem Schreiben an die Mitgliedstaaten warnt er vor einem »unmittelbaren finanziellen Kollaps« der Organisation. Grund dafür sind ausstehende Pflichtbeiträge in Milliardenhöhe sowie veraltete Haushaltsregeln.

Zum Jahresende beliefen sich die unbezahlten Beiträge auf den Rekordbetrag von 1,57 Milliarden US-Dollar, heißt es in dem Brief vom 28. Januar, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Die Liquiditätslage verschärfe sich weiter und Programme könnten nicht mehr wie geplant umgesetzt werden. Sollte sich nichts ändern, könne der Uno bis Juli das Geld ausgehen, schreibt Guterres.

USA, der größte Beitragszahler

Besonders kritisch sieht der UN-Generalsekretär die Weigerung einzelner Staaten, ihre verpflichtenden Zahlungen für den regulären Haushalt und für Friedensmissionen zu leisten. Welche Länder konkret gemeint sind, ließ er offen. Beobachter verweisen jedoch vor allem auf die USA, den mit Abstand größten Beitragszahler der Uno.

Washington trägt rund 22 Prozent zum Kernhaushalt bei, gefolgt von China mit etwa 20 Prozent. Die US-Regierung hat zuletzt freiwillige Zahlungen an UN-Organisationen gekürzt und Pflichtbeiträge nicht vollständig überwiesen

[...] Zwar haben die Mitgliedstaaten im Rahmen eines Reformprozesses einer Kürzung des Budgets für 2026 um rund sieben Prozent auf 3,45 Milliarden US-Dollar zugestimmt. Doch auch das reicht laut Guterres nicht aus, um die akute Liquiditätskrise zu entschärfen.

Die 1945 gegründeten Vereinten Nationen zählen 193 Mitgliedstaaten. Sie koordinieren internationale Friedensmissionen, humanitäre Hilfe und Programme zur Förderung der Menschenrechte sowie sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung.

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Verteidigungspolitik:

Bundesregierung bestätigt Gespräche über europäischen Atomschirm

Das Kabinett Merz spricht mit Verbündeten über einen europäischen Atomschirm, das hat es nun bestätigt. Vorerst gehe es um eine Bestandsaufnahme.

Die Bundesregierung führt mit Partnern Gespräche über einen europäischen Atomschirm. Das bestätigte Regierungssprecher Stefan Kornelius. "Die Gespräche, die wir führen, befinden sich in einem sehr frühen Stadium", sagte Kornelius in Berlin. Es gehe dabei vorrangig um eine Bestandsaufnahme. Weitere Details nannte Kornelius nicht, die Gespräche seien hochvertraulich.

Offenbar spricht das Kabinett Merz vor allem mit Frankreich und Großbritannien. Kornelius betonte, ein europäischer Atomschirm sei 2025 Gegenstand deutsch-französischer Absichtserklärungen gewesen. "Auf dieser Basis finden Gespräche statt", sagte er. Da es um Zusammenarbeit in der Nato gehe, sei zudem Großbritannien eingebunden. Großbritannien und Frankreich sind Atommächte.

[...] Ein europäischer Atomschirm ist ein Thema mit Hochkonjunktur, seit die USA unter Präsident Donald Trump die Nato zunehmend infrage stellen. Nato-Generalsekretär Mark Rutte hatte gesagt, Europa bleibe auf den Schutz der USA angewiesen.

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Beamter erhält 12 Jahre Sonderurlaub für anderen Top-Job – kann Steuerzahler Millionen kosten

Ein deutscher Beamter war fast zwölf Jahre im Sonderurlaub und seine Pension wuchs weiter. Nun prüft die Staatsanwaltschaft, ob die Praxis zulässig war.

Während Deutschland gerade über weniger Urlaubstage und längere Arbeitszeiten debattiert, sorgt ein Fall aus Rheinland-Pfalz für Kritik: Ein Spitzenbeamter erhielt fast zwölf Jahre Sonderurlaub, um hoch bezahlte Jobs in der Privatwirtschaft anzunehmen. Ist das legal? Nach aktueller Rechtslage teils ja, kann die Steuerzahler aber über Jahrzehnte Millionen kosten. Denn während der Beamte sein Managergehalt bezog, liefen seine Pensionsansprüche beim Land einfach weiter. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Mainz wegen des Verdachts auf Untreue. Wie konnte das jahrelang unbemerkt bleiben?

Laut Landesrechnungshof erhielt der Beamte während des Sonderurlaubs 0 Euro Gehalt vom Land, sammelte aber weiter ruhegehaltfähige Dienstzeit. Das führt zu einem Plus von über 21 Prozentpunkten beim Ruhegehalt. Bei einem Staatssekretär der Besoldungsgruppe B9/B10 rund 3.000 Euro mehr Pension im Monat. Auf ein Jahr gerechnet sind das 36.000 bis 49.000 Euro zusätzliche Kosten. Und über eine typische Pensionslaufzeit von 20 bis 30 Jahren summiert sich das zu hohen sechsstelligen Beträgen bis über eine Million Euro – vergleichbar mit einem Auto, das man nicht fährt, aber trotzdem vollkaskoversichert.

Sonderurlaub eines Beamten: Rechnungshof nennt Praxis rechtswidrig – Gutachter sehen Untreue

Der Landesrechnungshof Rheinland-Pfalz stufte die Praxis bereits 2022 als rechtswidrig ein. Präsident Jörg Berres kritisierte: Es entstehe der Eindruck einer doppelten Vorteilsnahme – Managergehalt einerseits, staatliche Pension andererseits. Im Herbst 2025 griff der Bund der Steuerzahler den Fall in seinem Schwarzbuch auf und sprach von einem „Schlag ins Gesicht aller Steuerzahler“. Anfang 2026 leitete die Staatsanwaltschaft Mainz nun Vorermittlungen ein.

Ein Gutachten des Strafrechtlers Prof. Till Zimmermann sieht Anhaltspunkte für Untreue in einem besonders schweren Fall: Regierungsmitglieder hätten ihre Vermögensbetreuungspflicht verletzt, indem sie Sonderurlaube genehmigten, die allein dem privaten Vorteil dienten. Die Landesregierung weist die Vorwürfe zurück und verweist auf ein Gegengutachten des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Udo Di Fabio, demnach seien die Beurlaubungen rechtens gewesen...

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In Süditalien sterben Menschen im vergifteten "Land des Feuers"

Vor einem Jahr hat Europa Italien verurteilt, weil es das Leben der Bürger im berüchtigten "Land des Feuers" in Kampanien nicht geschützt hat. Das Gebiet, das jahrzehntelang unter illegalem Giftmüll gelitten hat, ist weiterhin ein offener Tatort.

Diesen Freitag begeht Italien ein unangenehmes Jubiläum: Es ist ein Jahr her, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte den italienischen Staat verurteilt hat, weil er seine Bürger im so genannten Terra dei Fuochi oder "Land des Feuers" nicht geschützt hat. Das ist ein riesiges Gebiet im Süden des Landes, das durch jahrzehntelange illegale Ablagerung und Verbrennung von Giftmüll verwüstet wurde.

[...] Marilena Natale recherchiert seit Jahren über das Land der Feuer - auch bekannt als das "Dreieck des Todes".

Für ihre Berichterstattung hat sie Morddrohungen von der Mafia erhalten. Seit 2017 lebt sie unter bewaffnetem Polizeischutz. Sie führte Euronews unter Eskorte zu einer der frühesten Müllkippen, die beim Straßenbau verwendet wurden.

"Um diese Straßen zu bauen, brauchten sie Land", erklärt sie. "Sie haben riesige Löcher gegraben. Um sie zu füllen, vergruben sie Industrieabfälle, darunter auch radioaktive Abfälle. Dann gab es weitere Deponien für Bauabfälle, dann für Siedlungsabfälle".

Die italienischen Behörden waren bereits 1997 über diese Praktiken informiert. Ein Großteil der Informationen wurde jedoch bis 2013 als Staatsgeheimnis eingestuft, als Carmine Schiavone, ein abtrünniger Camorra-Boss, das Ausmaß des Handels öffentlich beschrieb.

[...] Die Carabinieri inspizieren ein weiteres Gelände, das an das Hauptgebäude angrenzt und zur Aufschüttung von Erde dient. "Die Erdarbeiten werden auf landwirtschaftlichen Flächen durchgeführt, was nicht erlaubt ist", bemerkt Hauptmann Busetto. Einer der Erdhügel erregt die Aufmerksamkeit der Carabinieri.

"Es ist nicht ausgeschlossen, dass hier Asbestzementabfälle oder sogar radioaktive Stoffe vergraben sind. Diese Aktivitäten spielen eine wichtige Rolle bei der Schaffung großer illegaler Deponien, denn dahinter steckt wahrscheinlich ein tieferes System", erklärt der Carabinieri-Kommandant.

"Und wir haben vor Ort Profile von Personen gefunden, die wegen schwerer Straftaten gesucht werden. Wir werden alle Erkenntnisse überprüfen und den Kontrollprozess abschließen", sagt er abschließend, bevor er den Standort beschlagnahmt...

 


29. Januar


 

Umwelthilfe-Klage erfolgreich

Kein Tempolimit für Umweltschützer

Die Bundesregierung erfüllt ihre Klimaziele nicht. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigt nun, dass Umweltverbände dagegen klagen können.

Was ist ein Klimaschutzprogramm? Welche rechtliche Bindung hat es, welche Wirkung? Mit diesen Fragen befasste sich am Donnerstag das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Der 7. Senat unter Vorsitz von Andreas Korbmacher, Präsident des Gerichts, hatte zudem letztinstanzlich zu klären, ob Klimaschützer wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die Bundesregierung auf mehr Klimaschutz verklagen dürfen. Die Antwort: Ja, sie dürfen.

„Umweltverbände haben Anspruch auf Nachbesserung“, erklärte Korbmacher bei der Urteilsverkündung. Die Bestimmungen des Klimaschutzgesetzes seien „umweltbezogene Rechtsvorschriften“, weshalb sie auch Gegenstand des Umweltverbandsklagerechtes seien.

Für den Klimaschutz ebenso wichtig ist, dass das Gericht eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit in der deutschen Politik festgestellt hat: Es geht um das Bundes-Klimaschutzgesetz, das die Bundesregierung verpflichtet, die deutschen Emissionen bis 2030 um 65 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken, bis 2040 um mindestens 88 Prozent.

Um dieses Ziel zu erreichen, wurde im Gesetz das „Klimaschutzprogramm“ als politisches Instrument eingeführt: Hier muss die Regierung darlegen, mit welchen Mitteln sie in den einzelnen Bereichen Fortschritte erzielen will – etwa in der Industrie, im Verkehr, in Landwirtschaft, bei Gebäuden. Dieses Klimaschutzprogramm „bedarf ergänzender Maßnahmen“ durch die aktuelle Bundesregierung, so der Richterspruch jetzt: Andernfalls wird das Ziel verfehlt.

[...] „Das Urteil hat uns das Tempolimit sehr nahegebracht“, urteilte DUH-Chef Jürgen Resch nach der Urteilsverkündung. Zwar könnte die Regierung auch andere Klimaschutzmaßnahmen im Verkehrsbereich auf den Weg bringen, innerdeutschen Flüge verbieten oder Fahrverbote erlassen. Resch: „Die Regierung ist aber nun zu mehr Klimaschutz im Verkehr verpflichtet: Das Tempolimit wäre am einfachsten, billigsten und schnellsten umzusetzen.“

Allerdings kann dies im Bereich „politisches Wunschdenken“ abgelegt werden: Das Bundesverwaltungsgericht hat ausdrücklich den „Gestaltungsspielraum der Bundesregierung“ betont: Welche Mittel sie wählt – ob Tempolimit, Fahrverbote oder gar Atomstrom – bleibt ihr überlassen. Entscheidend ist nur: Sie muss das Ziel erreichen können.

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Krieg im Gazastreifen

Israels Armee bestätigt Zahl von 70.000 Kriegstoten in Gaza

Lange hatte Israel die Zahl der Opfer in Gaza dementiert, die das von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium veröffentlichte. Jetzt hat die Armee erstmals die Angaben akzeptiert.

Die israelischen Streitkräfte haben erstmals bestätigt, dass im Israel-Hamas-Krieg etwa 70.000 Gaza-Bewohner getötet wurden. Das berichten die Zeitungen »Haaretz « und »The Jerusalem Post « übereinstimmend. Die Zahl umfasse nicht vermisste Einwohner, die möglicherweise unter den Trümmern begraben sind. Zudem erklärte die Armee laut dem Bericht, es seien keine gesunden Menschen an Hunger gestorben. Die Armee hatte die Angaben lange infrage gestellt.

Während verschiedene internationale Organisationen betonen, die überwiegende Mehrheit der Todesopfer seien Zivilisten gewesen, bestreitet die israelische Armee dies weiterhin und geht davon aus, dass rund 25.000 der Toten Hamas-Terroristen waren.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden seit Beginn des Krieges am 7. Oktober 2023 mehr als 71.000 Menschen in Gaza von der israelischen Armee getötet. Die Zahlen des Ministeriums umfassen nur diejenigen, die direkt durch israelisches Militärfeuer getötet wurden, nicht jedoch Menschen, die an Hunger oder durch den Krieg verschlimmerte Krankheiten gestorben sind.

[...] Im September hatte der ehemalige Chef der israelischen Armee, Herzi Halevi, eingeräumt, die Zahl der Toten würde den Schätzungen des Gesundheitsministeriums in Gaza nahekommen. Zum damaligen Zeitpunkt seien »mehr als 200.000 Menschen« verletzt oder getötet worden, wie etwa der »Guardian« berichtete . Halevi war im März vergangenen Jahres zurückgetreten, als Grund nannte er die Versäumnisse vom 7. Oktober 2023.

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Klimaforschung

"Wir werden immer wieder ein paar überraschende Möglichkeiten finden, die Welt zu retten"

Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber über die USA unter Donald Trump, die kommende "Overshoot"-Welt und die Möglichkeiten, die Atmosphäre wieder zu entlasten.

Klimareporter°: Herr Schellnhuber, die USA haben angekündigt, aus der Weltklimakonvention auszusteigen. Außerdem will das Land die Verbindungen zum Weltklimarat IPCC kappen, ebenso zum Weltbiodiversitätsrat IPBES. Schockiert Sie das?

Hans Joachim Schellnhuber: Es ist ein tiefer Einschnitt. Die USA ziehen sich komplett aus der internationalen Zusammenarbeit zum Klimaschutz zurück. Sie sind das einzige Land, das aus der unersetzlichen Klimarahmenkonvention austritt, die auf dem Erdgipfel von Rio 1992 erarbeitet wurde und bei der 197 Staaten Mitglieder sind.

Das bedeutet, die globale Herausforderung, die menschengemachte Erderwärmung zu stoppen, muss jetzt ohne die reichste und mächtigste Nation der Welt bewältigt werden. Das ist eine extrem schlechte Nachricht. Und das gerade jetzt, da sich die Problematik des Klimawandels zuspitzt, wie unzählige Daten belegen.

Das ist, wie wenn man mit dem Auto auf eine Wand zurast und dabei das Gaspedal weiter durchdrückt.

Das Pariser Klimaabkommen ist vor gut zehn Jahren geschlossen worden, um die Erwärmung bei 1,5 bis zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu stoppen. Haben Sie damals eine Entwicklung, wie wir sie jetzt erleben, für möglich gehalten – Stichwort "Drill, baby, drill" statt Abkehr von den fossilen Energien?

Damals nicht. Aber schon kurz danach, als Trump Ende 2016 zum ersten Mal gewählt wurde. Da war eigentlich klar, dass er eine Agenda verfolgt, die uns in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg oder sogar ins 19. Jahrhundert zurückführen soll, wo die großen Mächte die Erde unter sich aufgeteilt hatten und es um industrielle Ausbeutung von Ressourcen ging.

Er setzt das in seiner zweiten Amtszeit nun konsequent um. Das ist nicht nur aus Klimaschutz-Sicht fatal, sondern auch, weil er alles abräumt, was vor allem nach 1989 mühsam an Völkerverständigung und globaler Kooperation entwickelt wurde. Bestimmten Gruppen der Gesellschaft, nicht nur in den USA, war schon lange die Haltung ein Dorn im Auge, die auf Gleichheit, Diversität, soziale Fairness und eben auch Umwelt- und Klimaschutz achtet.

Die gegenwärtige US-Regierung hat solche Strömungen politisch salonfähig gemacht. Der jetzige Kurs setzt stark auf nationale Interessen, kurzfristige wirtschaftliche Vorteile und eine Abkehr von kooperativen Prinzipien der Nachkriegszeit. Diese Prioritätensetzung findet derzeit aber leider großen Anklang bei vielen Wählerinnen und Wählern.

[...] Es ist zwar klar, dass Trumps Rückkehr zum Aberglauben auf Dauer nicht funktionieren wird, aber aktuell kommt er damit seiner Wählerklientel entgegen. Seine Anhänger würden ihm wohl auch folgen, wenn er ihnen sagen würde: Die Erde ist eine Scheibe – oder ein Super-Big-Mac.

Die USA geraten mit Trump auf einen absteigenden Ast?

Bestimmt. Sie sind gerade dabei, als zukunftsfähige Nation Selbstmord zu begehen...

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Braunkohletagebau in der Türkei

Jahrhundertealte Olivenhaine in Gefahr

Olivenbäume sind in der Türkei ein geschütztes Kulturgut. Bei Bodrum sollen sie jedoch den Baggern weichen. Kann eine Sammelklage noch helfen?

Wir haben schon etliche Leute zusammen, die klagen wollen, und bis Ende der Woche werden es sicher noch mehr“, berichtet die Dorfvorsteherin Nejla Işık gewohnt kämpferisch am Telefon. „So schnell werden sie uns nicht los.“ Doch den Optimismus der langjährigen Vorkämpferin gegen den Braunkohleabbau an der südwestlichen Ägäisküste teilen nicht mehr allzu viele Aktivisten. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen will der Staat jetzt knapp 700 Besitzer enteignen, deren teils große Olivenhaine dem Abräumbagger im Weg stehen. Dazu gehören die Olivenplantagen der Dörfer Akbelen und İkizköy, die in der gesamten Türkei für ihren Kampf gegen den Braunkohleabbau bekannt geworden sind.

[...] Nach dem Wald sind jetzt die Olivenhaine von insgesamt sieben Dörfern an der Reihe. Eigentlich sind Olivenbäume seit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in der Türkei ein besonders geschütztes Kulturgut. Sie dürfen nicht abgeholzt werden.

Im „nationalen Interesse“

Mit einem neuen Minengesetz hat die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan vor gut zwei Jahren den Schutz der Olivenhaine ausgehebelt. Wenn ein besonderes nationales Interesse besteht, dürfen sie nun doch abgeholzt werden. Nachdem der Kandidat der Regierungspartei AKP in Milas, der zuständigen Kreisstadt für die bedrohten Dörfer, vor den Kommunalwahlen im März 2024 zunächst noch dafür gesorgt hatte, dass das neue Gesetz in seinem Bezirk nicht angewendet wurde, ist es nun so weit: Die Enteignungen der Olivenhaine wurden angeordnet.

[...] Doch die drei Kraftwerke gehören zu zwei der größten Industrieholdings der Türkei, Limak und IC Holding, die beide seit vielen Jahren zum bevorzugten Kreis des Präsidenten gehören, wenn es um Großaufträge und Subventionen geht.

Alle drei Kraftwerke haben lukrative Verträge mit dem Staat, die ihnen noch etliche Jahre Gewinne versprechen. Bei der Stromgewinnung in der Türkei nimmt der Prozentsatz der erneuerbaren Energien zwar stetig zu, aber dennoch will die Regierung auf Kohlekraftwerke nicht verzichten und plant dazu den Ausbau der Atomenergie. Das erste AKW an der Mittelmeerküste bei Mersin (Akkuyu), das von den Russen gebaut wird, soll im nächsten Jahr mit einem ersten Block ans Netz gehen, zwei weitere AKWs am Schwarzen Meer sind in Planung. Mit den AKW und auch dem neuen Minengesetz will die Regierung die einheimische Energieerzeugung ankurbeln, um die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten zu reduzieren.

 


28. Januar


 

Karibikinsel Bonaire:

Niederlande verlieren wegweisenden Klimaprozess

Ein Gericht hat die niederländische Regierung zu mehr Klimaschutz auf Bonaire verpflichtet. Sie habe die Einwohner der Karibikinsel gegenüber dem Festland benachteiligt.

Die Niederlande haben ein wegweisendes Klimaverfahren verloren. Das Bezirksgericht in Den Haag hat entschieden, dass der Staat die Einwohner seiner Karibikinsel Bonaire nicht ausreichend vor den Folgen des Klimawandels geschützt hat. Die Richter gaben damit einer Klage der Umweltschutzorganisation Greenpeace statt.

Das Gericht verpflichtete den Staat, innerhalb von 18 Monaten verbindliche Ziele zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen in nationalen Gesetzen festzuschreiben. Zudem muss die Regierung bis 2030 einen Anpassungsplan für Bonaire vorlegen. Das niederländische Klimagesetz enthält laut Urteil bisher kein verbindliches Reduktionsziel für 2030, obwohl das Pariser Abkommen dies verlangt.

Klimaministerin Sophie Hermans kündigte an, die Regierung werde das Urteil prüfen. Es könne zwar Berufung eingelegt werden, doch müssten die vom Gericht angeordneten Maßnahmen vorerst umgesetzt werden.

Gericht stellt Diskriminierung fest

Die Richter stellten fest, dass die Niederlande gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen haben. Die Einwohner von Bonaire seien im Vergleich zu den Niederländern auf dem europäischen Festland benachteiligt worden: Obwohl sie früher und stärker von den Folgen des Klimawandels betroffen seien, habe die Regierung für sie erst später und weniger systematisch Maßnahmen ergriffen.

Das Gericht berief sich ausdrücklich auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte von 2024. Demnach sind Staaten verpflichtet, Leben und Gesundheit ihrer Bürger zu schützen. Diesen Schutz hätten die Niederlande den Einwohnern von Bonaire nicht gewährt...

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AKW auf Uran-Importe angewiesen

Greenpeace legt Frankreichs Atomgeschäfte mit Russland offen

Die 57 Atomreaktoren produzieren 70 Prozent des Stroms in Frankreich. Damit macht sich das Land abhängig von Russland. Greenpeace kritisiert, dass der Staatskonzern Rosatom bislang keinerlei EU-Sanktionen unterworfen ist.

Die Umweltorganisation Greenpeace hat das trotz des Ukraine-Krieges andauernde Atomgeschäft Frankreichs mit Russland angeprangert. "Der Handel zwischen der französischen und der russischen Nuklearindustrie läuft weiter, als hätte Russland keinen Krieg gegen die Ukraine begonnen", betonte Pauline Boyer von Greenpeace Frankreich. Frankreich unterstütze auf diese Weise die russische Wirtschaft "und damit auch ihre Kriegsmaschinerie", fügte sie hinzu.

Nach einem gerade veröffentlichten Bericht der Organisation importiert Frankreich weiterhin angereichertes und wiederangereichertes Uran aus Russland. So wird etwa im sibirischen Sewersk Uran aus benutzten Brennelementen erneut angereichert. Bei wiederangereichertem Uran sei Frankreich "zu 100 Prozent von Russland abhängig", heißt es in dem Greenpeace-Bericht.

Zudem importiert Frankreich natürliches Uran aus den ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan und Usbekistan. Im vergangenen Jahr stammte etwa die Hälfte der französischen Uran-Importe aus diesen beiden Ländern. Ein Großteil davon wird nach Angaben von Greenpeace mit Hilfe des russischen Atomkonzerns Rosatom über russisches Staatsgebiet transportiert.

Bislang keine EU-Sanktionen gegen Rosatom

Der russische Konzern sei "das weltweit einzige Unternehmen, das eine ausländische Atomanlage mit Gewalt unter seine Kontrolle gebracht hat", erklärte Boyer mit Blick auf das Atomkraftwerk Saporischschja. "Vor diesem Hintergrund ist der Nuklearhandel mit Rosatom inakzeptabel", fügte sie hinzu. Greenpeace forderte die französische Regierung und Europa auf, Rosatom zu sanktionieren. Das Unternehmen ist bislang nicht mit Sanktionen belegt, da in der EU kein Konsens darüber besteht...

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Verfassungsklage

Klima-Gutachten als Verschluss-Sache

Sie kam verspätet und ist nach wie vor unter Verschluss: die Stellungnahme der Bundesregierung zu den Verfassungsklagen gegen das Klimaschutzgesetz. Die Auseinandersetzung um die nötige demokratische Transparenz droht zu einer politischen Farce zu werden.

In Deutschland läuft eine Verfassungsklage, die potenziell alle 83 Millionen Einwohner im Lande angeht – und im Grunde auch Menschen jenseits der Grenzen.

Geklagt haben mehr als 54.000 Einzelpersonen sowie mehrere große Verbände mit jeweils Hunderttausenden Mitgliedern oder Zehntausenden Förderern.

Bei Gericht reichten sie vier Beschwerden ein. Drei davon richten sich dagegen, dass die Bundesregierung das Klimaschutzgesetz im Jahr 2024 abschwächte, obwohl die Klimakrise weiter eskalierte und nicht sicher ist, ob das gesetzliche Klimaziel für 2030 erreicht wird. Die für 2045 im Gesetz vorgeschriebene Klimaneutralität wird nach heutigem Stand weit verfehlt.

Die vierte Klage – von zwei Verbänden sowie fünf besonders betroffenen Personen eingereicht – zielt auf den besonders unzureichenden Klimaschutz im Verkehr. Die hier klimapolitische eigentlich nötige "Vollbremsung" würde sozial benachteiligte Gruppen oder auf dem Land lebende Menschen besonders benachteiligen, argumentieren die Kläger.

Volle Transparenz nur aufseiten von Klägern und Forschern

Die umfangreichen Klageschriften sind allesamt veröffentlicht, einschließlich der die Kläger vertretenden Anwältinnen und Anwälte. Auch treten klagende Personen unter ihren Namen auf.

Wer will, kann sich also über Klagen, Kläger und ihre Argumente informieren und eine eigene Meinung dazu finden. Das sorgt für volle Transparenz – gerade bei einem Thema, das Millionen betrifft, bei dem jedoch in letzter Zeit von einer Spaltung der Gesellschaft geredet oder diese herbeigeredet wird.

[...] Ganz anders zeigt sich die Lage auf der anderen Seite. Die von der Bundesregierung oder in ihrem Auftrag – so eindeutig ist das bislang nicht – beim Verfassungsgericht eingereichten Stellungnahmen sind allesamt bisher nicht öffentlich zugänglich.

[...] Dass solche Unterlagen unter Verschluss gehalten und teilweise geschwärzt werden, gehört zum üblichen Vorgehen des Verfassungsgerichts. "Eine Veröffentlichung von in Verfahren abgegebenen Stellungnahmen durch das Bundesverfassungsgericht erfolgt nicht", erklärt ein Sprecher des Gerichts auf Nachfrage. Auch würden personenbezogene Daten aus Gründen des Datenschutzes bei Übersendung von Stellungnahmen grundsätzlich anonymisiert...

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Rede in Minneapolis

Demokratische US-Abgeordnete Ilhan Omar mit unbekannter Flüssigkeit bespritzt

Bei einer Bürgerversammlung in Minneapolis hat ein Mann die US-Politikerin Ilhan Omar angegriffen. Sicherheitsbeamte überwältigten ihn. Die Demokratin – häufiges Ziel von Donald Trumps Tiraden – setzte ihre Rede fort.

Die prominente demokratische US-Kongressabgeordnete Ilhan Omar ist bei einer Rede in Minneapolis von einem Mann mit einer unbekannten Flüssigkeit bespritzt worden. Der Mann wurde von einem Sicherheitsbeamten zu Boden geworfen und abgeführt.

Omar setzte ihre Rede nach dem Angriff fort. »Wir werden standhaft bleiben, egal, was sie uns auch entgegenwerfen mögen«, sagte die 43-Jährige. »Wir machen weiter, diese Arschlöcher kommen so nicht davon«, fügte sie hinzu, nachdem sie um ein Handtuch gebeten hatte.

In einer Stellungnahme nach dem Vorfall hieß es aus ihrem Büro: »Der Kongressabgeordneten geht es gut.« Sie habe ihren Auftritt fortgeführt, »weil sie Tyrannen nicht gewinnen lässt«.

Der Vorfall ereignete sich bei einer Bürgerversammlung in Minneapolis. In der Stadt im US-Bundesstaat Minnesota gehen seit Wochen zahlreiche Menschen gegen die rigorose US-Abschiebepolitik auf die Straße. Die Regierung von Präsident Donald Trump hatte Tausende Bundesbeamte nach Minneapolis geschickt, um Migranten ohne gültige Papiere festzunehmen und abzuschieben.

[...] Die Politikerin ist US-Bürgerin, aber gebürtig aus Somalia. 1997 zog sie mit ihrer Familie nach Minneapolis. Seit 2019 ist sie Abgeordnete im Repräsentantenhaus in Washington.

Sie stammt aus dem linken Flügel der Partei und wird von Trump und anderen Republikanern immer wieder als Ziel für rassistische Anfeindungen missbraucht. Er bezeichnete sie jüngst als »Abfall« und legte ihr nahe, sie solle nach Somalia »zurückgehen«. Schon vor Jahren warf er ihr vor, sie hasse die USA.

 


27. Januar


 

Ökonom Kowall: Frankreichs Atomkraft-Strategie hat der Wirtschaft des Landes geschadet

Frankreich steckte jahrzehntelang seine Forschungs- und Industrieförderung großteils in Atomkraft – und vernachlässigte andere Zukunftsbranchen. Diese Fixierung auf einen Megasektor hat die Innovation im Land gebremst und der Gesamtwirtschaft geschadet. Frankreich hat am Ende den industriellen Anschluss an Deutschland verloren, erklärt der Ökonom Nikolaus Kowall.

Frankreich sah sich lange als „Grande Nation“. Dieses Selbstbild hielt sich auch nach dem Zerfall seines Kolonialreichs – zumindest im eigenen Land. Der Staat sollte Größe zeigen, planen, lenken. Und eingreifen, wenn nötig. Deshalb standen in Frankreich nicht nur Linke, sondern auch Konservative dem staatlichen Lenken der Wirtschaft lange positiv gegenüber. Dieses Lager waren die Gaullisten, benannt nach Charles de Gaulle, dem Gründer der Fünften Republik (1958).

Unter de Gaulle wurden zwischen 1944 und 1946 große Teile der Wirtschaft verstaatlicht: der Kohlebergbau, Banken, der Autohersteller Renault. Besonders wichtig: 1946 wurden rund 1.500 private und genossenschaftliche Stromunternehmen zusammengelegt – sie gingen im neuen Staatskonzern Électricité de France (EDF) auf. Auch später setzte der Staat auf große Vorhaben: Airbus, der Hochgeschwindigkeitszug TGV – echte „grand projects“, vorangetrieben unter konservativer Führung.

Das Problem der „planification“: Wer sich verschätzt, versenkt horrende Summen und Chancen

Diese stark zentralisierte Industriepolitik – in Frankreich spricht man von „planification“ – hatte aber ein Problem: Sie band enorme Mengen Geld. Wer sich verrennt, versenkt viele Ressourcen auf einmal. Genau das passierte mehrfach. Der „Plan Calcul“, mit dem Frankreich eine eigene Computerindustrie aufbauen wollte, ist zum Beispiel gescheitert. Auch die Concorde, das Überschallflugzeug für den zivilen Verkehr, war technisch beeindruckend – wirtschaftlich aber ein Desaster.

Die Schwächen dieser Politik lagen offen auf der Hand: Sie setzte auf wenige Branchen, auf einige große, oft staatsnahe Konzerne – und auf zentrale Steuerung statt vieler kleiner Ideen.

Kritik kam von wirtschaftsliberaler Seite, die mehr Markt und regionale Vielfalt wollte. Aber auch von links. Der Ökonom Michel Aglietta sah in der zentralen Steuerung eine Verfestigung alter Machtstrukturen. Große Staatsapparate, so seine Kritik, lernen schlecht – und tun sich schwer, neue Wege zu gehen.

[...] Aus heutiger Sicht war der massive Ausbau der Atomkraft in Frankreich eine klassische Fehllenkung von Ressourcen. Zahlreiche Studien legen nahe, dass genau diese Entscheidung wesentlich zum industriellen Rückstand Frankreichs gegenüber Deutschland beigetragen hat.

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Tepco stoppt Wiederinbetriebnahme von Kashiwazaki-Kariwa

Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)

Die Untersuchungen zu der vermuteten Fehlfunktion des Steuerstabsystems dauern an. Tepco gibt an, dass keine Anomalien im Zustand des Reaktors oder Auswirkungen auf die Sicherheit außerhalb des Geländes vorliegen.

Die Tokyo Electric Power Company Holdings (Tepco) hat den Reaktorblock 6 des Kernkraftwerks Kashiwazaki-Kariwa in der Präfektur Niigata nach einer Störung abgeschaltet, nur einen Tag nachdem der Block zum ersten Mal seit mehr als 13 Jahren wieder in Betrieb genommen worden war. Während der Arbeiten zum Herausziehen der Steuerstäbe aus dem Reaktor im Rahmen des Wiederanlaufprozesses wurde ein Alarm ausgelöst. Der Alarm wurde ausgelöst, nachdem 52 von 205 Stäben entfernt worden waren und der Reaktor die Kritikalität erreicht hatte, teilte Tepco mit.

Tepco beschloss, den Reaktor abzuschalten, da die Ermittlung der Ursache voraussichtlich einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Eine Untersuchung ist im Gange. Die Atomaufsichtsbehörde (NRA) und die Präfekturverwaltung von Niigata wurden über die Entscheidung informiert.

[...] Der Direktor des Kraftwerks, Inagaki Takeyuki, erklärte gegenüber Reportern, dass der Zeitplan für die Wiederaufnahme des kommerziellen Betriebs noch nicht feststehe und dass Tepco sich im Laufe der Untersuchung mit der NRA beraten werde.

[...] Laut einer Umfrage vom September 2025 ist die öffentliche Meinung in Niigata tief gespalten: Rund 60 % der Einwohner lehnen die Wiederinbetriebnahme des Kernkraftwerks ab, während 37 % sie befürworten.

Obwohl Kashiwazaki-Kariwa im Gegensatz zu Fukushima vom Erdbeben und Tsunami im März 2011 nicht betroffen war, waren alle sieben Reaktoren des Kraftwerks bereits seit zwei bis drei Jahren nach dem früheren Niigata-Chuetsu-Erdbeben von 2007, das Schäden am Standort verursacht hatte, vom Netz genommen worden. Seitdem wurden Arbeiten zur Verbesserung der Erdbebensicherheit des Kraftwerks durchgeführt.

Anfang Januar reichten jedoch sieben Gruppen, die sich gegen die Wiederinbetriebnahme aussprechen, eine von fast 40.000 Menschen unterzeichnete Petition bei Tepco und der NRA ein, in der sie darauf hinwiesen, dass das Kraftwerk auf einer aktiven seismischen Verwerfungszone liegt, und auf das Erdbeben von 2007 verwiesen.

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Welt rückt weiter an den Abgrund

Heute wurde die Weltuntergangsuhr neu gestellt. Von 89 Sekunden im Jahr 2025 wurden die Zeiger in diesem Jahr auf 85 Sekunden noch weiter in Richtung Mitternacht verschoben; näher an die Selbstzerstörung der Menschheit als je zuvor. Die Doomsday Clock, herausgegeben vom Bulletin of the Atomic Scientists, gilt seit fast acht Jahrzehnten als global anerkannter Indikator für die existenziellen Risiken der Menschheit. Sie misst vor allem die Gefahren durch den Einsatz von Atomwaffen, die Klimakrise und neue disruptive Technologien.

„Dass die Uhr heute 4 Sekunden weiter vorgestellt wird, ist ein dramatisches Warnsignal an die internationale Gemeinschaft“, erklärt Christoph von Lieven, Vorstand von ICAN Deutschland. „Die Risiken durch Atomwaffen nehmen nicht ab – im Gegenteil: Kriege, weltweite Aufrüstung, der Abbau von Rüstungskontrollverträgen und die Folgen der Klimakrise bringen uns immer näher an die Zerstörung der Lebensgundlagen.“

Die Wissenschaftler:innen des Bulletin of the Atomic Scientists verweisen in ihrer Analyse insbesondere auf:

  • zahlreiche aktive Konflikte unter Beteilung von und zwischen Atomwaffenstaaten
  • das Auflaufen des New START Vertrags am 5. Februar 2026
  • das besorgniserregende Ausmaß der menschengemachten Erderwärmung
  • Künstliche Intelligenz und Misinformation
  • Stationierung von Waffensystemen im Weltraum

„Atomwaffen, besonders in den Händen von Leuten wie Trump, Putin und Co, bieten keine Sicherheit, sie sind ein existenzielles Risiko“, so Christoph von Lieven weiter. „Jede Sekunde näher an Mitternacht bedeutet politisches Versagen und ist ein Auftrag zur Abrüstung, zu Diplomatie und zum gemeinsamen Handeln gegen die Folgen der Klimakrise.“

ICAN Deutschland fordert die Bundesregierung erneut auf,

  • den Atomwaffenverbotsvertrag (AVV) zu unterzeichnen und zu ratifizieren,
  • sich klar gegen nukleare Abschreckung zu positionieren,
  • aktiv internationale Abrüstungsinitiativen zu stärken, statt auf Aufrüstung zu setzen.

Die heutige Entscheidung des Wissenschafts- und Sicherheitsrats des Bulletin of the Atomic Scientists, beraten von 8 Nobelpreisträger:innen und weiteren führenden Expert:innen, unterstreicht: Die Bedrohung ist aktuell, real, menschengemacht – und damit auch von Menschen lösbar.

„Die Weltuntergangsuhr zeigt nicht das Ende der Welt“, betont Christoph von Lieven. „Sie zeigt, wie dringend wir politische Entwicklungen ändern müssen. Abrüstung ist kein Idealismus, sondern Überlebensstrategie.“

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EU-Handel:

Indien und EU einigen sich auf umfassendes Freihandelsabkommen

Die Rede ist von der "Mutter aller Deals": Die EU und Indien festigen ihre wirtschaftliche Partnerschaft. Zölle sollen deutlich sinken, auch auf Autos.

Die EU ‌und Indien haben sich nach fast zwei Jahrzehnten Verhandlungen auf ein umfassendes Handelsabkommen geeinigt. "Europa und Indien schreiben heute Geschichte", gab EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf der Plattform X bekannt. "Wir haben die Mutter aller Deals abgeschlossen", schrieb sie. Das Abkommen gilt als strategischer Schritt beider ⁠Seiten, um sich angesichts ​der angespannten Beziehungen zu den USA wirtschaftlich breiter aufzustellen.

Auch der indische Ministerpräsident Narendra Modi bezeichnete die ⁠Einigung als "Mutter aller Deals". Sie eröffne den 1,4 Milliarden Menschen in Indien und der Bevölkerung Europas große Chancen.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) begrüßte die Einigung als "neues Kapitel der europäischen Handelspolitik". Das Abkommen vertiefe "zugleich die strategische Partnerschaft mit der größten Demokratie der Welt".
"Erst der Anfang"

Das Handelsabkommen ebnet den Weg für die Öffnung des bislang stark abgeschotteten ​indischen Marktes für Unternehmen aus der Europäischen Union. Modi und von der Leyen wollen die Details im Laufe des Tages ⁠auf einem Gipfel in Neu-Delhi offiziell vorstellen.

Von der Leyen teilte mit, das Abkommen sei "erst der Anfang". Sie schrieb: "Wir werden unsere strategische Partnerschaft weiter ausbauen und stärken."

Zölle sollen deutlich sinken

Nach EU-Angaben sollen fast alle indischen Zölle auf Produkte aus der EU sinken. Die Zölle auf Autos sollen etwa schrittweise auf zehn Prozent reduziert werden, wie die EU-Kommission mitteilte. Bislang liegen die Zölle für Autos im Wert von weniger als 40.000 Dollar bei 66 Prozent, für teurere Autos gilt ein Aufschlag von 110 Prozent. Zehn Jahre nach Inkrafttreten des Abkommens sollen zudem die Zölle auf Autoteile ganz wegfallen...

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Ermittlungen in der Slowakei

EU-Subventionsgelder für Privatvillen?

Dutzende Privatvillen überall in der Slowakei, gefördert mit EU-Geldern für nachhaltigen Tourismus auf dem Land: Die sogenannte Hacienda-Affäre setzt Bratislava unter Druck. Heute soll sie Thema im EU-Parlament sein.

"So sieht Korruption in der Slowakei aus." Der deutsche EU-Parlamentarier Daniel Freund von den Grünen hat sich neulich selbst ein Bild von einer der vielen Enthüllungen in den von slowakischen Medien als "Hacienda-Affäre" betitelten Vorfällen gemacht, und das in den sozialen Netzwerken geteilt. "Ein sogenanntes Gasthaus - finanziert mit EU-Geldern, aber eigentlich eine private Villa für jemanden, der dem Premierminister nahe steht", erzählt er in einem Video. "Und das gibt es nicht nur hier: Das gibt es dutzendfach in diesem Land!"

"Villa Amonra" heißt die angebliche Pension auf dem Land. Eine Rezeption gibt es nicht, dafür einen Pool im Garten hinter hohen Zäunen. Das moderne Luxusanwesen liegt im Speckgürtel von Bratislava und gehört einem Unternehmer, der in seinem Ort für die Partei von Premier Robert Fico kandidiert hat.

Nutznießer oft mit Kontakten zu Fico

Knapp 200.000 Euro aus Brüssel sind dorthin geflossen. Im Gegenzug hätte die Villa fünf Jahre lang Unterkünfte anbieten müssen, erklärt Xenia Makarova von der slowakischen Stiftung "Stoppt die Korruption". Ihren Recherchen zufolge waren Übernachtungen in der "Villa Amonra" aber nie möglich, das bestätigen Anwohner. Auch Beherbergungssteuer habe der Besitzer nicht gezahlt.

"Der Fall zeigt, dass Gelder, die ursprünglich zur Förderung für den Tourismus in ländlichen Regionen vorgesehen waren, in Wirklichkeit für den Bau von Einfamilienhäusern und Villen für Privatpersonen verwendet wurden", sagt Makarova. "Und sehr oft haben diese Personen Kontakte zur Regierungspartei Smer und zu Robert Fico."

[...] Die Hacienda-Affäre sei Teil eines langfristigen organisierten Betrugs mit EU-Geldern, sagt dagegen Zuzana Subova. Sie war jahrelang Chefin der Anti-Korruptionsabteilung - in der Behörde, die Brüsseler Agrarsubventionen in der Slowakei verteilt. "Jeder einzelne Bürger der EU finanziert Luxusvillen von korrupten Politikern und Unternehmern mit. Deutschland zahlt am meisten in den EU-Haushalt ein. Also tragen die Deutschen am meisten zur Subventionierung der Haziendas der Oligarchen in der Slowakei bei."

Am heutigen Dienstag sagt Subova im Europaparlament aus. Sie hofft, dass die EU Druck macht und Fördergelder einfriert. Denn die Aufklärung in der Slowakei würde oft im Sande verlaufen. Und diejenigen, die Aufklärung fordern, würden oft Ziel von Einschüchterungsversuchen: Kurz vor ihrer Anhörung in Brüssel rückten Ermittler bei Subova zu Hause an. Gefunden haben sie nichts. Einschüchtern lassen will sich die Anti-Korruptions-Aktivistin ohnehin nicht.

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Klimawandel

Kippunkt überschritten

UN-Bericht konstatiert »Wasserbankrott«: Gewässer schrumpfen, Gletscher verschwinden

Weltweit wird viel zu viel Wasser verbraucht. Seit etlichen Jahren schon wird mehr konsumiert und verschmutzt, als durch Regen und Schneeschmelze neu gebildet werden kann. Die Menschheit lebt sozusagen von der Substanz, übernutzt das Grundwasser und braucht fossile Wasserkörper auf. Ein vergangene Woche veröffentlichter Bericht der Vereinten Nationen spricht von einem regelrechten Wasserbankrott. »Viele Flüsse, Seen, Aquifere, Feuchtgebiete und Gletscher haben ihre Kippunkte überschritten und können nicht wieder in ihren früheren Zustand zurückfedern«, heißt es in dem an der UN-Universität im kanadischen Richmond Hill erstellten Bericht. »Begriffe wie Wasserstress oder Wasserkrise beschreiben diese neue Realität daher nicht mehr ausreichend.«

Aquifere sind wasserführende Schichten im Untergrund. 70 Prozent dieser beträchtlichen Grundwasservorkommen sind mittlerweile nachhaltig dezimiert, die Hälfte aller Seen ist seit den 1990er Jahren geschrumpft. Prominentes Beispiel dafür ist der Aralsee in Zentralasien zwischen Kasachstan und Usbekistan, der sich bereits seit den 1960er Jahren wegen zu großer Wasserentnahme aus seinen Zuflüssen immer weiter verkleinert. Mit 68.000 Quadratkilometern, einer Fläche fast so groß wie Bayern, war er einst der weltweit drittgrößte See. Gegenwärtig sind davon nur noch eine Reihe kleinerer Seen übrig, die nicht mehr als zehn Prozent der ursprünglichen Fläche bedecken, das Wasservolumen hat sich um 90 Prozent reduziert, der Wasserspiegel ist um 25 Meter gesunken.

[...] Die größte Süßwasserreserve aber ist das Eis der Hochgebirge und der Polarregionen. Die alpinen Gletscher sind vom Rhein bis zum Indus und Mekong für viele kleine Flüsse und große Ströme wichtige Quellen. Verschwinden sie, wird der Wasserstand erheblich weniger zuverlässig, was nicht nur zum Problem für die Wasserversorgung mancher westdeutschen Stadt, sondern auch für die Binnenschiffahrt werden kann. Weltweit haben die Gletscher zwischen 2000 und 2023 fünf Prozent ihrer Masse verloren, wobei sich der Schwund im Laufe dieser Zeit deutlich beschleunigt hat. Das ergab eine Ende 2025 veröffentlichte Studie.

[...] Für viele Menschen hat der Wassernotstand derweil bereits bedrohliche Ausmaße angenommen. 72 Prozent der Weltbevölkerung leben laut UN-Bericht in Ländern, in denen die Wasserversorgung mittlerweile unsicher ist. Vier Milliarden Menschen müssen mindestens einen Monat pro Jahr mit schwerem Wassermangel zurechtkommen. In Deutschland steht zwar aufgrund von meist ausreichenden Niederschlägen eigentlich genug Wasser zur Verfügung, doch selbst hier schwinden in einigen Regionen die Reserven. Zudem wird in größerem Maße sogenanntes virtuelles Wasser importiert, das in Lebensmitteln und Industriegütern steckt. »Deutschlands Wasserverbrauch findet überwiegend im Ausland statt«, wird die am Imperial College in London forschende Rike Becker von der wissenschaftsjournalistischen Plattform scinexx.de zitiert.

 


26. Januar


 

Jetzt erpressen Andere: Europa zerfließt im Selbstmitleid

Die Heuchelei kennt keine Grenzen, Medien und Politik zerfließen im Selbstmitleid. Sie reden von „Erpressung“, „Aufgabe der internationalen Regeln“, „Verrat“ und so weiter. Der Täter ist der böse Trump, und das Opfer sind die armen Europäer. Und wahrscheinlich empfinden sie das auch wirklich so, denn sonst müssten sie sich ja fragen, ob sie: Erstens nicht selbst erpresserische Methoden angewandt haben, um internationale Regeln und Rechtstaatlichkeit zu brechen, oder zweitens: ob sie einfach nur vergesslich oder strohdumm sind.

Ich möchte Medien wie Politik an einen Fall erinnern, bei dem die Deutschen die US-Regierung offen und vulgär erpresst hatten – wie es halt auch sog. demokratische Staaten tun, um ihre Interessen durchzusetzen. Sie wollten den US-Richtern verbieten, einen Fall zu verhandeln, bei dem es um schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen eines schwäbischen Konzerns ging. Akteure waren das Großkapital und hilfreich war auch Angela Merkel.

Es geht um den Fall von Mercedes-Benz Argentina, das während der Militärdiktatur der siebziger Jahre 14 Gewerkschafter den Sicherheitsbehörden gegenüber als Terroristen denunziert hatten, die dann die „schmutzige Arbeit“ (würde unser Bundeskanzler sagen) übernahmen: Sie folterten die Betriebsräte und warfen sie dann aus dem Flugzeug ins Meer. Die Firma half auch dabei, dass damals den gefangenen Regimegegnerinnen, die schwanger waren, im wahrsten Sinne des Wortes der Bauch aufgeschlitzt wurde und die Brut an die Vertrauten der Generäle verteilt wurde, darunter auch an Mercedes-Manager; der Autobauer lieferte die Brutkästen an das Militärhospital.

Der Fall ist dokumentiert, und die Opfer riefen mehrere Gerichte an, um Gerechtigkeit zu bekommen. Dass die deutschen und argentinischen Richter den Konzern verschonen würden – daran bestand in Untertürkheim kein Zweifel. Aber die Hinterbliebenen hatten auch ein Gericht in den USA angerufen, und dort war gerade Barack Obama an die Regierung gekommen, und bei dem war man sich anfangs nicht sicher. Deshalb wollte die deutsche Kanzlerin ihren US-Amtskollegen davon überzeugen, dass es für ihn vorteilhafter sei, wenn die Richter in San Francisco nicht eröffnen würden.

Das klappte aber nicht. Nach einigem Hin und Her – denn die US-Rechtsprechung wollte in Zeiten von Bush solche Menschenrechtsprozesse eigentlich nicht verhandeln – entschieden die kalifornischen Bundesrichter, den Fall anzunehmen.

[...] Immerhin war der Beschluss durch mehrere Instanzen gegangen, elf der zwölf kalifornischen Bundesrichter hatten ihn bestätigt, es war kein Spleen eines durchgeknallten Einzelrichters irgendwo in der Prärie. Es ging um das heiligste Gut der Justiz: um die richterliche Unabhängigkeit.

Am Ende krochen sie alle zu Kreuze, auch Obamas Justizminister sprach sich gegen die Eröffnung aus. Am 14. Januar 2014 hob der Supreme Court das Urteil des Berufungsgerichtes in San Francisco auf. Die bei der Anhörung erörterte „richterliche Unabhängigkeit“ war kein Thema mehr. Die kalifornischen Richter hätten die Konsequenzen, die die Bejahung ihrer Zuständigkeit auf ausländische Investoren gehabt hätte, unterschätzt, hieß es in ihrem Urteil. Der Rechtsweg war ausgeschöpft. So geht Erpressung.

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US-Studie: PFAS im Trinkwasser sind ein Risiko für Neugeborene

Wenn Mütter während der Schwangerschaft hohen PFAS-Werten ausgesetzt sind, haben sie auch häufiger Frühgeburten.

Trinkwasser aus PFAS-belasteten Standorten kann für Ungeborene und Säuglinge gefährlich sein. Das zeigt die im Dezember 2025 in den «Proceedings of the National Academy of Sciences» veröffentlichte Studie eines Forschungsteams der University of Arizona. Die Forscherinnen und Forscher hatten Geburts-, Sterblichkeits- und Wasserdaten aus dem US-Bundesstaat New Hampshire analysiert. Kinder von Müttern, die Wasser mit PFAS getrunken hatten, tragen demnach ein deutlich höheres Risiko.

Deutlich erhöhte Säuglingssterblichkeit

Bei Kindern von Müttern, die in der Schwangerschaft PFAS im Trinkwasser konsumiert hatten, lag die Säuglingssterblichkeit im ersten Lebensjahr um 191 Prozent höher – das entspricht 611 zusätzlichen Todesfällen pro 100’000 Geburten. Extrem frühe Geburten vor der 28. Schwangerschaftswoche nahmen um 168 Prozent zu, es gab 80 Prozent mehr Neugeborene, die weniger als 1000 Gramm wogen.

Insgesamt nahm der Anteil von Frühgeburten unter PFAS-Einfluss um 20 Prozent zu, der Anteil der Neugeborenen mit geringem Gewicht um 43 Prozent, schreibt der «Guardian», der ebenfalls über die Studie berichtete. Von zu geringem Geburtsgewicht spricht man in der Regel, wenn ein Neugeborenes weniger als 2500 Gramm wiegt

[...] Eine Massnahme, bei der die US-Bevölkerung nur gewinnen kann: Aktivkohlefilter, wie sie häufig verwendet werden, um PFAS zu entfernen, filtern auch andere Schadstoffe aus dem Trinkwasser.

Die Studie fügt sich in eine wachsende Zahl von Arbeiten, die vor Risiken durch PFAS warnen, speziell bei ungeborenen und kleinen Kindern. Dass es häufiger zu Frühgeburten führen kann, wenn Schwangere mit PFAS belastet sind, wurde bereits mehrfach untersucht. Es gibt Korrelationsstudien, die deren Gesundheitszustand mit dem PFAS-Gehalt der Plazenta oder der Nabelschnur abgleichen, und auch Langzeituntersuchungen der heranwachsenden Kinder...

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Globale Atomkraft-Bilanz

Renaissance mit wenig Strahlkraft

Die Zahl der Atomreaktoren ist laut einem neuen Report weltweit gesunken, während ihre Stromproduktion gleich bleibt. Taiwan hat den Atomausstieg vollzogen.

Die weltweite Atomkraft-Nutzung bleibt auf einem Plateau – mit leicht sinkender Reaktorzahl, aber nahezu stabiler Leistung. Zu Jahresbeginn waren global 404 Kernkraftwerke in Betrieb, fünf weniger als ein Jahr zuvor, listet der World Nuclear Industry Status Report (WNISR 2025) in einer neuen Auswertung für 2025 auf.

Trotz der geringeren Zahl blieb die Gesamt-Betriebskapazität der tatsächlich am Netz befindlichen Reaktoren wegen der höheren Leistung praktisch stabil. Es waren laut dem Branchenreport 369 Gigawatt. Auch 2025 war damit kein Jahr der großen Nuklear-Renaissance, die von interessierten Kreisen immer wieder vorausgesagt wird.

Vier neue Reaktoren mit zusammen 4,4 Gigawatt gingen ans Netz – zwei in China sowie je einer in Indien und Russland. Gleichzeitig wurden sieben Anlagen mit 2,8 Gigawatt stillgelegt: je drei in Belgien und Russland sowie ein Reaktor in Taiwan.

Damit habe 2025 die niedrigste Zahl neuer Inbetriebnahmen seit 2017 gebracht – sie lag deutlich unter den zu Jahresbeginn erwarteten 13, so die aktualisierten Zahlen des Reports, der in Berlin von seinem Herausgeber Mycle Schneider und vier der 14 Autorinnen und Autoren vorgestellt wurde.

Schlagzeilen machte 2025 der Fall Taiwan: Mit der Abschaltung des letzten Reaktors im Mai ist der Atomausstieg dort vollzogen. Politisch war das Thema allerdings umkämpft: Ein Referendum zur Wiederinbetriebnahme scheiterte im August 2025 lediglich daran, dass die nötige Mindestbeteiligung verfehlt wurde.

Zahl der Reaktorblöcke in der EU sinkt unter 100

In Europa fällt vor allem Belgien ins Gewicht: Aufgrund von drei Stilllegungen 2025 in dem Land und keiner sonstigen Neu-Inbetriebnahme sank die Zahl der in der EU laufenden AKW-Blöcke laut dem Nuklear-Report unter 100, nämlich auf 98.

[...] Der Präsident des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (Base), Christian Kühn, sagte anlässlich der Vorstellung des Reports: "Der WNSIR zeigt deutlich, dass die prognostizierte Renaissance der Atomkraft klar ausbleibt. Der Anteil der Kernenergie an der globalen Stromerzeugung sinkt seit Jahrzehnten."

Auch die Erwartung, neuartige Mini-Reaktoren könnten die Wende bringen, werde durch den Report nicht gestützt, so Kühn. Der Bericht zeige vielmehr, dass diese Small Modular Reactors (SMR) "noch sehr weit von einer kommerziellen Realität entfernt" seien.

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Nach dem Tod von Alex Pretti

Obama ruft zum Widerstand gegen Trump und ICE auf

Don Trumpl sagt heute dies und morgen das Gegenteil, und er tut alles, um die Situation für alle anderen zu verschlimmern ...Der Tod von Alex Pretti während einer ICE-Razzia sollte für alle Amerikaner ein Weckruf sein, sagt Ex-Präsident Obama. Es gehe nun darum, die eigenen Bürgerrechte zu verteidigen und die Regierung Trump zur Rechenschaft zu ziehen.

Der frühere US-Präsident Barack Obama hat die tödlichen Polizeischüsse auf einen 37-Jährigen in der US-Großstadt Minneapolis verurteilt und das Vorgehen von Präsident Donald Trump scharf kritisiert. "Die Tötung von Alex Pretti ist eine herzzerreißende Tragödie", schrieben Obama und seine Ehefrau Michelle in einer gemeinsamen Erklärung. "Sie sollte auch ein Weckruf für jeden Amerikaner unabhängig von Parteizugehörigkeit sein, dass viele unserer zentralen Werte als Nation zunehmend angegriffen werden."

Bundespolizisten und Einwanderungsbeamte hätten einen "harten Job", erklärte Obama weiter. "Aber die Amerikaner erwarten von ihnen, dass sie ihre Pflichten rechtmäßig und verantwortlich erfüllen." Im Bundesstaat Minnesota, in dem Minneapolis liegt, sei aber das "Gegenteil" zu sehen. Seit Wochen würden "maskierte" Beamte der Einwanderungsbehörde ICE und anderer Polizeibehörden mit "Straffreiheit" agieren und dabei Taktiken verfolgen, die offenbar darauf ausgelegt seien, Bürger "einzuschüchtern, zu schikanieren, zu provozieren und in Gefahr zu bringen", schrieb Obama. Trump und Mitglieder seiner Regierung würden dabei offenbar versuchen, "die Situation zu eskalieren"

Der Politiker der Demokratischen Partei verwies insbesondere auf Angaben der Trump-Regierung zu den tödlichen Schüssen auf Renee Good am 7. Januar und Alex Pretti am Samstag in Minneapolis. Die Angaben würden nicht auf "ernsthaften Ermittlungen" basieren und vielmehr von Videoaufnahmen widerlegt. Obama, der die USA zwischen 2009 und 2017 regiert hatte, rief alle US-Bürger dazu auf, sich an den "friedlichen Protesten in Minneapolis" ein Beispiel zu nehmen. "Es liegt an jedem von uns als Bürger, uns gegen Ungerechtigkeit auszusprechen, unsere Grundrechte zu schützen und unsere Regierung zur Rechenschaft zu ziehen."

Auch der frühere US-Präsident Bill Clinton, der von 1993 bis 2000 im Weißen Haus saß, rief die US-Bürger auf, sich zur Wehr zu setzen. "Es liegt an all jenen von uns, die an das Versprechen der amerikanischen Demokratie glauben, aufzustehen und unsere Stimme zu erheben", erklärte er. Clinton warf zudem der US-Regierung vor, "uns anzulügen"...

 


25. Januar


 

Unterseeboote aus Deutschland

Kommission kritisiert Netanjahus Alleingang beim U-Boot-Kauf

Eine Untersuchungskommission in Israel zählt Verfehlungen bei der Beschaffung deutscher U-Boote auf. Besonders die Entscheidungen von Ministerpräsident Netanjahu werden kritisiert. Einige Vertraute des Politikers stehen in der Affäre unter Korruptionsverdacht.

Eine Untersuchungskommission zur Aufklärung der sogenannten U-Boot-Affäre in Israel hat klare Mängel im Beschaffungsverfahren festgestellt. Die Kommission überprüfte unter anderem die Verfahren zur Beschaffung deutscher U-Boote und Korvetten für die israelische Marine.

"Die Kommission stellte systemische Mängel fest, die bis in den Kern der Prozesse des militärischen Fähigkeitsaufbaus und der Entscheidungsfindung bei der Beschaffung von Rüstungsgütern im Wert von Milliarden Schekel reichen", hieß es in der Zusammenfassung der Schlussfolgerungen.

Israel verfügt bisher über fünf U-Boote aus Kiel, ein sechstes soll noch geliefert werden. 2022 einigten Israel und Deutschland sich dann abschließend auf einen milliardenschweren Deal über den Kauf von drei weiteren U-Booten der neuen Klasse "Dakar". Das erste der Boote, die in der Kieler Werft ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) entwickelt werden, sollte laut der damaligen Vereinbarung binnen neun Jahren geliefert werden. Die Lieferungen nach Israel sind umstritten, weil die U-Boote nach Experteneinschätzung theoretisch mit Atomwaffen ausgerüstet werden können.

[...] Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu war in die Kritik geraten, weil er dem Verkauf hochmoderner U-Boote des deutschen Konzerns an Ägypten zugestimmt haben soll, ohne mit der israelischen Sicherheitsspitze Rücksprache zu halten.

Netanjahu habe den Alleingang damit begründet, dass "der Staat Israel Geheimnisse hat, die nur der Ministerpräsident und eine Handvoll Personen kennen", berichtete die Zeitung "Haaretz".

[...] Parallel zur Untersuchungskommission befasst sich ein Gericht in Tel Aviv mit der Affäre. Laut Anklageschriften sollen mehrere Personen Bestechungsgelder erhalten haben, um die Geschäfte zwischen dem Konzern ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) und dem Staat Israel voranzubringen. Unter den Angeklagten sind Vertraute Netanjahus, aber nicht der Regierungschef selbst...

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Kurdengebiete in Syrien

Kobanê in der Zange

In der Türkei warnt die kurdische DEM-Partei vor Vebrechen der neuen syrischen Armee in Kobanê. Die Bür­ger­meis­te­r:in­nen der Stadt rufen um Hilfe.

Mit einem dramatischen Appell über die Situation in der syrischen Kurdenstadt Kobanê ist die kurdische DEM Partei aus der Türkei am Samstag an die Öffentlichkeit gegangen. Die „Krise in Kobanê verwandelt sich in eine tödliche Katastrophe“. Kinder würde erfrieren, es gebe nichts mehr zu essen, die Stadt sei eingekesselt und völlig von der Außenwelt abgeschlossen.

„Rund 500.000 Menschen sitzen in der Falle. Es gibt keinen Strom mehr und nur sehr wenig Wasser“, heißt es. Der Bericht der DEM beschreibt die Situation bis Samstag letzter Woche. Die Belagerung der Stadt fand während des Waffenstillstands statt, den die kurdische Führung um Mazloum Abdi mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmet al-Sharaa für die letzte Woche ausgehandelt hatte.

Am Samstagabend wurde zwar der Waffenstillstand für 15 Tage verlängert, doch die Blockade von Kobanê bleibt bestehen. Neben der DEM, deren Co-Vorsitzende Tülay Hatimogullari am Donnerstag und Freitag über den Irak die verbliebenen Kurdengebiete in Nordsyrien besuchte und in Hasakah Vertreter der kurdischen Selbstverwaltung traf, schlagen auch etliche internationale Hilfsorganisationen Alarm.

So berichtet Medico International von ihrer Partnerorganisation Kurdischer Roter Halbmond, diese sei per Drohne angegriffen worden und könne nicht nach Kobanê hinein. Medico hat einen dramatischen Hilferuf der beiden Bür­ger­meis­te­r:in­nen von Kobanê veröffentlicht.

[...] Ahmet al-Sharaa hat jetzt, offenbar auf Drängen der USA, der Verlängerung des Waffenstillstands zugestimmt. Außerdem meldete der Syrienexperte Charles Lister am Sonntagnachmittag, die Übergangsregierung habe der Einrichtung von zwei humanitären Korridoren nach Kobanê und Hasakah zugestimmt. Ein Konvoi von 25 Lkws mit Hilfsgütern sei von Aleppo aus nach Osten aufgebrochen um Kobanê und Hasakah zu versorgen. In den kommenden zwei Wochen sollen die Modalitäten der Übergabe der beiden kurdischen Gebiete verhandelt werden.

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Neuer Handelspakt mit der EU

Indien will Zölle auf bestimmte Autos dramatisch senken

Indien und die EU arbeiten derzeit an einem umfassenden Handelspakt. Nun wurden erste Details öffentlich: Demnach könnte die deutsche Autoindustrie massiv von dem Deal profitieren.

Seit die USA unter Donald Trump als Handelspartner immer unzuverlässiger werden, sucht die EU nach anderen Absatzmärkten und Handelsabkommen. Ein solches wird derzeit mit Indien verhandelt. Ein erstes Detail wurde bereits bekannt: Das Land wolle demnach die Zölle auf bestimmte, aus der EU importierte Autos, drastisch senken.

Teils sollen die Abgaben von bis zu 110 Prozent auf nur noch 40 Prozent gesenkt werden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Es wäre die deutlichste Öffnung des indischen Marktes für ausländische Marken seit Langem.

Demnach soll die Regierung von Indiens Ministerpräsident Narendra Modi zugestimmt haben, die Zölle für bestimmte Fahrzeuge aus der EU umgehend zu kappen. Betroffen sind davon bestimmte Autos mit einem Kaufpreis von mehr als 15.000 Euro. Später sollen die Zölle sogar sukzessive auf nur noch zehn Prozent reduziert werden. Deutschen Herstellern wie VW, Mercedes oder BMW würde dadurch der Zugang zum indischen Markt erheblich erleichtert.

Erst mal profitieren nur Verbrenner

Vermutlich am Dienstag sollen weitere Details des umfassenden Paktes bekannt gegeben werden, der von teilnehmenden Verhandlern angeblich »Mother of all Deals« (Mutter aller Verträge) getauft wurde.

[...] Zwar produzieren einige Hersteller wie Mercedes-Benz und BMW in Indien, doch wegen der hohen Abgaben gelingt es ihnen bisher nicht, im Markt nennenswert Fuß zu fassen. Die neuen Zölle würden es den Herstellern ermöglichen, Autos günstiger zu importieren. So könnten sie testen, welche Modelle von indischen Kunden angenommen werden – um sie dann vor Ort fertigen zu lassen.

Analysten gehen davon aus, dass der Auto-Absatz in Indien bis 2030 auf 6 Millionen Fahrzeuge pro Jahr anwachsen könnte. Renault will davon profitieren und ein Comeback auf dem dortigen Markt wagen. Auch Volkswagen will für seine Marke Škoda dort erheblich investieren.

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Warum Führungskräfte KI feiern – und Beschäftigte immer noch zweifeln

Viele Führungsetagen sehen in KI-Tools eine Art Wundermittel, um die Produktivität ihrer Mitarbeiter:innen zu steigern. Im Arbeitsalltag sparen neue Tools den Teams allerdings bisher kaum Zeit ein.

Tech-CEOs betonen regelmäßig die Leistungsfähigkeit ihrer KI-Tools und die daraus resultierenden Vorteile für Unternehmen und Beschäftigte. Wie Futurism berichtet, soll Nvidia-Chef Jensen Huang sogar erklärt haben, dass seine Mitarbeiter:innen „verrückt“ wären, wenn sie KI nicht für möglichst viele Aufgaben einsetzen. Diese Aussage soll gefallen sein, nachdem er erfahren hatte, dass einige Manager:innen ihren Teams geraten hatten, weniger KI zu nutzen. Laut einer Umfrage der Beratungsunternehmen Section gehen die Erwartungen an KI je nach Position allerdings stark auseinander.

Chef:innen sind begeistert von KI

KI-Tools beeinflussen die Arbeitswelt schon jetzt spürbar. Section befragte 5.000 Beschäftigte aus den USA, Großbritannien und Kanada zu ihrer Nutzung. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Kluft zwischen Führungsebene und Belegschaft. So gaben 40 Prozent der Mitarbeiter:innen an, dass ihnen KI über eine gesamte Arbeitswoche hinweg überhaupt keine Zeitersparnis bringe. Lediglich zwei Prozent erklärten, mithilfe von KI mindestens zwölf Stunden pro Woche einzusparen. Gleichzeitig ist die Verunsicherung groß: Zwei Drittel der Befragten fühlen sich im Umgang mit KI ängstlich oder überfordert.

In den Führungsetagen fällt die Einschätzung deutlich positiver aus. Hier äußerten sich 75 Prozent begeistert über die neuen Möglichkeiten. Zudem erklärten 19 Prozent der Führungskräfte, dass ihnen KI-Tools wöchentlich mehr als zwölf Stunden Arbeitszeit einsparen. Die Umfrage macht somit eine deutliche Diskrepanz sichtbar. Während Manager:innen davon ausgehen, dass KI grundlegende Probleme am Arbeitsplatz löst und die Produktivität steigert, erleben viele Mitarbeiter:innen die Tools als zusätzliche Anforderung ohne klaren Mehrwert – und das in einer Situation, in der zugleich die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz wächst.

Angestellte bangen um ihre Jobs

Zahlreiche Unternehmen haben zuletzt umfangreiche Stellenstreichungen angekündigt. So plant UPS den Abbau von 14.000 Arbeitsplätzen. Insgesamt sollen 48.000 Stellen gestrichen werden. Auch Amazon kündigte an, 14.000 Mitarbeiter:innen zu entlassen. SAP will den Stellenabbau sogar zur Routibne machen: Allein durch ein im Jahr 2024 angekündigtes „Transformationsprogramm” fielen weltweit rund 10.000 Jobs weg...

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Wieder ein Toter in Minneapolis

US-Regierung verbreite „Unsinn und Lügen“, sagt Tim Walz

Don Trumpl sagt heute dies und morgen das Gegenteil, und er tut alles, um die Situation für alle anderen zu verschlimmern ...Beamte der Einwanderungsbehörde ICE haben am Samstag den 37-Jährigen Alex Jeffrey Pretti erschossen. Minnesotas Gouverneur verurteilt ihr Vorgehen.

Die Razzien der Einwanderungsbehörde ICE im US-Bundesstaat Minnesota haben ein weiteres Todesopfer gefordert. Ein 37-jähriger Mann wurde am Samstag nach einem Handgemenge mit Bundesbeamten in Minneapolis erschossen. Das Opfer wurde später als Alex Jeffrey Pretti identifiziert. Er war ein Krankenpfleger und US-amerikanischer Staatsbürger. Er ist nach Renee Good, die vor etwas mehr als zwei Wochen von einem ICE-Agenten erschossen wurde, bereits die zweite Person, die von Beamten der Bundesbehörden der Stadt am Mississippi getötet wurde.

Videos des Vorfalls, die auf den sozialen Medien geteilt wurden, zeigten, wie Pretti die Beamten – neben ICE-Agenten, sind das auch Grenzschützer der Behörde CPB und Ermittler von HSI – verbal konfrontiert. Er filmt die Beamten zunächst mit seinem Smartphone, kurze Zeit später wird eine unbekannte weitere Person von einem der Beamten zu Boden gestoßen. Pretti schreitet ein, um die Person zu schützen.

Die Beamten gehen daraufhin Pretti an und versuchen scheinbar die Situation zu deeskalieren. Doch es kommt zu einem Handgemenge und als Pretti auf der Straße kniet und von mehreren Beamten festgehalten wird, fällt ein Schuss. Dann folgen noch weitere. Nur Sekunden später liegt Pretti regungslos auf seinem Rücken. Trotz sofortiger medizinischer Maßnahmen konnte kurze Zeit später in einem lokalen Krankenhaus nur noch sein Tod festgestellt werden.

[...] Das US-Heimatschutzministerium DHS und Präsident Donald Trump selbst verteidigten das Verhalten der Beamten. Im Gegensatz dazu bezeichnete Minnesotas demokratischer Gouverneur Tim Walz das Verhalten der Bundesbehörden als „abscheulich“.

„Diese Besetzung Minnesotas durch Bundesbehörden hat schon lange nichts mehr mit Einwanderungskontrollen zu tun. Es handelt sich um eine Kampagne organisierter Brutalität gegen die Bevölkerung unseres Bundesstaates. Und heute hat diese Kampagne ein weiteres Leben gefordert. Es ist abscheulich“, sagte Walz während einer Pressekonferenz.

[...] Aufgrund der Ereignisse in Minnesota steigt auch das Risiko eines teilweisen Shutdowns der Regierung. Der im vergangenen Jahr verabschiedete Übergangshaushalt endet am 30. Januar. Nun erklärte der demokratische Fraktionsführer Chuck Schumer, dass seine Partei sämtliche Haushaltspakete im Senat blockieren würden, falls diese Gelder für DHS enthielten... 

 


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Aktuelles+

25. Januar 2026

Atomkraft vor Comeback? In welchen Ländern neue AKW entstehen

Berlin. Während Deutschland Atomkraftwerke abschaltet, investieren andere Länder in neue Reaktoren. Doch feiert die Atomenergie ein Comeback?

Immer wieder Atomenergie. Manche Länder sehen sie als Chance, von fossiler Energie wegzukommen. Die US-Technologieindustrie will groß einsteigen, um den Hunger der Rechenzentren nach Künstlicher Intelligenz zu stillen. In Deutschland denkt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) immer wieder laut über sie nach. Die Internationale Energie Agentur IEA, lange Jahre skeptisch, hat gar eine Renaissance entdeckt.

In Zahlen schlägt sich die Begeisterung bisher nicht nieder. Anfang 2026 waren weltweit 404 Atomkraftwerke mit einem Durchschnittsalter von etwa 33 Jahren in Betrieb, wie aus dem aktuellen World Nuclear Industry Status Report hervorgeht, einem unabhängigen Bericht zur Lage der kommerziellen Atomstromerzeugung. Vier Anlagen kamen 2025 neu hinzu: zwei in China und je eine in Indien und Russland. Sieben gingen vom Netz: je drei in Belgien und Russland, eine in Taiwan. Das Land stieg damit als fünftes Land aus der Atomenergie aus. Deutschland schaltete den letzten Reaktor 2023 ab.

Atomkraft weltweit: Stromproduktion steigt trotz weniger Anlagen

Anlagen laufen noch in 31 Ländern, die meisten in Frankreich. Gebaut wird in elf Ländern, vor zwei Jahren waren es noch 16. Für Mycle Schneider ein Zeichen, dass die Atomkraft gerade eher im Sinken begriffen ist. Sind insgesamt weniger Anlagen an den Netzen der Welt, steigt doch die erzeugte Strommenge. 2025 dürften die Reaktoren den Rekord von 2024 (2677 Terawattstunden) noch einmal um zehn bis 15 Terawattstunden übertroffen haben. Weil aber auch der Energiebedarf steigt, stagniert der Anteil von Atomstrom weltweit seit Jahren bei um die neun Prozent.

Schneider ist Herausgeber des Berichts, der seit 2007 jährlich erscheint. Die Autoren aus neun Ländern werten öffentlich zugängliche und belastbare Quellen aus. Den Bericht unterstützen unter anderem das Bundesamt für die Sicherheit in der nuklearen Entsorgung (Base), die Friedrich-Ebert- und die Heinrich-Böll-Stiftung.

China und Russland treiben weltweiten AKW-Bau voran

Zum Jahresbeginn waren 67 Reaktoren weltweit im Bau. Als „im Bau“ zählt ein Reaktor, wenn das Fundament gegossen wird. Deshalb ist zum Beispiel die Anlage, die Polen an der Ostsee errichtet, noch nicht erfasst. Einzige Baustelle in Europa ist Hinkley Point C in Südengland.

67 Reaktoren weltweit im Bau klingt viel, doch 36 entstehen allein in China. Das Land hat in den vergangenen Jahren kräftig in Atomkraft investiert. Allerdings steckten sie noch mehr in erneuerbare Energien, die einen deutlich höheren Anteil an der Stromproduktion des Landes haben. Nach China folgt Russland, das Atomreaktoren als Exportprodukt versteht. Die Russen bauen unter anderem in Ägypten und der Türkei, in Indien und Bangladesch.

Atomkraftwerke: Russland sichert sich Einfluss durch Projekte

Das hat womöglich auch strategische Gründe. „Es gibt keine engere Verbindung zwischen zwei Ländern als den Bau eines Atomkraftwerks“, sagt Schneider. Zudem bieten die Russen an, abgebrannte Brennstäbe wieder zurückzunehmen. In der Türkei werden sie die vier Anlagen sogar betreiben. Bemerkenswert findet der Herausgeber des Berichts, dass zum Beispiel weder in Süd- noch in Nordamerika eine neue Anlage gebaut wird. Trotz markiger Ankündigungen, groß einsteigen zu wollen.

Zuletzt hatten sich 33 Länder dazu bekannt, Atomenergie bis 2050 zu verdreifachen. Zu den Unterzeichnern des entsprechenden Papiers gehören Frankreich, Finnland, Japan, die Niederlande, Großbritannien und die USA, aber auch Ghana, Jamaika, Ruanda und Senegal. „Wenn alles wie versprochen umgesetzt wird, würde die installierte Leistung von 413 Gigawatt 2020 auf 1240 Gigawatt steigen“, heißt es im World Energy Report.

Geredet wird viel, die Realität sieht möglicherweise anders aus. Schneider hält Pläne und Zahlen für Unsinn. „Es ist einfach technisch nicht möglich, derart viele neue Kraftwerke in der Zeit zu bauen.“ Zumindest, wenn man nach den Reaktoren in der EU geht. Zuletzt begann in der Gemeinschaft 2007 der Bau eines Reaktors. Flammanville-3 in der Normandie ging 2024 nach 17 Jahren in den Betrieb. Die Kosten stiegen von geplanten 3,3 auf mehr als 13 Milliarden Euro.

Nur wenige Firmen können neue Atomkraftwerke bauen

Schneider zufolge gibt es zudem nicht genug Firmen, die derart viele AKW errichten können. Neben der russischen Rosatom sind das CGN und CNNC aus China, die französische EDF und KHNP aus Südkorea. Das US-Unternehmen Westinghouse stellt Technologie bereit, will aber keine Baurisiken mehr eingehen. Eine chinesische Firma zu beauftragen, sei für die westliche Welt indiskutabel, sagt Schneider. Ähnlich sehe es bei Rosatom aus.

Warum dennoch so viele Politiker gern von Atomkraftwerken reden? Es sei einfach, so etwas zu verkünden, sagt Ruggero Schleicher-Tappeser, Mitautor des WNISR-Berichts. „Politiker können zeigen, dass sie etwas tun.“ Ob dann tatsächlich etwas geschieht, ist eine andere Frage.

Atommüll: Bisher ist weltweit kein Endlager in Betrieb

Der Wandel der Energiewelt macht es für die nuklearen Großanlagen ohnehin schwerer. Solarpanels sind günstig in Masse herzustellen und flexibel einsetzbar, wie Schleicher-Tappeser sagt. Sie erzeugten Strom direkt aus der Kraft der Sonne und nicht über den Umweg über Hitze und Turbinen. Zudem sinke der Preis für Batteriespeicher kräftig. Er erwartet, dass auch die US-Technologieriesen eher auf Sonnenenergie setzen als auf Atomkraft.

Was alle alten und neuen Fans bisher neben steigenden Kosten, längerer Bauzeit und technischen Problemen gern übersehen: den Atommüll. Bisher ist weltweit kein Endlager in Betrieb. Immerhin, die Finnen stehen kurz davor. 

 


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Hintergrundwissen

Die Karte der nuklearen Welt


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Wer baut Atomkraftwerke?
Autoritäre Persönlichkeiten mit Alleinherrscher-Ambitionen wie Shipping Pooh, Narrencap Mudi, Don Trumpl, Wlad Putin, Recep Egowahn, Kim Young Unsinn, Vik Uranwahn und die anderen Horrorclowns!

Die Suchmaschine Ecosia pflanzt Bäume!

https://www.ecosia.org/search?q=World+Nuclear+Industry+Status+Report+2025

https://www.ecosia.org/search?q=Renaissance+der+Kernenergie

https://www.ecosia.org/search?q=Autoritarismus+und+Atomkraft
 

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Statusbericht der Welt der Nuklearindustrie 2025

Der World Nuclear Industry Status Report (WNISR 2025) bewertet auf 589 Seiten den Status und die Trends der internationalen Atomindustrie. Es bietet einen umfassenden Überblick über die Daten von Kernkraftwerken, einschließlich Informationen über Betrieb, Produktion, Flottenalter, Bau und Stilllegung von Reaktoren. Besonderes Augenmerk liegt auf der Situation in China, Frankreich, Japan, Russland, Südkorea, der Ukraine, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten sowie Taiwan, das seinen Atomausstieg abgeschlossen hat.

Der WNISR2025 diskutiert den sehr unterschiedlichen Status von Neubauprogrammen in bestehenden Nuklearnationen sowie in einigen P-notential Newcomer-Ländern, während der Entwicklungsstand von Small Modular Reactors (SMRs) einem speziellen Kapitel unterliegt.

WNISR2025 enthält ein spezielles Fokuskapitel zu den Herausforderungen der Integration von Kernkraft in das Energiesystem, eine Kompatibilitätsanalyse der Kernenergie mit modernen Stromsystemen auf Basis erneuerbarer Energien, ergänzt durch eine vergleichende Analyse von Kernkraft vs. Bereitstellung Erneuerbarer Energien. Ein Kapitel über nukleare Abhängigkeiten Russlands untersucht nicht nur die Abhängigkeit der westlichen Industrien aus Russland als Kunde für ihre Produkte und Dienstleistungen.

Der Fukushima Status Report bewertet anhaltende Herausforderungen vor Ort/vor Ort, 14 Jahre nach Beginn der Katastrophe. Der Stilllegungsstatusbericht befasst sich mit dem aktuellen Stand der nunmehr 218 geschlossenen Kernkraftwerksreaktoren. Anhang 1 bietet einen Überblick nach Region und Land über alle in den Schwerpunktkapiteln nicht behandelten nuklearen Programme.

Achtzehn interdisziplinäre Autoren mit Sitz in Österreich, Kanada, Frankreich, Deutschland, Japan, Litauen, Mexiko, Südafrika, Taiwan, der Türkei und den USA, an renommierten akademischen Institutionen wie der Nagasaki University, der University of British Columbia, der Technischen Universität Berlin, der University of Johannesburg und der University of Natural Resources and Life Sciences (BOKU) und geschätzten Stiftungen wie Bellona und Sasakawa Peace Foundations haben dazu beigetragen.

Das Vorwort wurde von Letizia Magaldi, Präsidentin des Kyoto Clubs, Rom, zur Verfügung gestellt.
 

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Greenpeace

9 Fakten über Atomkraft

Auch wenn immer wieder eine “Renaissance” herbeigeredet wird: die Fakten sprechen gegen Atomkraft. Denn sie ist und bleibt unsicher, unzuverlässig, gefährlich, dreckig und teuer. Punkt. Aus.

Deutschland hat am 15. April 2024 seine letzten Atomkraftwerke abgeschaltet. Weltweit ist die Atomkraft auf dem absteigenden Ast. Waren 2005 noch 440 Reaktoren in Betrieb, hat sich die Anzahl auf 415 reduziert (März 2024). Auch der weltweite Anteil der Atomkraft am Strommix ist 2022 unter zehn Prozent gesunken, das ist so wenig wie zuletzt vor Jahrzehnten. Eine Studie im Auftrag von Greenpeace belegt den Niedergang der Atomkraft.

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) kam nach einer Analyse vom März 2023 zu dem Schluss, dass alle derzeit diskutierten neuen Atomkraftwerk-Projekte ökonomisch und technisch weder zukunftsfähig noch sinnvoll wären. Und das ifo-Institut München resümiert in einer komplexen und umfassenden Modellierung: “Modellendogen rechnet sich der Bau von Atomkraftwerken nicht mehr.” ...
 

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Wikipedia

F-Skala (Autoritäre Persönlichkeit)

Die F-Skala (Abkürzung für Faschismus-Skala, auch California F-scale) ist ein Fragebogen, der typische Einstellungen und Persönlichkeitseigenschaften der autoritären Persönlichkeit erfassen soll. Der Fragebogen ist während des Zweiten Weltkriegs, aber nicht nur mit dem Blick auf Deutschland, entwickelt worden.

Zielsetzung und Entwicklung des Fragebogens

Der Fragebogen wurde für das berühmte sozialpsychologische Forschungsvorhaben über The Authoritarian Personality (1950) von Theodor W. Adorno, Else Frenkel-Brunswik, Daniel Levinson und R. Nevitt Sanford an der University of California at Berkeley entwickelt. Die Autoren versuchten nicht nur die Entstehung des Faschismus und Antisemitismus aufzuklären, sondern allgemeine antidemokratische Tendenzen zu erfassen und langfristig auch zur demokratischen Erziehung beizutragen.

Die ausgewählten Persönlichkeitszüge entsprechen weitgehend den von Erich Fromm aus psychoanalytischer Sicht erläuterten Kennzeichen des autoritären Charakters. Die Berkeley Group folgte außerdem noch anderen sozialpsychologischen und soziologischen Konzepten und benutzte die Itemanalyse zur Konstruktion der F-Skala, die nur eine ihrer neu entwickelten Untersuchungsmethoden ist...
 

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YouTube

https://www.youtube.com/results?search_query=World+Nuclear+Industry+Status+Report+WNISR+2025

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In dieser Playlist finden sich über 150 Videos zum Thema Atom*

 


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